Trotz florierender Geschäfte: Ärger bei MAN um Mehrarbeit

- München - Das erste Halbjahr 2004 lief für MAN besser als erwartet: Der Münchner Maschinenbaukonzern konnte Umsatz und Ergebnis deutlich steigern. Der Geschäftsverlauf habe die Erwartungen für das Gesamtjahr nicht nur bestätigt, sondern stimme noch etwas optimistischer, sagte Vorstandschef Rudolf Rupprecht. Dennoch streitet er mit der Belegschaft an einigen Standorten über weitere Kostensenkungen.

<P>In den Monaten Januar bis Juni gingen bei MAN um 20 Prozent mehr Aufträge ein als im Vorjahreszeitraum. Vor allem Nutzfahrzeuge wie Busse und Lastwagen, Druckmaschinen und Dieselmotoren waren begehrt. Der Konzernumsatz wuchs als Folge der im In- und Ausland gleichermaßen gestiegenen Nachfrage um 800 Millionen auf 6,8 Milliarden Euro. Zugleich verdoppelte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern nahezu von 116 Millionen Euro auf 220 Millionen Euro. Die Börsen honorierten das Plus allerdings nicht: Die MAN-Aktie sank gestern zeitweise um mehr als fünf Prozent.<BR><BR>Unterm Strich lief es nicht in allen Bereichen des Konzerns rosig. Während das größte Geschäftsfeld, die Nutzfahrzeugsparte, profitabel lief, verzeichneten die Druckmaschinen im ersten Halbjahr 2004 ein Minus, das jedoch kleiner war als im Vorjahreszeitraum. Die Dieselmotorsparte rutschte trotz zahlreicher neuer Aufträge noch tiefer in die schwarzen Zahlen.</P><P> Ursache dafür ist laut MAN der gesunkene Dollarkurs, der auf die Margen drückt.<BR>Da Rudolf Rupprecht die Umsatz- und Kapitalrentabilität des Unternehmens bis 2005 nachhaltig steigern will, kündigte er für die defizitären Druckmaschinen- und Dieselmotorensparten weitere Einsparungen von 50 Millionen Euro an. "Unsere Bemühungen, die Kosten zu senken, werden wir fortführen", sagte der langjährige Vorstandsvorsitzende, der Ende des Jahres sein Amt abgibt.<BR><BR>Wie die Kosten reduziert werden sollen, ist noch offen. In den vergangenen Wochen hatte Rupprecht aber deutlich gemacht, dass er in den Werken in Offenbach und Augsburg mit einer unbezahlten Ausweitung der Arbeitszeit von 35 auf 38 bis 40 Stunden liebäugelt. Im September soll es darüber Gespräche mit der Arbeitnehmerseite geben, die eine Arbeitszeitverlängerung jedoch ablehnt. Ein Vertreter der IG Metall Augsburg sagte auf Nachfrage: "Angesichts der glänzenden Geschäftszahlen besteht kein Bedarf, die Arbeitszeit zu verlängern."<BR><BR>Für das Gesamtjahr 2004 rechnet der MAN-Vorstand nach dem insgesamt positiven ersten Halbjahr mit einem Plus von über zehn Prozent bei den Auftragseingängen und etwas weniger beim Umsatz. Beim Ergebnis vor Steuern werde MAN mindestens 400 Millionen (2003: 261 Mio. Euro) erzielen, sagte Rudolf Rupprecht.</P>

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