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Holen die digitale Elite nach München: Steffi Czerny (r.) hat die DLD im Auftrag von Verleger Hubert Burda (l.) mitgegründet und pflegt seither die Kontakte ins Silicon Valley.

DLD: Das Treffen der digitalen Revolutionäre

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München - Einmal im Jahr trifft sich in München die digitale Elite: Startup-Gründer aus aller Welt und Investoren aus dem Silicon Valley suchen nach der nächsten großen Idee. Geredet wird nicht nur übers Geschäft, sondern auch über Kunst, Wissenschaft und darüber, wie das Internet unsere Gesellschaft verändert.

Wie Steffi Czerny dieses Jahr ihr Coup gelungen ist, verrät sie nicht. Geschäftsgeheimnis. „Uns eilt im Silicon Valley ein Ruf voraus, dass wir eine interessante Konferenz sind“, sagt sie nur. Und deshalb hat ein Teilnehmer zugesagt, am Wochenende nach München zu kommen, über den zur Zeit zwar die ganze Welt spricht, der aber am liebsten schweigt: Travis Kalanick, Gründer und Chef des Internet-Dienstes „Uber“. Durch Uber kann man sich per Handy-App eine Mitfahrgelegenheit bestellen, meist billiger als ein reguläres Taxi.

Kalanick gehört damit zu den reichgewordenen Unternehmensgründern aus dem Silicon Valley, die zur Zeit nicht nur alte Geschäftsmodelle über den Haufen werfen, sondern mit ihren Ideen die ganze Gesellschaft verändern. Einmal im Jahr holt der Burda-Verlag die digitale Elite aus aller Welt nach München zur Konferenz „DLD“. Ab Sonntag werden wieder drei Tage lang rund 1000 geladene Gäste im HVB-Forum über die Zukunft, Kunst, Wissenschaft und natürlich das Geschäft diskutieren.

Steffi Czerny hat die DLD („Digital Life Design“) zusammen mit Kollegen im Auftrag von Hubert Burda gegründet. Zehn Jahre ist das inzwischen her und trotzdem lautet das Motto der Konferenz dieses Jahr „It’s only the beginning“ („Es ist erst der Anfang“). Czerny ist überzeugt, dass die digitale Revolution gerade erst begonnen hat. „Die Zeit der Browser und Desktop-Computer ist vorbei“, sagt sie, „das Internet wird überall sein.“

Czerny und ihre Kollegen haben einen guten Riecher bewiesen, welche Ideen das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Schon vor sechs Jahren war Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei der DLD, sein Soziales Netzwerk hatte damals schon beeindruckende 150 Millionen Nutzer – heute sind es rund 1,35 Milliarden. Erst im vergangenen Jahr sprach Jan Koum über seinen rasant wachsenden Nachrichten-Dienst „WhatsApp“ – nur wenige Wochen nach seinem Auftritt in München verkaufte er das Unternehmen schon an Zuckerbergs Facebook – für sagenhafte 19 Milliarden Dollar.

Doch die DLD machen vor allem die vielen Ideen aus, die noch klein, vielleicht sogar derzeit noch völlig absurd erscheinen und doch in der Zukunft der nächste große Entwicklungsschritt werden könnten. Auch deshalb kommen viele Investoren vor allem aus dem Silicon Valley zur DLD, um vielleicht den nächsten Zuckerberg oder Koum kennenzulernen. Ben Horowitz gehört zu den bekanntesten Risikokapitalgebern Amerikas und ist schon einer der Stammgäste der DLD. Zusammen mit seinem Partner Marc Andreessen hat er in so ziemlich jedes große Internet-Startup der vergangenen Jahre frühzeitig investiert. Die Konferenz ist vor allem auch eine Gelegenheit nicht-virtuelle Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Rund um die DLD finden verschiedene Veranstaltungen und Abendessen statt, bei denen es durchaus passieren kann, dass sich der sympathische Russe, der im Franziskaner am Dom mit am Tisch sitzt, als hunderte Millionen schwerer Investor entpuppt.

Doch die Diskussionsrunden beschäftigen sich nicht nur mit dem Geschäft. Auch viele Künstler kommen zur DLD, vor einigen Jahren trat eine noch kaum bekannte Sängerin bei der Konferenz auf: Lady Gaga. Auch Yoko Ono lieferte schon eine – reichlich skurrile – Performance in München ab. Wissenschaftler berichten über die neusten Forschungen in ihrem Fachgebiet. So entsteht eine bunte Mischung.

Die Organisatoren tragen bei der Zusammenstellung keine rosarote Brille. Schon im vergangenen Jahr drehten sich viele Diskussionen um die Snowden-Enthüllung der globalen Überwachung durch die NSA. Auch dieses Jahr verspricht Steffi Czerny wieder kritische Stimmen. „Man muss nicht alle Entwicklungen gutheißen“, sagt sie. Diskutieren will sie unter anderem mit Andrew Keen, der als profilierter Internet-Kritiker gilt und das Buch „Die Stunde der Stümper“ geschrieben hat.

Ein Schwerpunkt werden auch in diesem Jahr wieder die Nachrichten-Dienste für Smartphones werden. Nachdem WhatsApp-Gründer Koum vergangenes Jahr in München war, kommt dieses Jahr unter anderem David Marcus, Chef-Entwickler des Facebook-Messengers, zur DLD. Auch kleine Konkurrenten, die sich vor allem abheben wollen, indem sie ihren Nutzern versprechen, weniger oder gar keine Daten von ihnen zu sammeln oder sie zumindest besser verschlüsseln zu wollen, werden mitdiskutieren. Und selbst eine aktuelle Runde mit dem Titel „Je suis Charlie“ soll es geben. Czerny will beleuchten, wie sich der Journalismus durch die Terror-Anschläge von Paris verändern wird. Es werden wohl wieder drei spannende Tage werden.

Von Philipp Vetter

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