Trotz konjunktureller Hoffnungsschimmer 2003 neuer Pleiterekord

- Wiesbaden - Trotz erster Hoffnungsschimmer auf eine konjunkturelle Erholung steuert die Bundesrepublik 2003 auf einen neuen Pleiterekord zu. Allein im 1. Quartal lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen mit 9747 Fällen 9,4 Prozent höher als vor Jahresfrist. Bei den übrigen Schuldnern - wie Verbrauchern und ehemals Selbstständigen - schnellte die Zahlungsunfähigkeit sogar um 42,2 Prozent auf 14 631 Insolvenzen in die Höhe. Dies berichtetet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.

<P>Auch die Gesamthöhe der offenen Forderungen erreichte mit mindestens 11,7 Milliarden im 1. Vierteljahr einen neuen Höhepunkt. Die Ausfälle lagen damit nach Angaben der Insolvenzgerichte 18,2 Prozent höher als im Vorjahr.</P><P>Für das Gesamtjahr 2003 werden mehr als 40 000 Unternehmenspleiten - nach 37 7000 im vergangenen Jahr - erwartet. Die bekannteste Wirtschaftsauskunftei Creditreform geht von 42 000 Firmenzusammenbrüchen aus. Die Münchner HypoVereinsbank sieht im laufenden Jahr sogar 45 000 Unternehmen vor dem Aus. Annähernd 60 Prozent der untergehenden Firmen sind allerdings Mikrobetriebe mit einem bis zu fünf Beschäftigten. Dabei dürfte wie schon im vergangenen Jahr Ostdeutschland überproportional betroffen sein.</P><P>Ein rasanter Anstieg der Pleitewelle am Ende eines Konjunkturtals ist allerdings die Regel. Den Unternehmen gehen die letzten Finanzmittel aus, die Zahlungsmoral der Kunden ist auf dem Tief und die Banken sind mit dringend benötigten Krediten extrem zurückhaltend. Dieser Aspekt dürfte derzeit angesichts der schwierigen Lage in der Kreditwirtschaft eine noch größere Rolle spielen als in zurückliegenden Konjunkturzyklen.</P><P>Auch die stärkere Verschuldung privater Haushalte - nicht zuletzt auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit - spiegelt sich in der Pleitestatistik wider. Nach Angaben der Statistiker mussten in den ersten drei Monaten 7603 Verbraucher ihre Zahlungsunfähigkeit eingestehen, 69,4 Prozent mehr als im 1. Quartal 2002. Bei den ehemals Selbstständigen stieg die Zahl der Insolvenzanträge sogar um 84,3 Prozent auf 5471 Fälle.</P>

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