Trotz neuem Unterhaltsrecht: Ja-Sagen lohnt sich noch immer

München - Die Romantik hat wieder "Hoch-Zeit": Ab Mai stürmen die Heiratswilligen die Standesämter, mit dem Frühling startet die Hochzeitssaison. Allerdings sollte das Heiratsfieber in den Frühlings- und Sommermonaten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gesamtzahl der Eheschließungen sinkt. Es hält sich der Trend, auch ohne Trauschein eine Familie zu gründen. Warum auch nicht? Ehen und Partnerschaften werden immer stärker gleichgestellt, denken viele. Das scheint das neue Unterhaltsrecht zu belegen, das seit 1. Januar 2008 gilt. Doch, sagt Herbert Grziwotz, Jurist und Experte für Familienrecht aus Regen, "das ist ein Trugschluss". Denn tatsächlich bietet die Ehe bezüglich Unterhalt, Steuern oder Erbschaft eine Reihe von Vorteilen. Grziwotz: "Kinder und Steuern sind gute Gründe, zu heiraten."

-Unterhalt:

Nach der seit Januar geltenden Regelung sind geschiedene Partner verpflichtet, ab dem dritten Lebensjahr des jüngsten Kindes wieder arbeiten zu gehen und sich um ihren Lebensunterhalt eigenverantwortlich zu kümmern. Bis dahin erhalten sie einen Betreuungsunterhalt. Die Unterhaltsansprüche geschiedener Partner sind also deutlich reduziert worden.

Neu ist auch, dass sich die geschiedene Ehefrau in der Rangfolge der Unterhaltsberechtigten nicht mehr mit dem Kind den ersten Platz teilt. Sie ist nun an zweite Stelle gerückt. Das bedeutet: Reicht das Geld des unterhaltspflichtigen Partners nicht für alle Unterhaltsberechtigten aus, erhalten zuerst die Kinder den vollen Unterhalt, und dann der geschiedene Partner.

Trotz neuer Rechtslage ist der geschiedene Partner noch besser gestellt als der nicht verheiratete. Der Ex-Partner aus einer Ehe hat nämlich bessere Chancen, seine Unterhaltsansprüche zu verlängern. Nämlich dann, wenn die Ehe besonders lang gedauert hat. Wie viele Jahre hier als "lang" zu veranschlagen sind, ist nicht eindeutig geregelt. Dies ist im Einzelfall zu entscheiden.

Das Gesetz lässt weitere Ausnahmen zu: Auch die Möglichkeit, eine Arbeit zu finden, spielt eine Rolle. Findet der Ex-Partner trotz intensiver Suche und Bewerbungen keine Stelle, hat er gute Chancen, dass der Unterhaltsanspruch verlängert wird. Auch hier entscheidet der Einzelfall.

Tipp: Wer verheiratet ist und seinen Beruf für die Kinderbetreuung aufgeben möchte, sollte sich mit einem Ehevertrag für den Fall einer Scheidung wappnen. Darin kann man unabhängig vom Gesetz individuelle Unterhaltszahlungen treffen.

-Steuern:

 Eheleute sparen nicht automatisch Steuern. "Aus steuerlicher Sicht lohnt sich eine Ehe nur, wenn die Einkünfte beider Partner unterschiedlich hoch sind. Beziehen beide ein gleich hohes Einkommen, ist der Steuervorteil vernachlässigbar", sagt der Steuerberater Dominik Brach aus München. Für nicht verheiratete Paare gibt es steuerlich keine Vergünstigung.

Zur Wahl der Steuerklasse für Verheiratete lässt sich sagen: Verdienen beide Eheleute, der eine aber deutlich mehr, ist für den Besserverdienenden die Steuerklasse III und für den anderen die Steuerklasse V geschickter. Wenn beide etwa gleich viel verdienen, ist die Klasse IV geeignet.

Bei der Erbschaftsteuerregelung ist der Ehe-Vorteil eindeutig. Partnern ohne Trauschein stehen bald sehr viel geringere Freibeträge zu ­ nach der Erbrechtsreform voraussichtlich 20 000 Euro statt 500 000 Euro wie bei Eheleuten ­ zudem sind sie aus der Erbfolge ausgeschlossen, soweit kein Testament oder ein Erbvertrag vorliegt.

-Erbe:

 Wenn es ums Erben geht, ist die Ehe ganz klar im Vorteil. In einer Ehe sind die Partner ganz automatisch auch gegenseitige Erben. In einer Zugewinngemeinschaft erbt der Ehepartner die Hälfte des Vermögens des verstorbenen Partners, die Kinder teilen den Rest nach Köpfen. Der Gesetzgeber gewährt zudem einen Sonderfreibetrag für den fiktiven Zugewinnausgleich: Der Gesetzgeber berechnet zum Zeitpunkt des Todes des Ehepartners den Zugewinn wie bei einer Scheidung ­ der Betrag des Zugewinns ist im Todesfall erbschaftsteuerfrei, zusätzlich zum Freibetrag.

In einer Verbindung ohne Trauschein gibt es keinerlei Erbansprüche. Soll der Partner erben, muss er schon in einem Testament oder Erbvertrag berücksichtigt werden.

-Krankenversicherung:

 In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Ehe ganz klar im Vorteil: Ehepartner profitieren von der kostenfreien Familienversicherung, das heißt, nur der Hauptversicherte zahlt, ein nichtarbeitender Ehepartner und Kinder sind kostenlos mitversichert. Voraussetzung dafür ist, dass der kostenlos mitversicherte Ehepartner keine oder nur geringfügige Einkünfte hat.

Mehr Informationen

zum Thema erhalten unsere Leser auf sechs DIN-A4-Seiten per Fax-Abruf unter der Nummer 09001 / 25 26 65 52 40 (0,62 Euro pro Minute) noch bis 30. Mai. Wer den Postweg bevorzugt, schickt bitte einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Heirat" an: Versandservice, Lerchenstraße 8, 86938 Schondorf.

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