Transrapid: "Alles chinesisch"

- München/Schanghai - "Alles chinesisch" war die wichtigste Erklärung. Offenbar weiß man im Reich der Mitte, wie empfindlich Europäer reagieren, wenn sie ihre Produkte zum günstigeren Preis in chinesischen Fabriken wiederfinden. Doch diesmal ist Chinas Ingenieuren nach eigenem Bekunden ein Meisterstück geglückt: Die Eigenentwicklung einer Magnetschwebebahn. Aber alles, was westlichen Augen bisher zugänglich war, ähnelt auf verblüffende Weise dem Transrapid von Thyssen-Krupp und Siemens, der täglich vom Flughafen Schanghai an den Stadtrand der Metropole fährt.

Die "Welt" berichtet, dass sich Montagehalle, Fahrweg und die Elektronik des Antriebs gar bis aufs Detail gleichen. "Den Wind jagen", heißt das Projekt auf chinesisch. Für die Exportwirtschaft hat man sich auch gleich einen englischen Namen zugelegt "Dolphin" (Delphin).

Das erinnert sehr an die Eigenentwicklung eines chinesischen Autos, das dem in China gebauten VW-Jetta nicht nur glich, verbaut wurden darin zu über 60 Prozent Teile aus chinesischen VW-Fabriken.

Es sind keine Einzelfälle. Hauptsächlich betroffen ist der für Deutschland so wichtige Industriezweig Maschinenbau, der böse Erfahrungen mit chinesischen Nachbauten hat. Über die Hälfte seiner Mitglieder seien von Plagiaten betroffen, sagte Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA gegenüber unserer Zeitung. 30 Prozent der Mitglieder würden dadurch Verluste von 3 Prozent des Umsatzes erleiden. Bei einer Umsatzrendite von durchschnittlich unter drei Prozent, ist schnell ein Jahresgewinn weg. "Das tut wirklich weh", sagt Hesse.

Nachgemacht wird nicht nur die Technik. Auch Farbe und Seriennummern sind oft identisch mit dem Vorbild. Selbst die Werbeprospekte und sogar der Internetauftritt werden einfach kopiert. Zwar sind Plagiate auch aus anderen Ländern zu finden. Doch China ist, so Hesse, "das Zentrum des Nachbaus". Die Mär von einem religiösen Hintergrund des Ideenklaus, dem Wunsch "vom Meister zu lernen", hält er für eine Ausrede. "So gläubig sind die nicht."

Doch kopiert wurde beim Transrapid überhaupt nichts, behaupten die Chinesen. "Das ist unmöglich. Die Bahn die wir gebaut haben, ist ganz anders als die deutsche", sagt Chefingenieur Zheng Qihu. Sie sei leichter, windschnittiger und damit leiser.

Außerdem habe man bessere Klimaanlagen. Allerdings sind dies durch die Bank Aussagen, die sich im Prototypen-Stadium, in dem sich die Chinesen befinden, noch nicht treffen lassen. "China hat diese Technik seit langer Zeit entwickelt", sagt Zheng. "Allein mir fehlt der Glaube", spottet Hesse. Mehrere Jahrzehnte hätten deutsche Ingenieure an Detailproblemen gefeilt und getüftelt, bis die Magnetschwebebahn serienreif war, um dann so schnell überholt zu werden. Auch waren die deutschen Ingenieure in China stets darauf bedacht, die mühsam erforschten Geheimnisse für sich zu behalten. Ganz offenbar vergeblich. Der Stolz, dass die Spitzentechnologie von Chinesen nicht so einfach nachgemacht werden könne, dürfte sich jetzt als voreilig erweisen. Nun versuchen die deutschen Transrapid-Macher die Erfolge aus China kleinzureden. Das Modell sei nur 100 Stundenkilometer schnell, sagt ein Transrapid-Sprecher, und fügt hinzu: "Uns ist nicht bekannt, dass geschütztes deutsches Material zum Einsatz gekommen ist".

"Es gibt keine Maschinen und Produkte mehr, die nicht nachgebaut werden." Christian Steinberger, Leiter der Rechtsabteilung beim Maschinenbauverband VDMA

Bitter für die Industrie: Um überhaupt in den chinesischen Markt zu kommen, müssen Unternehmen das Risiko, kopiert zu werden, in Kauf nehmen. Sonst wird der Marktzugang blockiert. Deshalb gibt der VDMA seinen Mitgliedern den Rat, vorsichtig mit Know how umzugehen, und alles was mit Hochtechnologie zu tun hat, zu Hause zu machen. Das kann nicht jeder. Airbus muss für Exportchancen nach China nicht nur eine Fertigungslinie aufbauen, sondern ein ganzes Entwicklungszentrum. "Das ist mutig", sagt VDMA-Mann Hesse. Übrigens hat Airbus das Unternehmen als Partner, das den China-Transrapid baut. Die erste Eigenentwicklung eines chinesischem Passagierflugzeugs mit einem Gang und zwei Motoren dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

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