T-Online: Für Telekom nur Ramschpreis wert

- Bonn - Bei ihrem Börsendebüt im April 2000 war die T-Online-Aktie 20fach überzeichnet. Stolze 27 Euro kostete das Papier der Telekom-Tochter und der Kurs sprang schon am ersten Börsentag auf 37,50 Euro. Mittlerweile ist die Aktie nur noch 8,99 Euro wert und soll nach dem Willen der Telekom bald ganz vom Börsenzettel verschwunden sein.

<P>Damals - kurz vor dem Ende des Börsenbooms - galt es noch als glänzende Strategie, Töchter eines Konzerns an den Aktienmarkt zu bringen. Es ging weniger um die rund drei Milliarden Euro, die die Telekom aus dem Teilverkauf von T-Online erlöste. Wichtiger war es, eine "Akquisitionswährung" für grenzüberschreitende Einkäufe zu schaffen. Wirklich interessante Deals seien nicht mehr in bar zu bezahlen, sagte der damalige T-Online-Chef Wolfgang Keuntje. Stattdessen sollten die begehrten Aktien als Gegenleistung dienen.<BR><BR>Das ist vorbei. Nicht nur wegen des Wertverlusts der Aktie - es gebe auch praktisch nichts mehr zu kaufen, da die Konsolidierung dieses Sektors weltweit weitgehend abgeschlossen sei, sagte Ron Sommers Nachfolger im Telekom-Chefsessel, Kai-Uwe Ricke, nun. Doch nicht deshalb will die Telekom die rund 26 Prozent der T-Online-Aktien, die nicht in ihrem Besitz sind, zurück.<BR><BR>Die Telekom nehme ihre Internet-Tochter vor allem von der Börse, weil angesichts der rasanten Entwicklung der Technik die Zeit der sich selbst genügenden Internet-Anbieter vorbei sei, meinte Ricke. Der Kunde solle alles aus einer Hand bekommen. Für verwirrende Rivalitäten zwischen Festnetz- und Internetanbieter aus dem gleichen Haus, von denen Kunden von Telekom und T-Online in der Vergangenheit ein Lied singen konnten, soll kein Platz mehr sein.<BR><BR>Breitband ist das Schlüsselwort. Die historische Unterscheidung zwischen Telefon und Internet wird in absehbarer Zeit unerheblich: Über schnelle Internetzugänge per DSL (die Alternative per TV-Kabel ist in Deutschland wenig verbreitet) kann man auch telefonieren. Voice over IP (VoIP), wie die Technik heißt, verheißt deutlich billigere Ferngespräche und dürfte in wenigen Jahren dem Festnetz messbare Marktanteile abnehmen. Spezielle Internet-Telefonapparate werden die Nutzung auch ohne Computer ermöglichen. Da will die Telekom an vorderster Front dabei sein und die erwarteten Verluste im Festnetzgeschäft abfedern.<BR><BR>Das börsentechnische Verfahren ist aufwendig, wird erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2005 abgeschlossen sein, sichert nach den Worten von Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick aber 100-prozentigen Erfolg. Das deutsche Umwandlungsgesetz ermöglicht eine Verschmelzung von Unternehmen per Umtausch von Aktien. Die Hauptversammlung von T-Online muss mit einer Anteilsmehrheit von 75 Prozent zustimmen. 73,93 Prozent gehören bereits heute der Telekom.<BR><BR>Die Kleinaktionäre und institutionellen Anleger, die insgesamt 20,38 Prozent an T-Online halten, sollen im Tausch Telekom-Aktien erhalten, ebenso der französische Flugzeug-, Raumfahrt- und Medienkonzern Lagardè`re, dem 5,69 Prozent gehören. Das Tauschverhältnis soll von unabhängigen Gutachtern bis Januar festgelegt werden. Alle können ihre Aktien aber auch an die Telekom verkaufen - zum Kurs von 8,99 Euro.<BR><BR>Anlegerschützer haben das Angebot bereits als inakzeptabel gescholten. Aktionäre sollten das Angebot nicht annehmen, sondern auf eine Nachbesserung warten. Telekom-Chef Ricke hat für die T-Online-Aktionäre der ersten Stunde nur wenig Trost: "Die Zeiten haben sich geändert", sagte er. "Der Preis für die Aktie war damals und heute der Marktpreis."<BR></P><P><BR> </P>

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