Trotz Aussicht auf Freispruch: Schuss vor den Bug der Manager

- Düsseldorf - Im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess können der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seine fünf Mitangeklagten nun mit einiger Zuversicht auf einen Freispruch hoffen. Dennoch hat der wohl spektakulärste Wirtschaftsprozess in der deutschen Geschichte schon vor seinem Ende sehr viel verändert.

<P>Das ist ein gewaltiger Schuss vor den Bug der gierigen Manager. Und ein gewaltiger Schuss vor den Bug der Aufsichtsräte, die bisher glaubten, alles machen zu können", urteilt der Bonner Juraprofessor Marcus Lutter über das Düsseldorfer Verfahren. Immerhin habe das Gericht dem Aufsichtsrat eine ganze Serie von Verstößen gegen das Aktienrecht bescheinigt. Dies werde dazu führen, dass wieder größere Vernunft einkehre bei der Frage der Honorierung.</P><P>Das ist nach Einschätzung des Aktienrechtlers aber auch dringend nötig _ nicht nur bei den Prämien, sondern vor allem beim Thema Managergehälter. "Ich halte die elf Millionen Euro, die Ackermann im vergangenen Jahr verdient hat, für vollkommen unangebracht", betont Lutter. Das gleiche gelte für die Bezahlung von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp.</P><P>Die Bezahlung dieser Manager sei - "im Sinne dessen, was die Vorsitzende Richterin gesagt hat" - unzulässig, urteilt Lutter. "Das Gesetz sagt, die Bezahlung muss angemessen sein. Bei Daimler-Chrysler ist es weder vom Ertrag noch vom Unternehmenserfolg noch von irgendetwas sonst her angemessen, und das gleiche gilt für die Deutsche Bank", meint der Rechtsexperte. Und fährt sichtlich zufrieden fort: "Das Gespräch über die hohen Managergehälter ist jetzt eröffnet."</P><P>Der Hamburger Professor für Wirtschaftsrecht, Michael Adams, fordert sogar gesetzgeberische Konsequenzen. Deutschland brauche "ein Aktienrecht, das klare Grenzen für Prämien und Vorstandsbezüge setzt". Der Jurist sagte dem Handelsblatt: "Das, was bei Mannesmann passiert ist, ist und bleibt die Plünderung eines Unternehmens." Als die Chefs des Aufsichtsrats und des Vorstands gesehen hätten, dass der Übernahmekampf gegen Vodafone verloren war, hätten sie sich in maßloser Weise selbst abgefunden. "Wenn jemand wie Herr Funk sich als Aufsichtsratschef selbst eine Millionenprämie erkämpft und damit vor Gericht davon kommt, dann lässt sich das der Öffentlichkeit nicht mehr erklären."</P><P>Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, sieht einen Erfolg schon darin, dass der Prozess überhaupt stattfindet: "Ich gehe davon aus, dass dieses Verfahren eine erzieherische Wirkung hatte."</P><P>Das den sechs Angeklagten wegen ihrer vom Gericht gerügten aktienrechtlichen Verfehlungen Schadensersatzforderungen drohen, glaubt allerdings keiner der Experten. Denn der einzige mögliche Kläger wäre Vodafone. "Die Briten können das Verfahren doch gar nicht verstehen. Sie sind bei Prämienzahlungen ganz andere Größenordnungen gewohnt", glaubt Hocker.</P>

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