Traditionsmarke Rover bricht zusammen

- London/München - Die britische Traditionsautomarke MG Rover ist vier Jahre nach dem Ausstieg von BMW endgültig zusammengebrochen. Der Hersteller stellte einen Konkursantrag, nachdem die Produktion schon am Donnerstag gestoppt wurde. Zulieferer hatten angesichts eines Schuldenberges von Rover die Lieferungen eingestellt. Rund 6000 Mitarbeiter zittern jetzt um ihren Arbeitsplatz.

<P>Vor dem Konkursantrag waren Gespräche mit dem chinesischen Autobauer SAIC wegen einer Übernahme gescheitert. Rover-Chef John Towers und seine Delegation hätten Schanghai wieder verlassen, erklärte MG.<BR><BR>Am Vortag hatte der letzte größere Autobauer im britischen Besitz seine Produktion gestoppt und die Regierung um eine Finanzspritze von 100 Millionen Pfund (142 Millionen Euro) gebeten, um seine Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Industrieministerin Patricia Hewitt erklärte, die Regierung habe dem Unternehmen finanziell unter die Arme greifen wollen, wegen des Scheiterns der Übernahmegespräche sei ein Überbrückungskredit nun aber nicht mehr möglich. "Das ist ein schrecklicher Tag für die Mitarbeiter von MG Rover und ihre Familien und für die Zulieferer", sagte die Ministerin. In Großbritannien wird am 5. Mai ein neues Parlament gewählt, was die Regierung unter Druck setzt.<BR><BR>BMW hatte 1994 den damals schon schwächelnden Hersteller übernommen, was als Traumhochzeit gefeiert wurde. BMW hatte damals nur Luxusmodelle im Angebot, mit dem Mittelklassehersteller Rover sollte der Zugang zu anderen Marktsegmenten erreicht werden. Doch der Deal wurde zum Albtraum: Rund vier Milliarden Euro versenkten die erfolgsverwöhnten bayerischen Autobauer in England. Die Verluste dort verdüsterten die ansonsten glänzenden Bilanzen. Vorstandschef Bernd Pischetsrieder musste seinen Hut nehmen, ihm wurde zu viel Zögerlichkeit bei der Sanierung von Rover vorgeworfen.<BR><BR>Im Mai 2000 wurde Rover von Nachfolger Joachim Milberg für den symbolischen Kaufpreis von zehn Pfund an das Phoenix-Konsortium unter Leitung des Ex-Rover-Chefs John Towers verkauft. Doch die neue Firmenleitung hatte wenig Fortune: Erfolgreiche neue Modelle wurden nicht entwickelt, der Absatz fiel. Im Jahr 2001 löste BMW auch letzte Verflechtungen mit Rover, nur die Marke Mini blieb bei BMW und wurde dort erfolgreich weitergeführt. Zudem wurde die Rolle von Towers und seinen Managern zunehmend umstritten. Der einstige Retter in der Not, der sein eigenes Vermögen einsetzte, geriet immer mehr in Verdacht, profitable Firmenteile ausgegliedert zu haben, um einen Teil der Gewinne einzustreichen.<BR><BR>Die britische Regierung stellt nun staatliche Hilfen in Höhe von 40 Millionen Pfund (56 Millionen Euro) für Zulieferfirmen des Autobauers in Aussicht. Falls bei Rover Arbeiter entlassen würden, könnte die Regierung auch deren Umschulung bezuschussen, sagte Hewitt. Die Region West Midlands, in der der Rover-Stammsitz Longbridge liegt, gilt als mitentscheidend für die Parlamentswahl.<BR><BR></P>

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