Tui Travel versorgt Mutterkonzern mit Geld

London/Hannover - Der weltgrößte Reiseveranstalter Tui Travel verschafft seinem angeschlagenen deutschen Mutterkonzern Tui Luft zum Atmen.

Nachdem der Staat der schlingernden Tui-Beteiligung Hapag-Lloyd mit einer Bürgschaft zur Hilfe gekommen war, versprach nun Tui Travel, einen Milliardenkredit früher als geplant an Tui zurückzuzahlen. Dafür gibt die an der Londoner Börse notierte Tui Travel eine Wandelanleihe aus.

Das Management hält trotz kräftiger Buchungsrückgänge an seinen Zielen fest und will das Geschäft künftig verstärkt durch Zukäufe ausbauen. Um den noch bestehenden Kredit von einer Milliarde Euro schneller an Tui zurückzahlen zu können, gibt Tui Travel eine Wandelanleihe über 300 Millionen britische Pfund (325 Mio Euro) aus. Weitere 140 Millionen Pfund besorgt sich das Unternehmen von Banken. Eigentlich hätte Tui Travel den Kredit im Januar 2011 an Tui zurückzahlen müssen.

Nun beginnt die Rückzahlung bereits an diesem Mittwoch und soll Ende 2010 größtenteils abgeschlossen sein. 160 Millionen Euro darf Tui Travel bis April 2011 behalten und soll so besser über die üblicherweise verlustreiche Wintersaison kommen. Die Tui-Aktie reagierte mit einem Freudensprung auf die Nachricht. Am Vormittag lag das Papier mit 4,54 Prozent im Plus bei 7,37 Euro. Tui-Travel-Papiere hingegen gaben in London um 0,56 Prozent auf 264,50 britische Pence nach. Wird die Wandelanleihe vollständig in Aktien umgetauscht, entspricht dies den Angaben zufolge einem Anteil von sieben bis acht Prozent der Tui-Travel-Anteile.

Tui will deshalb Aktien nachkaufen, um den Mehrheitsanteil von zuletzt 51,7 Prozent an Tui Travel zu sichern. Zudem übernimmt Tui von Tui Travel deren künftigen Anteil von knapp 10 Prozent an Air Berlin und verrechnet dafür rund 30 Millionen Euro als Kredittilgung. In der zu Ende gehenden Sommersaison musste Tui kräftige Buchungsrückgänge hinnehmen. In Deutschland ging die Zahl der Urlauber um neun Prozent zurück. In Großbritannien zählte der Veranstalter zehn Prozent weniger Kunden, in Westeuropa acht und in Mitteleuropa insgesamt elf Prozent weniger. Für die anstehende Wintersaison fallen die Buchungen bislang erneut schwächer aus als ein Jahr zuvor.

In Deutschland beträgt der Rückgang 22 Prozent. In Großbritannien, wo bereits die ersten Buchungen für Sommer 2010 eingehen, sieht das Unternehmen hingegen einen gewissen Lichtblick. Die Zahl der Buchungen für das kommende Jahr entspreche etwa der des Vorjahres, und die durchschnittlichen Preise lägen sogar um vier Prozent höher. Bei den Erwartungen für die kommenden Jahre zeigt sich Tui Travel allerdings vorsichtig. So kappt das Unternehmen eine bereits aufgegebene Flugzeug-Order.

Von 23 fest bestellten Boeing 787 Dreamliner sollen zehn storniert werden. Dafür geht Tui Travel verstärkt auf Einkaufstour und will künftig mehr als 100 Millionen Pfund pro Jahr für die Übernahme anderer Unternehmen ausgeben. Bereits jetzt führt Tui Travel das defizitäre Kanada-Geschäft mit dem dortigen Reiseveranstalter Sunwing zusammen. Dazu wollen die Briten 55 Millionen Pfund investieren.

dpa

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