+
Etwa 30 Prozent der Urlaubsreisen der Deutschen führen ins Inland. Foto: Sebastian Kahnert

Tourismus kann wegbrechende Wirtschaft schwer ersetzen

Das Geschäft mit dem Deutschlandurlaub läuft - aber nicht alle Regionen profitieren gleichermaßen. Kann Tourismus ein Allheilmittel für wirtschaftsschwache Regionen sein? Eine Expertin ist skeptisch.

Berlin (dpa) - Tourismus kann Geld in manche Regionen bringen, nach Ansicht des Deutschen Tourismusverbands aber wegbrechende Wirtschaftszweige nur schwer ersetzen.

"Das funktioniert nicht. Tourismus kann sowas nicht alleine auffangen", sagte DTV-Sprecherin Sarah Mempel in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Das betreffe etwa Regionen, in denen Industrie verschwunden sei oder die Landwirtschaft nicht mehr so gut laufe wie früher. "Tourismus hat immer eine stabilisierende Wirkung, kann aber nicht der Heilsbringer sein."

Insgesamt steuert der Tourismus in Deutschland nach Schätzung des Verbands auf einen Jahresrekord zu. Der DTV rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von vier Prozent bei den Übernachtungen - das entspreche einem Zuwachs von 17,4 Millionen auf insgesamt 453,7 Millionen Übernachtungen, sagte Mempel. Von den vielen Urlaubern profitieren vor allem die Küstenregionen an Nord- und Ostsee und Gebiete in Süddeutschland.

"Deutschland war schon immer das beliebteste Reiseland der Deutschen", sagte die Verbandssprecherin. Etwa 30 Prozent der Urlaubsreisen der Deutschen führten ins Inland. Der Deutschland-Boom, der heute vor dem Hintergrund der Terrorangst diskutiert werde, sei also nicht neu.

Tatsächlich legt das Geschäft mit Touristen und Geschäftsreisenden seit Jahren zu. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Übernachtungen auch im ersten Halbjahr im Jahresvergleich um drei Prozent. Es kamen mehr in- und mehr ausländische Gäste. Bei Urlaubern beliebt: Deutschlands Küsten und südliche Gegenden wie Oberbayern, der Bayerische Wald oder der Bodensee, sagte die DTV-Sprecherin. Das blieben die beliebtesten Urlaubsreiseziele. Es gebe aber auch Regionen, die versuchten, mehr Gäste ins Hinterland zu lotsen.

Es sei aber ein großer Aufwand, sich als Tourismusregion aufzustellen und zu etablieren. "Es reicht nicht, wenn man eine schöne Landschaft hat und dazu mal einen netten Prospekt druckt", sagte die Sprecherin. "Das alleine lockt natürlich noch niemanden in die Gegend." Man brauche ein Konzept - und etwa die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, regionalen Partnern, Verkehrsträgern und auch über Gebietsgrenzen hinweg. "Das ist nicht ganz unkompliziert." Manche Regionen hätten es auch verpasst, sich zu modernisieren.

Auch der Tourismusexperte des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Timm Fuchs, sieht Unterschiede: "Wie es touristisch läuft, hängt immer auch davon ab, ob es lokal und regional eine Strategie gibt, um sich zu vermarkten. Es gibt natürlich kein Allheilmittel." Sie stellten zunehmend fest, wie wichtig die Digitalisierung sei. Unterkünfte könne man heute einfach online buchen, aber es gebe Regionen, die auch Freizeitaktivitäten auf einer Internetseite bündelten. Dann wisse der Urlauber, was ihn erwarte, er könne aus der Ferne auch schon Aktivitäten buchen. "Da sind manche sehr weit, andere noch nicht so", sagte Fuchs.

Statistisches Bundesamt zu Tourismuszahlen

Deutscher Tourismusverband - Publikationen

Tourismuszahlen vom Juni

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Alitalia: Italien schließt Verstaatlichung aus
Rom (dpa) - Nach dem gescheiterten Rettungsversuch der italienischen Fluggesellschaft Alitalia hat die Regierung in Rom andere Airlines wie die Lufthansa ermuntert, ein …
Alitalia: Italien schließt Verstaatlichung aus
Kabinett beschließt Rentenplus
Berlin - Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland bekommen mehr Geld: Das Kabinett beschloss am Mittwoch, dass die Renten in Westdeutschland zum 1. Juli um 1,90 …
Kabinett beschließt Rentenplus
Regierung erwartet Beschäftigungsrekord
Berlin - Vor der Wahl kann die Koalition gute Nachrichten verkünden: Die Konjunktur legt weiter zu, der Job-Zuwachs steigt von Rekord zu Rekord. Auch an die …
Regierung erwartet Beschäftigungsrekord
Regierung erwartet Beschäftigungsrekord
Berlin (dpa) - Deutschland steuert dank einer weiter guten Wirtschaftsentwicklung auf den nächsten Beschäftigungsrekord zu. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte in diesem …
Regierung erwartet Beschäftigungsrekord

Kommentare