T-Mobile senkt die Preise, doch die Tarifverwirrung bleibt

- Bonn - Niedrigere Preise im Mobilfunk sollen T-Mobile wieder zu wachsenden Umsätzen verhelfen. Die Telekom- Tochter eröffnete gestern die vom Vorstandschef des Telefonkonzerns Kai- Uwe Ricke angekündigte Preisoffensive. Neue Angebote für Festnetz, DSL und Internet will Ricke am Donnerstag bei der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin bekannt geben. Eine enttäuschende Halbjahresbilanz hatte den ehemaligen Monopolisten aufgeschreckt.

Rund eine Million Festnetzkunden sind dem Konzern im ersten Halbjahr davongelaufen. Und auch der Mobilfunk ist nicht mehr der Wachstumsgarant, der er jahrelang war. Erstmals sei im zweiten Quartal 2006 der deutsche Mobilfunkmarkt geschrumpft, sagte der Vorstandssprecher von T-Mobile Deutschland, Philipp Humm, und zwar um 0,2 Prozent. Zudem bedrängt Billigkonkurrenz den Noch- Marktführer. Das neue Angebot soll "dem Verbraucher die Kostenbremse im Kopf nehmen", sagte Humm.

Aussagen der Sorte "Ich rufe Dich nachher auf dem Festnetz zurück" sollen nach Vorstellung der Mobilfunkanbieter der Vergangenheit angehören. Wenn ein Telefonat mit dem Handy unter zehn Cent pro Minute oder dank einer Flatrate scheinbar gar nichts mehr kostet, so die Hoffnung bei T-Mobile, werde der Kunde nicht mehr so genau darauf achten, über welches Netz und wie lange er spricht. Erfahrungen aus dem Ausland scheinen zu belegen, dass die Rechnung aufgehen könnte. Das Credo der Marketingstrategen: Niedrigere Minutenpreise führen ab einer bestimmten Grenze, die in der Nähe von zehn Cent pro Minute vermutet wird, zu mehr Umsatz pro Kunde. Ob das in Deutschland funktioniert, dürfte sich bald zeigen.

Lichter wird der Tarifdschungel im Mobilfunk durch die T-Mobile-Offensive jedenfalls kaum. Nach wie vor müssen die Kunden genau abwägen, welcher Tarif für sie der passende ist. Bei der Telekom-Tochter zum Beispiel gibt es künftig drei Gruppen von Vertragstarifen und ein ebenfalls in mehreren Varianten erhältliches Prepaid-Angebot. Andere Anbieter bieten entsprechende, ebenfalls kaum noch überschaubare Tarifvarianten, und die vollmundigen Werbeaussagen tragen meist auch nicht zu Klarheit bei. Die Unterschiede liegen in den monatlichen Fix-Kosten und in den Gesprächspreisen, die wiederum unterschiedlich sind je nachdem, wann in welches Netz telefoniert wird. Die monatlichen Grundpreise beispielsweise liegen bei den Vertragsangeboten von T-Mobile zwischen knapp sieben Euro für den Tarif "Basix" ohne neues Handy bis zu 68 Euro für "Relax 1000" mit Handy.

Letzteren Tarif sieht Humm als "de-facto-Flatrate" an, da das Kontingent von 1000 Freiminuten für Gespräche in alle deutschen Netze, auch die der Mobilfunkkonkurrenz, nur in den seltensten Fällen ausgeschöpft werden dürfte. Dazwischen liegen vier weitere Abstufungen der Relax- Tarife, eine "Max" genannte Flatrate, allerdings nur für Gespräche ins Festnetz sowie in das T-Mobile- Netz, sowie auch noch "Tmobile(at)home" als Zwittertarif, der vom Mobiltelefon in einer festgelegten Nahzone um die eigene Wohnung Festnetzgespräche für vier Cent pro Minute ermöglicht.

Auch die Preise für Gesprächsminuten sind nicht eben übersichtlicher: Von 39 Cent pro Minute ins Festnetz oder gar 49 Cent in andere Mobilfunknetze bei Prepaidkarten geht die Spanne über zahlreiche Stufen wie neun Cent für Festnetzgespräche am Wochenende oder abends zwischen 20 Uhr und 7 Uhr bis hin zu rechnerischen sechs Cent pro Minute bei "Relax 1000" in alle Netze oder eben null Cent bei der auf das deutsche Festnetz und das T-Mobile-Netz beschränkte Flatrate "Max".

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