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Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt ( SPD), spricht am Donnerstag (19.01.12) im Französischen Dom in Berlin bei der Trauerfeier fuer den Unternehmer Werner Otto vor einem Portrait des Verstorbenen.

Altbundeskanzler Schmidt: Werner Otto war großer Wohltäter

Berlin - In einer bewegenden Trauerfeier haben Hunderte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Berlin vom verstorbenen Versandhausgründer Werner Otto Abschied genommen.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt würdigte Otto am Donnerstag als „herausragendes Beispiel“ eines sozial engagierten Unternehmers. „Werner Otto war ein Wohltäter“, sagte Schmidt, der den Verstorbenen als einen persönlichen Freund bezeichnete. Ottos ältester Sohn Michael erinnerte an einen liebevollen und fürsorglichen Vater.

Otto war kurz vor Weihnachten im Alter von 102 Jahren im Kreise seiner Familie in Berlin gestorben. Er hatte die letzten Jahre seines Lebens in Berlin verbracht und war Ehrenbürger der Stadt. Otto hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg das gleichnamige Versandhaus gegründet und war damit zum Milliardär geworden.

Schmidt erinnerte an die Aussage von Otto, wonach der Erfolg eines Unternehmens nicht an Umsatz und Profit gemessen werden solle, sondern daran, „was er an sozialer Verantwortung bereit ist zu tun“. Der Altbundeskanzler berichtete davon, wie seine Freundschaft zu Otto im Jahr 1963 begann, als sie zusammen einen von Otto gestifteten Kinderspielplatz in Hamburg einweihten.

Werner Otto hatte 1949 mit 6.000 Mark Startkapital und drei Mitarbeitern in Hamburg das nach ihm benannte Unternehmen gegründet und daraus die größte Versandhandelsfirma der Welt gemacht. In den 60er Jahren stieg er außerdem groß ins Immobiliengeschäft ein.

Otto stiftete hohe Millionensummen für soziale und andere wohltätige Zwecke. Er bezahlte etwa den Wiederaufbau einer verfallenen Kirche an seinem Geburtsort in Brandenburg, ein Projekt für behinderte Kinder in Hamburg oder die Renovierung eines historischen Baudenkmals in Potsdam. Die Summe seiner Spenden beläuft sich nach Schätzungen auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit sagte bei der Trauerfeier im Französischen Dom , Berlin und Brandenburg hätten Otto „viel zu verdanken“. Berlin verneige sich vor seinem Ehrenbürger. Otto war 1999 wieder nach Berlin gezogen. Er hatte seine Jugend in Prenzlau verbracht.

Zu den rund 300 Trauergästen zählten neben Schmidt und Wowereit der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, Verlegerwitwe Friede Springer und TV-Moderatorin Sabine Christiansen.

Zwtl.: Harte Jugend

Der evangelische Berliner Altbischoff Wolfgang Huber erinnerte an die frühen Jahre im Leben von Otto: die Jugend ohne Mutter in Prenzlau, zweieinhalb Jahre Haft wegen Widerstands gegen den Nazi-Terror, Flucht nach Hamburg. Außerdem habe der Firmengründer später als Stifter einen „Einsatz für das Gemeinwohl“ geleistet, an dem sich „viele ein Beispiel nehmen können“, sagte Huber.

Otto soll später im Kreis der Familie in Hamburg beigesetzt werden.

dapd

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