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19 Tonnen Stahl unter Wasser: Das Geheimnis der BMW-Oracle-Yacht

- Valencia ­- Eines von vielen Geheimnissen liegt unter dem Wasser. Gut 19 Tonnen wiegt die Kielbombe am Ende des Edelstahlschwerts der Yacht "USA 98", mit der das BMW-Oracle-Racing Team demnächst den America's Cup gewinnen will. Banal gesprochen muss der torpedoförmige Koloss nicht viel mehr tun, als die pfeilschnelle Yacht bei den am Montag beginnenden Wettfahrten vor Valencia am Umkippen zu hindern.

Doch der Teufel liegt wie so oft im Detail. Wie sehr, das lässt schon die Herkunft der Kielbombe erahnen. Das gute Stück wurde von den Bayerischen Motorenwerken hergestellt ­ von einer Autofirma! Über Monate hinweg haben Auto- und Bootsbauer im Eisenacher Werk unter höchster Geheimhaltungsstufe ­ auch der America´s Cup ist längst ein Fall für Betriebsspionage ­ gemeinsam am Computer an Idealform und -material getüftelt.

Das erinnert stark an die Gepflogenheiten der Formel 1 und glaubt man BMW-Ingenieur Thomas Hahn, dann kommen die Gemeinsamkeiten zwischen den Königsklassen von Segel- und Automobilsport nicht von ungefähr. "In beiden Bereichen", betont der Mann, der zu den wichtigsten Köpfen hinter "USA 98" gehört, "können schon winzige Veränderungen am Material zwischen Sieg und Niederlage entscheiden." Man ahnt es: Wie beim Kräftemessen der schnellen Autos ist auch beim America´s Cup der Sport selbst nur noch ein kleiner Teil im großen Spiel.

Autobau-Know-how für die Formel 1 der Meere

Der wichtigste Segelwettbewerb der Welt ist ein Wettbewerb von Technikern und Designern geworden. 200\x0f000 Stunden Entwicklungszeit stecken in einem einzigen Boot. So etwas kostet reichlich Geld, nicht umsonst ist der einstmals werbefreie America’s Cup längst zur Spielwiese von Großkonzernen geworden. Alleine das offiziell unter amerikanischer Flagge startende BMW Oracle Team wirft für die dreijährige Kampagne rund 150 Millionen Euro ins Rennen.

Ziemlich günstig, wenn der Geldgeber auch noch die Erkenntnisse der Hochtechnologie ins Spiel bringen kann. Weshalb Teameigner Larry Ellison nach dem Aus bei der letzten Auflage vor Neuseeland auch einiges daransetzte, neben den Finanzen vor allem das Know-how seines bayerischen Partners BMW abzurufen. Und die Münchner Autobauer ließen sich nicht lange bitten, machten aus "Oracle BMW" das "BMW-Oracle"-Team und leiteten so manche Ressource geradewegs in das für eine Weltmarke so passende Prestigeprojekt "America‘s Cup" um.

Für Autobauer nicht leicht: Es gibt keine Prototypen

Findige Köpfe wie Thomas Hahn etwa. Der gelernte Luftfahrt-Ingenieur, selbst ein begeisterter Hobby-Segler, siedelte vor gut drei Jahren aus der Münchner BMW-Abteilung für Forschung und Entwicklung nach Seattle über und wurde zu einem der zentralen Köpfe hinter dem Boot, das sich demnächst zum großen Herausforderer von Titelverteidiger Alinghi aufschwingen soll.

Denn im Aufgabengebiet des 41-Jährigen und seiner drei Begleiter aus der Münchner Ideenschmiede lag vor allem jener Bereich, der wohl maßgeblich über Erfolg und Misserfolg entscheiden wird: Das Material.

Leicht genug, um schnell zu sein und doch strapazierfähig genug, um den Belastungen auf See standhalten zu können. Eine "besondere Herausforderung", wie Hahn ("Ich kenne jede Faser des Bootes") befindet, zumal der Bau einer America’s Cup-Yacht im Gegensatz zu seinem gewohnten Betätigungsfeld in der Automobilentwicklung eine wesentliche Schwierigkeit mit sich bringt: "Man hat keine Prototypen", sagt er, "was wir am Computer entwickelt haben, das muss passen."

Nur ein Versuch also ­ wie gut er dem Mann, der in den vergangenen Monaten ganz nebenbei auch noch Familienvater geworden ist, gelungen ist, das wird er auch selbst erst in den nächsten Tagen beurteilen können, wenn mit den Matchfahrten vor Valencia die Zeit der großen Testfahrten zu Ende geht. Dann, wenn auch die größten Geheimnisse ihre wahre Wirkung offenbaren müssen.

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