Trauerhilfe kommt in Berliner Hände

- München - Das größte bayerische Bestattungsunternehmen wird verkauft. Karl Franz Denk übergibt die Trauerhilfe, sein Lebenswerk, an die Ahorn-Grieneisen AG aus Berlin. Dreieinhalb Jahrzehnte lang hatte er den traditionsreichen Münchener Betrieb erfolgreich geführt - in vierter Generation. Die fünfte Generation konnte nun nicht mehr übernehmen.

<P>1844 hatte Schreinermeister Stephan Denk in der Münchner Au einen Sargmacherbetrieb erworben - die Geburt der Firma Denk. Nun, 159 Jahre später, gerät das Unternehmen zum ersten Mal in fremde Hände. Die Berliner versprechen, damit pfleglich umzugehen. Die Marke Denk bleibt erhalten, der Betrieb wird eine Tochter der AG. Damit entsteht der größte Bestattungsverbund mit 570 Niederlassungen, 1000 Mitarbeitern, 80 Millionen Euro Umsatz und 35 000 Bestattungen pro Jahr - eine Reaktion auch auf den Konkurrenzdruck in der Branche.<BR><BR>Karl Franz Denk wollte die Führung nicht mehr allein schultern. Er gebe die Leitung aus gesundheitlichen Gründen aus der Hand, sagte der 73-Jährige unserer Zeitung. Eine familieninterne Übergabe kam nicht zustande: "Ein Sohn ist in Amerika, der andere ist erst 20." Karl Michael ist Chemie-Professor in Kanada, Karl Albert studiert Betriebswirtschaft, späterer Wiedereinstieg nicht ausgeschlossen.<BR><BR>Schätzen gelernt hatten sich Denk und die Berliner in verschiedenen Gremien der Branche. Selbstverständlich ist das nicht - die einschlägigen Vereinigungen sind heftig zerstritten. "Fusion" nennen die Beteiligten nun die Übernahme des 159 Jahre alten Betriebs. Die Ahorn-Grieneisen AG wird Eigentümer, der 73-jährige Denk bleibt nach eigenen Angaben vorerst an seinem Unternehmen beteiligt. Der Kaufpreis wird nicht genannt. Denk sitzt (neben Hermann Gassner, 49) formal weiter in der Geschäftsführung und kümmert sich noch mindestens drei Jahre "um besondere Betreuung" bestimmter Kunden. "Die regionalen Strukturen bleiben wie bisher, auch mit den bewährten Mitarbeitern", verspricht er. Die Berliner planen laut eigenen Angaben ebenfalls keinen Abbau.<BR><BR>Auch sie haben lange Tradition: Immerhin habe man Friedrich den Großen umgebettet und die kaiserliche Familie beerdigt, heißt es bei Ahorn-Grieneisen stolz, außerdem waren Marlene Dietrich und Willy Brandt unter den 1,5 Millionen Bestatteten. Im Norden sind die Bestatter mit 50 Millionen Euro Umsatz einer der Marktführer. Sie sind eine 100-Prozent-Tochter der Ideal-Versicherungsgruppe.<BR><BR>Der Verbund will nun bundesweit auftreten, auch im Vorsorge-Geschäft. "Die Bestattungskultur in Deutschland erhält ein solides Fundament", verspricht AG-Chef Herbert Rübenach. Die Entscheidung gebe allen Mitarbeitern langfristig eine Perspektive.<BR>Wichtig ist der bundesweite Einsatz gerade nach dem Wegfall des gesetzlichen Sterbegeldes. Die Branche muss verstärkt Vorsorge und Absicherungen anbieten, denn der klassische Markt schrumpft. Experten erwarten eine weitere Konzentration in der Branche. Die Aufgabenfelder sind groß - längst werden nicht mehr nur Gräber angelegt. Bestatter sind Floristen, Psychologen, Drucker, Gärtner, Dekorateure, Einzelhändler, Veranstaltungsmanager und Vorsorge-Fachleute. Und sie stehen untereinander im Wettbewerb.<BR><BR>Die Berliner gehen dabei, bei aller Pietät, oft ungewöhnliche Wege. Ahorn-Grieneisen startete 2002 eine farbenfrohe Image-Kampagne, sponserte sogar Krimibücher und Lesungen - unter anderem in der Pathologie und in einem Sarglager.<BR></P>

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