Traurige Nürnberger Rekorde ohne Ende

- Nürnberg - So optimistisch wie Wirtschaftsminister Wolfgang Clement mochten sich die meisten Experten nicht geben: Zwar sehen einige Fachleute für den deutschen Arbeitsmarkt durchaus Hoffnungsschimmer. Den von Clement prognostizierten "deutlichen Rückgang" der Arbeitslosenzahl erwartet für 2004 freilich kaum ein Wirtschaftsforscher.

<P>Die Wirtschaft mag wachsen, die Probleme am Arbeitsmarkt auch. Davon geht auch die Bundesagentur für Arbeit aus, wie sich die Nürnberger Bundesanstalt jetzt offiziell nennen zu müssen glaubt.<BR><BR>So rechnet Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn für 2004 nur mit einer Stabilisierung der Zahlen. Allenfalls könnte der Abbau der Beschäftigung in der zweiten Jahreshälfte zum Stillstand kommen, sofern nicht ein weiter steigender Eurokurs den Exporteuren einen Strich durch die Rechnung mache. Auch für den Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, wird die Arbeitslosigkeit erst 2005 spürbar sinken.<BR><BR>Die Einschätzung der Wirtschaftsverbände gibt noch weniger Anlass für Optimismus. Nach einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird sich der für 2004 erwartete Aufschwung nicht auf den Arbeitsmarkt niederschlagen. So erwarten 22 der vom IW befragten 46 Verbände für dieses Jahr weiter sinkende Beschäftigung. Vor allem im Mittelstand ist die Bereitschaft zur Schaffung neuer Arbeitsplätze gering.<BR><BR>Selbst das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), die Denkfabrik der BA, macht Arbeitslosen für 2004 geringe Hoffnung. Die IAB-Wissenschaftler erwarten - bei einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent - im Jahresdurchschnitt allenfalls einen Rückgang der Erwerbslosenzahl um 20 000 auf 4,378 Millionen, eher aber eine Stagnation.<BR><BR>Dagegen geht das Kieler Weltwirtschaftsinstitut sogar von einem leichten Anstieg der Erwerbslosenzahl aus. Daran dürften auch die Hartz-Reformen vorerst kaum etwas ändern. Die Umsetzung solcher Reformen brauche viel Zeit. "Was unter dem Strich rauskommt, werden wir erst in zwei bis drei Jahre sehen", urteilt das Institut.<BR><BR>Auf keinen Fall, so sind sich Arbeitsmarkt-Experten einig, dürfe im Jahr 2004 die Arbeitsmarktmisere des abgelaufenen Jahres übertroffen werden. Trotz anfänglicher Hoffnung auf eine Wende wurde 2003 zum schwärzesten Jahr für den deutschen Arbeitsmarkt seit dem Krisenjahr 1997. Mit über 4,35 Millionen Erwerbslosen im Jahresdurchschnitt hatte die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt einen neuerlichen Tiefpunkt erreicht. Im zweiten Stagnationsjahr in Folge strichen viele Unternehmen ihre Belegschaften weiter zusammen.<BR><BR>Angesichts der Dauer-Tristesse am Arbeitsmarkt sieht die Bundesanstalt inzwischen selbst in kleinsten Verbesserungen Hoffnungsschimmer. Immerhin hat sich seit April 2003 der Abstand der Arbeitslosenzahlen zu denen des Jahres 2002 kontinuierlich verringert - von 471 100 im April auf 158 700 im November. Hoffnungsvoll stimmt Gerster auch die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen: Der um jahreszeitliche Sondereinflüsse bereinigte Wert war von Mai bis Oktober 2003 um rund 10 000 gesunken. Auch entwickelte sich der Arbeitsmarkt zumindest in der zweiten Jahreshälfte etwas günstiger als in 2002. Job-Motoren, so hofft man, könnten Gesundheutswesen und Dienstleister werden.<BR><BR>Die Realität sieht anders aus. Wie immer sind zu Monatsbeginn vorzeitig neue Rekordzahlen aus der löchrigen Anstalt durchgesickert: Rund 4,31 Millionen Menschen waren Ende 2003 ohne Arbeit. Das ist der höchste Dezember-Stand seit sechs Jahren.<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fehlendes Bauteil stoppt Produktion in mehreren BMW-Werken
Kleine Ursache, große Wirkung - in den durchgetakteten Produktionssystemen der großen Autohersteller reicht schon ein fehlendes Bauteil, um die Bänder zu stoppen. Bei …
Fehlendes Bauteil stoppt Produktion in mehreren BMW-Werken
Ex-Arcandor-Chef zieht Antrag auf Haftverkürzung zurück
Berlin/Essen (dpa) - Der wegen Anstifung zur Untreue angeklagte frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff zieht seinen Antrag auf Haftverkürzung zurück. Das sagte seine …
Ex-Arcandor-Chef zieht Antrag auf Haftverkürzung zurück
Bahn-Baustellen sollen Fahrgäste seltener ausbremsen
Mit Rekord-Investitionen steckt die Deutsche Bahn Milliarden in das Eisenbahnnetz. Doch ihre Konkurrenten murren. Sie wollen weniger Vollsperrungen. Und mehr Mitsprache.
Bahn-Baustellen sollen Fahrgäste seltener ausbremsen
Flixbus: Wohl keine höheren Ticketpreise
Berlin/München (dpa) - Kunden des größten deutschen Fernbus-Anbieters Flixbus müssen in diesem Jahr wohl nicht mit höheren Preisen für Tickets rechnen. Generell seien …
Flixbus: Wohl keine höheren Ticketpreise

Kommentare