Trotz Hängepartie nach der Wahl: Unternehmen machen sich Mut

- München - Trotz hoher Ölpreise und des Wahl-Patts hier zu Lande findet die deutsche Wirtschaft zum Optimismus zurück. Darauf deutet der Ifo-Geschäftsklimaindex hin, der entgegen aller Erwartungen klar gestiegen ist.

Die Stimmung in den heimischen Unternehmen hat dem hohen Ölpreis und der ohne klare Mehrheitsverhältnisse zu Ende gegangenen Bundestagswahl getrotzt. Denn entgegen aller pessimistischen Erwartungen ist der viel beachtete Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung im September deutlich von 94,6 auf 96,0 Punkte gestiegen. Zwar hätten die befragten Firmen ihre Geschäftsaussichten nach der Wahl tendenziell ungünstiger bewertet als vorher, räumte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn ein. Die Stimmung hätte sich aber so oder so aufgehellt, betonte Kollege Klaus Abberger.

Den Großteil der traditionellen Umfrage hatte Ifo vor den Wahlen abgeschlossen. Dennoch machen die jetzigen Ergebnisse Mut. Im August hatte der Ifo-Index insgesamt noch nachgegeben.

Wachstum von knapp einem Prozent gesichert

Statt eines von Ökonomen erwarteten Absinkens des Konjunkturbarometers auf noch gut 94 Punkte erreichte der Ifo-Index in diesem Monat nun seinen höchsten Stand seit Januar 2005. Vor allem der Teilindikator für die aktuelle Geschäftslage von Firmen wuchs deutlich von 93,8 auf 96,4 Punkte, während die Einschätzung künftiger Geschäfte mit 95,5 Punkten fast unverändert blieb. "Die Zahlen sind eine handfeste positive Überraschung", sagte die Konjunkturexpertin von Sal. Oppenheim, Ulrike Karstens, angesichts des Ölpreises und bestehender politischer Widrigkeiten.

Kollegen anderer Banken reagierten ähnlich. Nach diesem kräftigen Sprung im Ifo-Index nach oben gebe es Anzeichen, dass es mit der Konjunktur in Deutschland langsam wieder aufwärts geht, meinte WestLB-Analyst Jörg Lüschow. Das für dieses Jahr allgemein für Deutschland prognostizierte Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent gilt nun als gesichert. Vor allem in der Industrie, im heimischen Einzelhandel und auch in Ostdeutschland helle sich die Stimmung derzeit auf, sagte Sinn.

Weiterhin positiv beurteilten Konzerne im September auch ihre Exportchancen. Unverändert sei die Lage am Bau, der ein Jahrzehnt Dauerkrise verdauen muss. Vom Wahlergebnis erwartet indessen Ifo auch in Zukunft keine Verstimmung für die heimische Wirtschaft. Eine große Koalition unter Führung der Union könne dort durchaus auf ein positives Echo stoßen, meinte Abberger. Dazu müsse aber die Regierungsbildung schnell vorankommen. Ifo gehe davon aus, dass die heimische Konjunktur im endenden dritten und bald beginnenden vierten Quartal noch etwas an Fahrt gewinnt.

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