Inflation frisst Lohnzuwächse auf

Frankfurt/Berlin - Trotz des Aufschwungs und Klagen über Fachkräftemangel sind die Lohnsteigerungen zuletzt deutlich hinter der Inflation zurückgeblieben.

Die Reallöhne in Deutschland sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken, wie die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Berufung auf eine unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) berichtet. Demnach ist das monatliche Realeinkommen eines mittleren Angestellten zwischen 2008 und 2010 um 1,5 Prozent gesunken, seit 2005 um 7 Prozent. Das bedeutet einen deutlichen Kaufkraftverlust.

Nach den DIW-Berechnungen lag das durchschnittliche reale Bruttoeinkommen - also unter Einbeziehung der Inflation - 2005 bei 2087 Euro. Fünf Jahre später habe es nur noch 1941 Euro erreicht. Der Lohndruck trifft demnach nicht nur Geringqualifizierte. Auch die Stundenlöhne von Hochschulabsolventen sind laut dem Bericht seit 2005 gesunken.

Etwas besser als den Arbeitnehmern geht es den Rentnern: Weil die Arbeitslosigkeit gesunken ist, steigen die Beitragseinnahmen der Rentenkassen und damit die Renten. Trotzdem gleicht die erwartete Rentenerhöhung für das kommende Jahr die Inflation nur in Ostdeutschland aus.

Die Daten für die DIW-Studie stammen aus dem sozioökonomischen Panel, einer jährlichen Umfrage unter mehr als 20 000 Bundesbürgern. Damit werden auch Teilzeit, Zeitarbeit und befristete Verträge erfasst. Nicht berücksichtigt werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Prämien.

Dass sich der Trend im laufenden Jahr dreht, ist laut dem Bericht unwahrscheinlich. Die Studienautoren glaubten nicht, das sich etwas ändere. Zwar seien im zweiten Quartal einige Lohnerhöhungen wirksam geworden, doch “für den weiteren Verlauf des Jahres sind wieder nur moderate Lohnanhebungen zu erwarten“.

Das Statistische Bundesamt kommt für tariflich bezahlte Vollzeitbeschäftigte zu besseren Ergebnissen. Sie konnten dank Sonderzahlungen, hoher Tarifabschlüsse und längerer Arbeitszeiten im zweiten Quartal dieses Jahres über 1,9 Prozent höhere Reallöhne verfügen als noch vor einem Jahr, wie das Bundesamt im September mitgeteilte hatte. Bereits im ersten Quartal hatten hier die Reallöhne mit 2,0 Prozent Steigerung überdurchschnittlich stark angezogen. Im Gesamtjahr 2010 waren die Reallöhne um 1,5 Prozent gestiegen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare