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Pierre Wauthier beklagte in seinem Abschiedsbrief die Gesprächskultur in dem Konzern.

Wauthier: Emotionaler Abschiedsbrief

Toter Zurich-Finanzchef beschuldigte Ackermann 

Zürich - Der Abschiedsbrief des tot aufgefundenen Finanzchefs des Schweizer Versicherers Zurich, Pierre Wauthier, soll der Darstellung von Ex-Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann widersprechen.

Dem "Handelsblatt" zufolge beklagt der Finanzchef in dem Brief die Gesprächskultur im Konzern, die er nach Angaben von Eingeweihten insgesamt als furchtbar empfunden habe. Es gehe um zwei Zusammentreffen mit dem nach dem Tod Wauthiers als Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group zurückgetretenen Josef Ackermann. Wauthier habe demnach bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen im Verwaltungsrat die Einschätzung geäußert, dass die Anleger die Zahlen recht gut aufnehmen würden. Ackermann habe dem widersprochen, was eine Diskussion zur Folge hatte, berichtete das Blatt unter Berufung auf ranghohe Zurich-Kreise.

Der 53-jährige Finanzchef müsse die Unterredung mit Ackermann als besonders verletzend empfunden haben, berichtete "Focus" unter Berufung auf Eingeweihte. Der Brief sei emotional gehalten und beinhalte verschiedene Schuldzuweisungen. Ackermann hatte am Freitag jeden Zusammenhang zwischen dem mutmaßlichen Suizid Wauthiers und einer Diskussion um die Halbjahreszahlen des Konzerns zurückgewiesen.

Wauthier war am vergangenen Montag tot in seinem Haus im Kanton Zug aufgefunden worden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Wie das "Handelsblatt" und das Magazin "Focus" am Samstag und Sonntag vorab berichteten, gibt es zwei Abschiedsbriefe Wauthiers. Einer der Briefe ist an die Familie, der andere an die Zurich-Gruppe gerichtet. In Letzterem wird Ackermann als einziger Manager namentlich genannt. Dies hätten mit den Schreiben Vertraute gesagt.

Bei einer Telefonkonferenz am Freitag hatte Ackermanns Nachfolger Tom de Swaan bestätigt, dass es in einem Abschiedsbrief um das Verhältnis zwischen Ackermann und Wauthier gehe. Ackermann, der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, war seit März 2012 Verwaltungsratschef des Schweizer Zurich-Versicherungskonzerns.

Am Donnerstag hatte Ackermann überraschend seinen sofortigen Rücktritt als Präsident des Verwaltungsrats von Zurich angekündigt. Er habe "Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag", erklärte Ackermann.

Zurich-Chef würdigt Wauthier

Der Chef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich, Martin Senn, hat die Leistungen des toten Finanzvorstands Pierre Wauthier gewürdigt. Dieser habe hervorragende Arbeit geleistet. „Er war eine hoch geschätzte Persönlichkeit“, sagte Senn der „Neuen Zürcher Zeitung“ am Sonntag. Probleme habe er bei dem Manager auch bei einer gemeinsamen Dienstreise kurz vor dessen Selbsttötung nicht erkannt.

Der Tod des Finanzchefs und der Rücktritt des Verwaltungsratsvorsitzenden Josef Ackermann hätten den guten Ruf des Unternehmens aber belastet. „Ich arbeite jetzt daran, dass wir diesen Reputationsverlust, diese Wolke, die sich über das Unternehmen gelegt hat, wieder wegblasen können“, sagte Senn.

dpa/afp

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