Trotz und dank des starken Euro: Deutschland ist Exportweltmeister

- München - Deutschland ist schon wieder Weltmeister - und das in einer Disziplin, in der es niemand erwartet hätte. Der Titelträger redet sich nämlich seit Monaten jede Erfolgschance aus: die Exportwirtschaft. Während die Unternehmen über den schwergewichtigen Euro jammern, der ihre Ausfuhren belastet, zeigen neueste Konjunkturdaten: Kein Land der Welt hat zuletzt mehr exportiert als Deutschland. Was nun wahr ist? Beides, aber wohl nicht mehr lange.

<P>Seit elf Jahren war es nicht mehr gelungen, den USA den Rang als stärkste Export-Nation abzulaufen. Zwar waren Produkte "Made in Germany" stets beliebt, doch in Folge der Wiedervereinigung verlor Deutschland seinen Spitzenplatz im Außenhandel. Hohe Lohnabschlüsse verteuerten die Produkte und kosteten so Wettbewerbsfähigkeit. Seitdem waren die USA stets stärker im Weltmarkt vertreten. Bis jetzt: Im August lagen die deutschen Ausfuhren mit 62 Milliarden Dollar um gut sieben Prozent über den amerikanischen, wie die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Zahlen von OECD und internationalem Währungsfonds berichtet. Deutschlands Anteil am Weltmarkt würde heuer wieder über zehn Prozent liegen.</P><P>Und das in einer Zeit, in der Wirtschaftsvertreter glauben machen, dass ein starker Euro die Kassen schneller ausräumt als eine Hundertschaft skrupelloser Bankräuber. "Jeder Cent, der draufkommt, tut weh", heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag zum Verhältnis zwischen Euro und Dollar. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) senkte seinen Index für die Konjunkturerwartung von 60,9 auf 60,3 Punkte. Hauptverdächtig als Geschäfts-Vermieser: der starke Euro. Und der Bundesverband deutscher Banken glaubt heuer nur an eine minimale Belebung der Konjunktur. Allenfalls im kommenden Jahr sei ein Wachstum von 1,6 Prozent zu erwarten. "Wir haben Erholung, aber keinen Aufschwung", verkündete Norbert Walter, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft- und Währungspolitik. Mit der Entspannung könne es zudem schnell vorbei sein. Das größte Risiko für die Weltwirtschaft sehen auch die Banken-Experten in der Entwicklung der Wechselkurse.</P><P>Export-Sieger und Euro-Verlierer passen auf Dauer nicht gut zusammen. Kurzfristig treibt der starke Euro den Wert der Exporte in Dollar gerechnet nach oben. Das bläht das deutsche Export-Volumen gegenüber den USA auf. "Wenn ich vor sechs Monaten etwas in Euro bestellt habe, muss ich heute viele Dollar hinlegen, um es zu bezahlen", erklärt Bernhard Klein vom Kieler Institut für Weltwirtschaft aus Sicht eines Käufers deutscher Export-Waren. "Wenn ich aber heute wieder bestelle, rechne ich das mit ein und werde möglicherweise lieber nach Asien schauen." Dieser Blickwechsel wird sich wohl in den kommenden Monaten auswirken und könnte die Export-Weltmeisterschaft kosten. Vielleicht kommt es aber doch anders - zum Beispiel, wenn der Euro einem weniger steilen Aufwärtstrend folgt. Oder wenn "die Qualität und Lieferzuverlässigkeit deutscher Produkte einen höheren Preis im Weltmarkt rechtfertigen", wie Klein sagt. Dann könnten starke Währung und starke Exportwirtschaft ein dynamisches Duo sein - wie zu den besten Zeiten der D-Mark.<BR></P>

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