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Maria-Elisabeth Schaeffler: Die Schulden für die Conti-Übernahme lasten schwer auf ihrem Familienunternehmen. Springt jetzt Vater Staat als Retter ein?

Staatshilfe für Schaeffler und Conti?

Herzogenaurach/Hannover - Wenn Bund und Länder über Staatshilfen für ein Unternehmen beraten, ist die Lage ernst. Es scheint also zu stimmen, dass sich die hoch verschuldeten Autozulieferer Schaeffler und Continental in einer dramatischen Situation befinden.

Am Donnerstag wollen sich Bund und Länder deshalb in Berlin zusammensetzen und eine Lösung suchen. Nach dem monatelangen Gezerre um die Macht infolge der Conti-Übernahme müssen die stets auf Unabhängigkeit bedachten Franken damit gleich den nächsten Kampf bestehen: den gegen die Schulden.

Denn die Niedersachsen und die Franken stehen mit insgesamt 22 Milliarden Euro in der Kreide. Conti knabbert noch immer an der Übernahme der Siemens-Tochter VDO vor zwei Jahren, und Schaeffler bereitet die Übernahme Contis weit größere Probleme, als die Herzogenauracher bei ihrem Angebot im Sommer 2008 erwartet haben. Fast 90 Prozent der Aktien dienten die Aktionäre dem Familienunternehmen an, das deshalb zusätzlich Geld von den Banken aufnehmen musste. Hinzu kam die unvorhergesehene Krise in der Autobranche, die sowohl Schaeffler als auch Conti mit voller Wucht erwischt hat.

Ob - und wenn, in welcher Form - der Staat nun tatsächlich bei den Autozulieferern einspringt, ist derzeit noch offen. Die potenziellen Geldgeber Bayern und Niedersachsen halten sich ebenso bedeckt wie die Unternehmen. In den Firmenzentralen heißt es unisono: “Kein Kommentar.“

Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Gruppe selbst bei einer Einigung der Politiker nicht einfach mit einer Finanzspritze aus dem Steuersäckel gerettet werden kann. Bei direkten Geldhilfen dürfte die Europäische Kommission mit Sicherheit ein Veto einlegen, selbst die Genehmigung von Bürgschaften wäre wegen der Wettbewerbsverzerrung fraglich. Ganz davon abgesehen, dass viele Politiker keinen Präzedenzfall schaffen möchten, bei dem das unternehmerische Risiko vom Staat aufgefangen wird.

Schaeffler bleibt deshalb zugeknöpft: “Keinen Kommentar zu unseren Bankbeziehungen und Kreditmodalitäten“ möchte Sprecher Detlef Sieverdingbeck abgeben. Auch zu Berichten, wonach die finanzierenden Banken zusätzlich zu den Conti-Aktien inzwischen auch Anteile an Schaeffler als Sicherheit verlangen, möchte er nichts sagen. Kenner der Finanzlage des Familienunternehmens halten das aber durchaus für realistisch.

“Schaeffler hat sich mit der Übernahme total verhoben“, heißt es dort. Die Lage sei verzweifelt; wenn die Eigenkapitalquote nicht im Laufe dieses Jahres wieder steige und das Schuldenproblem im Griff sei, sehe es düster aus. Dabei bewerteten Industriepolitiker und Analysten die Übernahme zunächst positiv: Das mechanische Know-how von Schaeffler ergänze sich gut mit dem elektronischen Know-how von Conti.

Doch die Finanzkrise ließ den Autosektor und damit die Aktie der teuer eingekauften Conti einbrechen. Hinzu kam ein monatelanger Machtkampf zwischen Herzogenaurach und Hannover, der erst am vergangenen Wochenende beigelegt wurde. Viel Porzellan wurde dabei zerschlagen, viel Vertrauen zerstört. Am Ende trat Conti- Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg zurück und machte den Weg frei für Rolf Koerfer. Der Fachanwalt für Fusionen und Übernahmen ist zuversichtlich, die Probleme in den Griff zu bekommen. Die internen Reibereien sollen nun einer konstruktiven Zusammenarbeit weichen, und auch die Finanzprobleme will er zügig angehen.

dpa

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