Transrapid-Tempo: Von München zum Flughafen in sechs Jahren

- München/Schanghai - Wer beim Wettlauf ein paar Jahre Verspätung hat, wird nie als Erster ankommen. Das ist zwar keine alte chinesische Weisheit, wohl aber eine neue. Während die Abfahrt des Transrapid in München immer weiter verschoben wird, hat der reguläre Betrieb der ersten Strecke in Schanghai begonnen - Weltpremiere der deutschen Technologie.

<P>Es ruckelt, dann hebt der Transrapid ab und rast auf einem fingerdicken Luftpolster in acht Minuten zum Flughafen. Erstmals mit zahlenden Gästen: Unspektakulär, aber fehlerfrei geht kurz vor dem Jahreswechsel der Start des kommerziellen Betriebs in Schanghai über die Bühne. Ausgerechnet das ferne China ist zum Schaufenster der deutschen Technologie geworden.<BR>In München, wo eine ganz ähnliche Strecke geplant ist, schauen die Verantwortlichen den Chinesen wehmütig hinterher. "Wir kommen mit einiger Verzögerung nach, aber wir werden die Zweiten sein", erklärt tapfer Josef Zeiselmair, Chef der Münchner Transrapid-Gesellschaft BMG. Doch getreu dem Motto "Die Ersten werden die Letzten sein" summieren sich die Verzögerungen in München. Zunächst war ein Start zur Fußball-WM 2006 angekündigt, dann 2008, dann 2009. Nun wird Münchens Transrapid frühestens 2010 schweben. Selbst dieses Ziel nennen die Planer nur unter dem Vorbehalt, dass Genehmigung und Bau reibungslos laufen.<BR><BR>Außerdem klafft da ein 125-Mio.-Euro-Loch in der Finanzierung des gut 1,6 Milliarden Euro teuren Schwebers. "Wir gehen davon aus, dass der Bund dieses Geld zur Verfügung stellt", hofft Zeiselmair, vielleicht sogar noch mehr. Besonderen Anlass zur Zuversicht gibt es hingegen nicht. Der Bundestag bockt. Und Verkehrsminister Manfred Stolpe ist zwar Transrapid-Fan, findet sich aber selbst derzeit politisch eher auf dem Abstellgleis.<BR><BR>Unabhängig davon soll im September das auf 18 Monate angesetzte Planfeststellungsverfahren beginnen, an dessen Ende Baurecht für den Transrapid steht. Mit Klagen der weniger euphorischen Anwohner rechnen die Planer nicht. "Wir planen so gründlich, dass wir uns auf der sicheren Seite wähnen", sagt Zeiselmair.<BR><BR>In Schanghai lief das schneller - aber auch rabiater. Hier flitzt die binnen drei Jahren geplante und gebaute Magnetbahn zwischen Häusern durch, weitere Gebäude wurden mal eben weggeräumt. Der Stadt geht es mit dem schnellen Schweber vor allem ums Prestige. Als "Drachenkopf Chinas" und fortschrittlichste Metropole des Landes will sich Schanghai präsentieren. Der Transrapid startete folgerichtig drei Tage vor dem Termin, wenngleich vorerst nur halbtags. Zehn Millionen zahlende Passagiere pro Jahr sollen mitreisen.<BR><BR>Ein Jahr lang schwebte der China-Transrapid mit bis zu Tempo 501 im Probebetrieb, kämpfte erfolgreich mit durchgeschmorten Kabeln und anderem technischen Kleinkram. Die Chinesen wurden mit der Technik so vertraut, dass sie das System inzwischen ohne ausländische Hilfe bauen könnten. Im Lauf der Zeit fuhren die Chinesen jedenfalls voll Stolz die komplette politische Elite Deutschlands spazieren.<BR><BR>In München soll nur rund die Hälfte der Zeit für Testläufe verwendet werden. Einzuholen sind die Chinesen damit jedoch nicht. Im Gegenteil: Im Reich der Mitte sind weitere Strecken im Gespräch. Der Schanghai-Schweber kann bis in die Innenstadt verlängert werden. Auch die Trasse Peking-Tianjin ist denkbar. Beide könnten schon 2008 fertig sein.<BR><BR><BR></P>

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