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Stimmt so! In vielen Urlaubsregionen ist es üblich, das Trinkgeld auf dem Tisch liegen zu lassen.

Trinkgeld-Regeln im Ausland

München - Wie viel, wann und wem? Urlaubszeit ist Trinkgeldzeit. Dabei unterscheiden sich die Gepflogenheiten von Land zu Land. Damit Sie nicht ins Fettnäpfchen treten, ein paar Tipps zum Extra im Ausland.

Wie viel Trinkgeld bekommt ein Kellner, was erwartet der Taxifahrer, und sollte man das Extra lieber diskret liegen lassen oder persönlich geben? Trinkgeld im Urlaub ist eine Frage des guten Tons. Doch viele Urlauber sind unsicher, was an ihrem Urlaubsort üblich ist. „Je weiter nördlich in Europa, desto geringer ist die Trinkgeldkultur, je weiter südlich, umso ausgeprägter ist sie“, sagt Agnes Jarosch, Chefredakteurin von „Der Große Knigge“. Im Trinkgeld-Knigge für Europa erklärt die Expertin die Trinkgeld-Regeln in europäischen Urlaubsregionen. Außerhalb des Euroraums gehen die landestypischen Gepflogenheiten allerdings besonders weit auseinander. Wer den Rechnungsbetrag in den USA nur aufrundet, begeht einen Fauxpas. In asiatischen Ländern wird laut Stiftung Warentest Trinkgeld dagegen oft als Beleidigung aufgefasst. Die wichtigsten Regeln im Überblick:

Spanien und Portugal

Im Restaurant gelten fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags als Trinkgeld angemessen. Am besten hält man es wie die Einheimischen und lässt das Extra einfach auf dem Tisch liegen. Aber Vorsicht: Kleinstbeträge wie 2- oder 5-Cent-Münzen gelten als äußerst unhöflich. Im Hotel freut sich das Zimmermädchen über einen Euro pro Tag. Im Taxi sollte man den Betrag aufrunden.

Italien

In Italien taucht auf der Restaurantrechnung meistens ein Posten mit dem Namen „Coperto“ auf – eine Grundgebühr für Brot und Tischgedeck. Als Trinkgeld gelten zehn Prozent des Rechnungsbetrages als angemessen. Sie können wie in Deutschland „Stimmt so!“ oder „Va bene cosi!“ rufen. Allerdings sollte das Extra niemals dem Chef ausgehändigt werden – das gilt als respektlos. Auch getrennt bezahlen gilt in Italien als unhöflich. Im Hotel gilt: fünf Euro pro Woche für das Zimmermädchen – am besten persönlich übergeben. Im Taxi sollten Fahrgäste unbedingt aufrunden.

Österreich

Wenn in Österreich von „Schmattes“ oder „Schmatt“ die Rede ist, dann ist Trinkgeld gemeint. Wie in Deutschland sind fünf bis zehn Prozent Extra im Restaurant üblich. Auch im Hotel gelten die gleichen Regeln wie in Deutschland: Kofferträger erhalten einen Euro pro Gepäckstück. Dem Zimmermädchen hinterlässt der Gast am Ende des Aufenthaltes ein bis zwei Euro pro Tag auf dem Nachttisch. Taxifahrer bekommen fünf bis zehn Prozent – je nach Zufriedenheit.

Frankreich

„Le pourboire“ sollte im Restaurant fünf bis zehn Prozent betragen. Das Geld wird wie in Spanien auf dem Tisch hinterlassen. Im Hotel ist Trinkgeld nicht üblich, im Taxi dagegen schon: zehn Prozent sind angemessen.

Türkei

„Bakschisch“ („Gabe“) ist in der Türkei Pflicht. Am Bosporus Trinkgeld zu vermeiden, gilt als äußerst unhöflich. Zehn Prozent sind im Restaurant üblich – getrennte Rechnungen werden nicht gerne gesehen. Das Geld wird auf dem Tisch liegen gelassen. Im Hotel überreicht man Trinkgeld am besten am Ende des Urlaubs persönlich – 50 Cent oder ein Euro pro Tag. Der Taxifahrer rechnet mit rund zehn Prozent des Fahrpreises als Trinkgeld.

Griechenland

In Tavernen sind fünf bis zehn Prozent Trinkgeld üblich. Wer möchte, kann das Geld auf dem Tisch liegen lassen. Den Obolus für das Zimmermädchen überreicht man persönlich. Im Taxi reicht aufrunden, die Preise sind ohnehin großzügig bemessen.

Kroatien

Stimmt der Service, sollten Restaurantgäste zehn Prozent auf den Rechnungsbetrag aufschlagen. Das Zimmermädchen freut sich über fünf Euro pro Woche. Taxifahrer erwarten zwar kein Trinkgeld, freuen sich aber, wenn der Betrag aufgerundet wird.

Skandinavien

In Skandinavien erwartet niemand ein Extra. Es gibt keine Trinkgeldtradition. Wer dennoch aufrundet, sollte das diskret tun. Ausnahmen gelten in Finnland. Hier ist ein Obolus für den Kofferträger üblich. In finnischen Restaurants wird außerdem oft Garderobengeld verlangt.

GB und Irland

Zehn bis 15 Prozent Trinkgeld sind im Restaurant üblich. Wenn auf der Rechnung der Posten „service charge“ auftaucht, kann auch weniger gegeben werden. Im Pub gibt man kein Trinkgeld. Im Hotel gilt: für Kofferträger ein Pfund pro Gepäckstück. Im Taxi ist aufrunden angebracht.

USA und Kanada

In den USA gilt klotzen statt kleckern. „15 bis 20 Prozent sind ein Muss“, sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest. Weniger gelte als Fauxpas. Die Löhne sind danach bemessen. Manchmal kommt der „Tip“ auch direkt mit auf die Rechnung – zum Beispiel beim Pizzaservice. Auch hier und im Taxi gilt: mindestens 15 Prozent Extra. Im Hotel sind ein bis zwei Dollar pro Gepäckstück für den Kofferträger üblich. Zimmermädchen bekommen ein bis zwei Dollar pro Nacht.

Nordafrika und Dubai

In Ägypten oder Marokko wird an jeder Ecke „Bakschisch“ gefordert. Im Restaurant sind zehn bis 15 Prozent üblich. Dasselbe gilt im Hotel. Das Zimmermädchen bekommt zum Beispiel in Marokko rund zehn MAD (etwa ein Euro). EWTC, Reiseveranstalter für die Arabische Halbinsel, rät in Dubai zu zehn Prozent Trinkgeld. Aber Vorsicht: In einigen Restaurants ist das Bedienungsgeld mit 15 Prozent bereits in der Rechnung inbegriffen. Taxifahrer erwarten ein kleines Extra.

Asien

In vielen asiatischen Ländern ist Trinkgeld nicht üblich. „In Japan gilt Tip sogar als Beleidigung“, erklärt Reiseexperte Murko. Japaner, Chinesen oder Thailänder etwa betrachten perfekten Service als Selbstverständlichkeit, die nicht extra honoriert werden muss. Ausnahmen betreffen allerdings Hotels in westlich orientierten Touristenzentren. Kein Muss ist Trinkgeld auch in Vietnam, Singapur oder Malaysia.

Karibik und Mittelamerika

Trinkgeld ist stets willkommen. Falsch machen kann man wenig. In Mexiko zum Beispiel sind etwa zehn Prozent im Restaurant üblich. Im Hotel erwarten Zimmermädchen, Kofferträger und auch Parkplatzwächter Trinkgeld.

Kreuzfahrtschiffe

Auf Kreuzfahrtschiffen wird oft viel Trinkgeld erwartet – laut Knigge-Expertin Jarosch pro Tag und Passagier zwischen sechs und 13 Euro. Urlauber sollten das bei der Gestaltung ihres Bargeldvorrates berücksichtigen. „Viele Veranstalter bieten auch an, einen bestimmten Trinkgeldsatz am Ende der Reise mit abzurechnen“, so Jarosch.

All-inclusive-Urlaub

Auch den Servicekräften in All-inclusive-Anlagen gebührt ein Extra. Da sind sich Experten einig. „Dafür gibt es oft Sparschweine oder Sammelboxen am Eingang“, sagt Jarosch. Vom Beachboy bis zum Oberkellner bekommt daraus jeder etwas ab. Ein Recht auf Trinkgeld haben Barkeeper und Kellner in All-inclusive-Anlagen allerdings nicht. Das Kölner Amtsgericht entschied in einem Fall, bei dem Urlauber nur Getränke erhielten, wenn sie Trinkgeld gaben. Die Urlauber, Gäste in einer All-inclusive-Anlage auf Kuba, durften den Reisepreis um fünf Prozent mindern (Az. 122 C 171/00).

Euro oder US-Dollar

Außerhalb des Euroraums ist Trinkgeld in Euro oder US-Dollar gern gesehen. Allerdings sollte es dann ein Schein sein. Münzen lassen sich nicht in Landeswährung umtauschen. Da der Euro erst mit Fünf-Euro-Scheinen startet, eignen sich US-Dollar-Noten.

Manuela Dollinger

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