Transnet will notfalls allein mit Bahn Lokführer-Vertrag aushandeln

Berlin/Frankfurt - Die Verkehrsgewerkschaft Transnet will nach dem Abbruch der Bahn-Tarifgespräche notfalls alleine mit der Deutschen Bahn einen Tarifvertrag für die Lokführer aushandeln. Das wäre die Folge, wenn die Lokführergewerkschaft GDL nicht zu einer Kooperation bereit sei, sagte Transnet-Vorsitzender Norbert Hansen am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin.

Die GDL hatte am Mittwoch die Tarifverhandlungen mit der Bahn und den beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA abgebrochen. Es wird erwartet, dass sie die Gespräche als gescheitert erklärt. Damit wäre die GDL nicht mehr an einen Streikverzicht gebunden, den sie für die Phase der Verhandlungen zugesagt hatte. Streiks an den Weihnachtstagen seien aber unwahrscheinlich, hieß es aus GDL-Kreisen.

Über die Gründe für den Abbruch der Verhandlungen wollte die Lokführergewerkschaft noch am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Frankfurt informieren. Hansen sagte, GDL-Vizechef Claus Weselsky habe ihm am Mittwoch mitgeteilt, es gebe zwei Gründe: Zum einen der Entwurf für eine Kooperationsvereinbarung zwischen den Gewerkschaften, zum anderen sei das Tarifangebot aus Sicht der GDL "noch immer unzureichend".

Transnet setzt nach wie vor auf eine Lösung mit einem Basis-Tarifvertrag und Einzelverträgen für sechs Berufsgruppen, einer davon für die Lokführer, den die GDL verhandeln soll. Wenn die GDL den eigenständigen Vertrag für die Lokführer nicht ausfüllen wolle, "dann werden wir auch diesen Tarifvertrag verhandeln und ausfüllen. Wir warten nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag", sagte Hansen. "Wir haben auch 5000 Lokführer bei uns organisiert, die endlich Ergebnisse sehen wollen."

Der Transnet-Chef bestätigte, dass es bei der Zuordnung der Beschäftigten Streit zwischen den Gewerkschaften gibt. Es gehe darum, welche Gewerkschaft für die Lokrangierführer das Verhandlungsmandat bekommen soll. Diese seien mehrheitlich bei Transnet organisiert, sagte Hansen.

Der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel sagte im Sender n-tv, er erwarte, dass sich die GDL "wieder besinnt" und zurück an den Verhandlungstisch kommt. "Denn wer nicht miteinander redet, der kann keine Lösungen finden."

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