Träume von der Bayern-Bank

- München - In ein, zwei Jahren wird das große Banken-Fressen beginnen. Rein symbolisch ist die Bayerische Landesbank gut dafür gerüstet: Ein steinerner Löwe wacht mit offenem Maul und spitzen Zähnen vor dem Hauptquartier in München. Er sollte schon mal Krallen wetzen: Beute naht. Nach Informationen aus Bankenkreisen sondieren Politik und Wirtschaftsverbände in Bayern das Terrain für eine Fusion der halbstaatlichen Landesbank mit der privaten HypoVereinsbank (HVB) und kommunalen Sparkassen.

<P>Mittelfristig soll das eine große Bayern-Bank werden, die den Finanz-Standort München sichern würde: Vor allem der weiß-blauen Politik würde das schmecken. "Alle denken in diese Richtung", bestätigen Eingeweihte. Dennoch gibt es gegen die schon längere Zeit schwelenden Pläne massive Widerstände.</P><P>Die Fakten sind klar: Allein würde die HVB kaum auf Dauer bestehen. Im Inland sind die Erträge zu schwach, auch der Börsenwert ist erschreckend gering. "2005/06 wird es zum großen Knall kommen", also zu einer Übernahme, sagt ein Branchenkenner. Entscheidend sei, wer die erste Karte ziehe. Vier Szenarien rund um das Münchner Institut haben die Spitzenbanker erarbeitet:</P>Die Deutsche Bank kauftdie HVB.Commerzbank, HVB und Dresdner Bank fusionieren.Eine ausländische Großbank kauft die HVB.HVB, Landesbank und Sparkassen fusionieren.<P>Auf die vierte Variante hofft Bayerns Wirtschaft: Die fusionierte Bank könnte massiv Kosten einsparen. Sie behielte ihren Sitz in München. Im Wettstreit mit dem Finanzplatz Frankfurt wäre das von unschätzbarem Wert. Fiele die HVB als einer der größten Exportfinanzierer in ausländische Hände, drohen bayerischen Firmen nicht zuletzt erhebliche Wettbewerbsnachteile, warnen Experten.</P><P>"Man muss sich jetzt beeilen, damit das nicht am Standort München vorbeigeht", sagt ein Banker: Man werde sonst "von Frankfurt an die Wand gedrängt". Die Zeit sei knapp: "Es muss gelingen, vor den anderen Bundesländern etwas auf die Beine zu stellen." Auf Spitzenebene gab es längst Gespräche. Wirtschaftsminister Otto Wiesheu gilt dem spektakulären Vorhaben gegenüber als sehr aufgeschlossen. Kein Wunder: Nach einer Fusion wäre Bayern seine Probleme mit der Landesbank wohl los.</P><P>Die Beteiligten versuchen derzeit, dem Ministerpräsidenten die Fusion schmackhaft zu machen. Die "bayerische Lösung" könnte ein Institut hervorbringen, das den Heimatmarkt dominiert. Die Stärken der HVB, etwa das Osteuropa-Geschäft, blieben erhalten. "Rein betriebswirtschaftlich wäre das eine super Bank", räumt sogar das skeptische Sparkassen-Lager ein.</P><P>Zwei-Stufen-Konzept mit Sparkassen</P><P>Eine solche Fusion, egal unter wessen Dach, ist aber höchst kompliziert. Die Sparkassen gehören den Kommunen - jede einzelne müsste dann einer Übernahme zustimmen. Vor dem Hintergrund drohender Filialschließungen dürfte die Begeisterung gering sein. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, dem die Fusions-Überlegungen sehr gut bekannt sind, kündigt bereits Protest an: "Das ist ein Angriff auf die gesunde S-Finanzgruppe. Sie könnte dabei nur verlieren." Ude rechnet damit, dass die Landesbank erst die Sparkassen fest an sich binden und sich dann öffnen will. Aber: "Wir werden uns mit Händen und Füßen wehren."</P><P>Hinzu kommt: Das Bankensystem ist zementiert. Fachleute sprechen vom "Drei-Säulen-Modell": Öffentlich-rechtliche Institute, private sowie Genossenschaftsbanken bilden je eine Säule, übergreifende Fusionen sind bisher tabu.</P><P>HVB-Chef Dieter Rampl kämpft schon länger für die Überwindung dieser Schranken. Er will, wenn die große Fusionswelle kommt, eine "aktive Rolle" einnehmen und sich nicht schlucken lassen. Rampl schielt auf die Sparkassen und deren große Marktanteile.</P><P>Zwei Schritte wären dazu nötig, glaubt er. Erst müssten sich Sparkassen zusammenschließen, das komme "so sicher wie das Amen in der Kirche". Durch eine Fusion mit den großen Sparkassen will er die HVB dann langfristig zur größten deutschen Privatkundenbank formen. Rampls Vorbild ist die italienische Großbank Unicredito, die aus solchen Zusammenschlüssen entstanden ist.</P><P>"Wir werden uns mit Händen und Füßen wehren."<BR>Münchens OB Christian Ude (SPD)</P><P>Auf die Landesbank, die je zur Hälfte den Sparkassen und dem Freistaat gehört, hat er dabei weniger Appetit. Die beiden Institute sehen sich als Wettbewerber. Von einem dicken Kreditgeschäft mit Firmenkunden hat die HVB selbst genug. "Was sollen wir mit einer Bank ohne Kunden?", sagte Rampl dazu stets. Privatkunden zu gewinnen, hat sich die HVB vorgenommen, um das enttäuschende Inlands-Geschäft in Schwung zu bringen. Leckerbissen wären also die Sparkassen. </P><P>Offiziell wird der Plan freilich nicht bestätigt. HVB ("Das entbehrt jeder Grundlage"), Landesbank ("Das kommentieren wir nicht") und Wiesheu (schweigt) halten sich bedeckt. "Wir bleiben öffentlich-rechtlich", sagt Siegfried Naser, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, unmissverständlich: "Die Aktiengesellschaft HVB in die öffentliche Bank BayernLB zu integrieren, dürfte ordnungspolitisch kaum denkbar sein." Und wer fürchte, die HVB könne von ausländischen Banken übernommen werden, müsse "diese Befürchtung bei einem Marktführer BayernLB/HVB erst recht haben. Das gibt also keinen Sinn."</P>

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