Treffen am Flughafen: Chefs von Electrolux sprechen mit IG Metall

- Nürnberg - Der Coup ist dem Ministerpräsidenten gelungen: Völlig überraschend hat er das Electrolux-Management mit Konzernchef Hans Stråçberg an der Spitze an einen Tisch mit der IG Metall gebracht. Zwei Stunden lang verhandelten beide Seiten am Sonntagabend in einem Hotel am Münchner Flughafen über die Situation beim Nürnberger AEG-Werk, das seit elf Tagen bestreikt wird.

Ob Stoibers Vermittlung beide Seiten einander näher bringt, ist fraglich. Denn während die IG Metall den Standort Nürnberg unbedingt erhalten will, schließt der schwedische Hausgeräte-Konzern genau dies kategorisch aus.

Dass Stråçberg überhaupt nach München kam, zeigt aber, dass der Aufruhr in Franken allmählich zum Problem für die Konzernspitze wird. Noch vor wenigen Tagen hatte der Electrolux-Chef gesagt, er sehe vorerst keine Notwendigkeit, sich einzuschalten. Es war - so stellt es jedenfalls die IG Metall dar - der Druck des Hauptaktionärs, der Familie Wallenberg, der Stråçberg seine Meinung kurzfristig ändern ließ.

Die Wallenberg-Gesellschaft, die auch an Weltunternehmen wie ABB und Ericsson beteiligt ist, ist mit 27 Prozent der Aktien der einflussreichste Anteilseigner von Electrolux. Direkt aus der Familie soll der Kontakt zu Stoiber geknüpft worden sein. Stråçberg machte darauf bei der Rückkehr von einer Reise in Indien Station in München, begleitet von den Electrolux-Managern Johan Bygge und Horst Winkler. Er habe sehr nervös gewirkt, habe Probleme am Markt und Lieferengpässe eingeräumt und stehe offenbar gewaltig unter Druck, erzählten die IG-Metall-Vertreter später.

Die Gewerkschaft hatte ein Vermittlungsangebot Stoibers noch vor wenigen Tagen brüsk zurückgewiesen. Nun stellten sich der bayerische IG Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer, Streikleiter Jürgen Wechsler und AEG-Betriebsratschef Harald Dix doch ein - und hatten danach Lob für Stoiber parat. Dieser habe sich "sehr korrekt" verhalten und die meiste Zeit zugehört, sagte Wechsler. "Und er war sehr hilfreich, um Stråçberg die gesellschaftlichen Dimensionen des AEG-Konflikts deutlich zu machen."

Möglicherweise haben die Schweden die Sprengkraft des Konflikts unterschätzt. Der Streit um AEG wird stellvertretend für die vielen Produktionsverlagerungen der vergangenen Jahre geführt. "Die Dimension ist mittlerweile politisch zu nennen", räumte auch Electrolux-Manager Horst Winkler ein. Er wirft der IG Metall vor, dass es ihr gar nicht um die 1700 AEG-Beschäftigten gehe, sondern dass sie eine "Kampagne" führe.

So stehen sich beide Seiten auch nach dem Gespräch bei Stoiber noch immer wie zwei schmollende Kinder gegenüber, von denen jedes dem anderen die Schuld an dem Streit gibt. "Wir rennen uns die Hacken ab, um unser Angebot vorzulegen", klagte Winkler. Dagegen wiederholt Streikleiter Wechsler, dass überhaupt noch kein Angebot vorliege und dass der Streik sofort zu Ende sein könnte, wenn Electrolux den Schließungsbeschluss zurücknehme. Optimismus verbreitete lediglich Stoiber: "Ich bin zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommt", sagte er.

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