S7 und S20: Bis zu 20 Minuten Verspätungen 

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Der Trick mit dem TV-Siegel

München - Stromfresser und Lärmmonster im Haushalt bekommen einen aufs Gehäuse – einen neuen blauumrandeten Aufkleber, der von der EU verordnet, über die Energiebilanz des jeweiligen Produkts aufklärt.

Spätestens ab 30. November dieses Jahres müssen neue Fernseher und Kühlschränke das runderneuerte Energie-Label tragen, ab 20. Dezember folgen Wasch- und Spülmaschinen. Und auch Autos bekommen ein Energie-Pickerl, das ab 1. Dezember Kunden beim Autohändler über den Verbrauch aufklärt. Verbraucherschützer ärgern sich jedoch über die Messmethoden, die hinter den Einstufungen stehen.

„Lassen Sie sich nicht vom Energie-Label in die Irre führen“, warnt Stiftung Warentest in Bezug auf die neuen Energielabel für Fernsehgeräte. Statt Modelle auf den Markt zu bringen, die wirklich Strom sparen, drehen die Hersteller einfach die Helligkeit der Bildschirme herunter. Die EU-Richtlinie schreibt vor, dass der Appetit auf Strom im sogenannten Heim-Zustand des Geräts gemessen wird. Dieser Modus ist eigentlich die normale Einstellung für den Apparat. Dabei darf der Hersteller jedoch die Helligkeit des Bildes festlegen und bis zu 35 Prozent von der maximalen Leistung abziehen. Je dunkler das Bild, desto weniger Strom frisst das Gerät und desto besser fällt das Energielabel aus. Aber: „So möchte niemand fernsehen“, kritisiert die Stiftung. Stellt man das Bild optimal ein, steigt der Energiebedarf und das getestete Gerät von Sony hätte statt der offiziellen, der Güteklasse „A“, die schlechtere Einstufung „B“ bekommen müssen. „Zum Vergleich taugt es wenig“, stempelt die Stiftung das Energielabel daher ab.

Auch beim Auto-Label hat die Industrie eine für die deutschen Hersteller günstige Messmethode durchgesetzt, nach der die Fahrzeuge in die farblich von grün bis rot gekennzeichneten Verbrauchsklassen eingeteilt werden. „Die schweren Autos werden bevorzugt“, sagt der Umweltexperte des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Gerd Lottsiepen. Denn die Bundesregierung klassifiziert die Modelle nicht alleine nach dem Spritverbrauch, sondern berücksichtigt dazu auch das Gewicht. Nach Berechnungen des VCD führt diese Methode zu seltsamen Resultaten. Der Kleinwagen Smart cdi mit einem CO2-Ausstoß von 86 Gramm landet demnach in der mäßigen Klasse „C“, ebenso wie der zwei Tonnen schwere Porsche Cayenne Diesel, der 189 Gramm des Klimagases abgibt.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verteidigt die Formel, nach der die Einstufung berechnet wird. „Die Folge einer absoluten Regelung wäre, dass kleine Autos grundsätzlich grün und größere Autos prinzipiell rot eingestuft würden“, argumentiert der Verband. Ein Familienvater wolle nicht wissen, wie viel ein Kleinwagen verbraucht, sondern ein umweltfreundliches Fahrzeug unter den für Familien tauglichen finden. Umweltverbände klagen dagegen über einen zu hohen Einfluss der Hersteller auf die Bundesregierung. Die Deutsche Umwelthilfe zieht deshalb nun sogar vor den Europäischen Gerichtshof.

Stefanie Backs und Wolfgang Mulke

Rubriklistenbild: © dpa

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