Trends von der Cebit: Telefon via Internet und Fernsehen per Handy

- Die Telekommunikationsbranche belegt seit einigen Jahren immer mehr Ausstellungsfläche auf der Cebit. Eine Entwicklung, die sich auch in diesem Jahr wieder fortsetzt: Auf der Computermesse des Jahres 2006 präsentiert sich die Telekommunikation in sieben Messehallen, in denen das ganze Spektrum von Festnetz, Mobilfunk und Netzwerktechnik gezeigt wird.

Der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom, Bernhard Rohleder, prognostizierte bereits im Vorfeld der Cebit den Mobilfunkdiensten für 2006 ein stabiles Wachstum von 4,5 Prozent - allerdings zu Lasten der Festnetz-Telefonie. Dieser Vorstoß der Mobilfunkanbieter auf die Festnetz-Telefonie ist einer der großen Trends der Cebit 2006.

Mobil zu Hause

Die Mobilfunkanbieter setzen auf den ungebrochenen Handy-Boom und versuchen mit zusätzlichen, günstigen Tarifen ihre Kunden dazu zu bewegen, auch zu Hause zum Handy zu greifen. Je nachdem, ob man sich zu Hause befindet oder gerade unterwegs ist, greift das Handy auf unterschiedliche Tarife zu. Sowohl Vodafone als auch T-Mobile stellen zur Cebit neue Tarife für das mobile Telefonieren zu Hause vor: "Vodafone Zuhause" und "T-Mobilehome" heißen die Angebote, bei denen der Handy-Kunde für rund fünf Euro im Monat eine Festnetznummer für den Zuhause-Bereich erhält und dann für Gespräche in das deutsche Festnetz rund um die Uhr 4 Cent pro Minute zahlt. Gespräche ins Mobilfunknetz werden nach dem jeweils gewählten Mobilfunktarif berechnet. Für Vieltelefonierer bietet Vodafone sogar eine Flatrate an, die zum Mobilfunktarif hinzugebucht werden kann und mit der man für 15 Euro im Monat unbegrenzt ins Festnetz und deutsche Vodafone-Netz telefonieren kann. Bei T-Mobile gibt es vorerst noch keine Flatrate mit der man via Handy ins Festnetz telefonieren kann.

Festnetz unter Druck

Die Anbieter für Festnetz-Telefonie sehen sich nicht nur von der Mobilfunkbranche zunehmend unter Druck gesetzt. Konkurrenz erwächst ihnen auch von den Betreibern der Fernseh-Kabelnetze: Diese arbeiten verstärkt daran, ihre Netze mit einem Rückkanal zu versehen, damit man sie nicht nur für die Fernsehübertragung, sondern auch zum Surfen im Internet und zum Telefonieren nutzen kann. Dieses sogenannte Triple Play wird in den kommenden Jahren ein sehr wichtiges Thema sein. Einen Ausweg suchen Festnetzanbieter wie die Deutsche Telekom und Arcor jetzt mit neuen "Dual Mode Geräten", die sie auf der Cebit vorstellen. Mit diesen Geräten im Handyformat kann man zu Hause über DSL und unterwegs über das Mobilfunknetz telefonieren.

Per Handy fernsehen

Gute Umsätze versprechen sich die Mobilfunkanbieter nicht nur durch ihren Vorstoß auf den Festnetz-Markt, sondern auch durch neue Dienste, die das Handy zum Unterhaltungsgerät machen. Fernsehen auf dem Handy heißt der Trend, den alle Mobilfunkanbieter auf der Cebit 2006 ganz groß schreiben. Neben Nachrichtensendungen kommen vermehrt auch Musikprogramme und Soaps wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder "Verliebt in Berlin" auf das Handy. Den großen Durchbruch erhoffen sich aber alle von der Fußball-WM, zu der von allen Mobilfunkanbietern spezielle Angebote kommen werden. Ob das Handy-Fernsehen tatsächlich der große neue Wachstumsmotor für die Branche sein wird, ist jedoch fraglich, denn ohne UMTS-Handy geht dabei gar nichts - und die Verbreitung dieser Handys bleibt nach wie vor hinter den Erwartungen der Hersteller zurück. Hinzu kommt, dass derzeit noch zwei Übertragungsstandards um die Gunst der Branche kämpfen: der europäische Standard DVB-H (Digital Video Broadcasting via Handheld) und der in Asien entwickelte Standard DMB (Digital Multimedia Broadcast), der derzeit in Bayern und Baden-Württemberg getestet wird. Welcher von beiden sich durchsetzen kann, wird man vielleicht schon auf der nächsten Cebit sehen.

Telefon per Internet

Das Telefonieren über das Internet (VoIP) gilt auf der Cebit weiter als großer Trend. Bislang nutzen zwar überwiegend Firmen die Möglichkeit, auf diese Weise Telefonkosten zu sparen, aber auf der Cebit werden auch viele Lösungen für private Anwender zu sehen sein.

Nokia zeigt zum Beispiel erstmals drei Business-Handys, die für die Datenübertragung via Wireless Lan, via UMTS und via VoIP geeignet sind. Die Internet-Handys von Nokia sollen demnächst auf den Markt kommen.

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