Trotz neuer Kontrollbehörde: Strom und Gas bleiben vorerst teuer

- Bonn - Obwohl Strom- und Gasnetze nun staatlich überwacht werden, können die Verbraucher vorerst nicht mit sinkenden Preisen rechnen. "Man kann Versäumnisse, die teils zehn Jahre zurückliegen, nicht innerhalb von zwei Wochen beseitigen", sagte der Chef der neuen Bundesnetzagentur, Matthias Kurth.

Bei der Vorstellung der aus der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) hervorgegangenen Aufsichtsbehörde in Bonn wies der 53-Jährige auf die Erfahrungen im Telekommunikationsmarkt hin: Dort sei man nach sieben Jahren noch nicht am Ziel "eines selbsttragenden Wettbewerbs angelangt". Immerhin hat die RegTP seit ihrer Einrichtung 1998 aber zu erheblich mehr Wettbewerb im einstmals vom staatlichen Monopol beherrschten Telekommunikationsmarkt beigetragen. So sanken die Preise für Sprachtelefonie um 90 Prozent, weil die Behörde den Zugang von Wettbewerbern zum Telekom-eigenen Datennetz ermöglichte.Bei den Strom- und Gasnetzen, die seit 13. Juni ebenfalls kontrolliert werden, sind die Voraussetzungen aber anders. Die Netznutzungsentgelte machen nur etwa ein Drittel der Endverbraucherpreise aus; der Rest wird unter anderem durch die Kosten auf der Erzeugerseite und die Entwicklung der Rohstoffpreise mitbestimmt. Zudem gelten die Leitungen als "natürliches Monopol", da der Bau zusätzlicher Netze kaum zu finanzieren ist.Dennoch sind die Netzkosten in Deutschland im europäischen Vergleich hoch. Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass die Regulierung in Einzelfällen zu Abschlägen von 50 Prozent geführt hat. "Das lässt sich natürlich nicht eins zu eins übertragen", schränkt Kurth ein. Zudem gibt er zu bedenken, dass steigende Rohstoffpreise eventuelle Senkungen bei den Netzpreisen durchaus auffressen könnten.Auslöser für die Kompetenzerweiterung von Kurths Behörde auf den Energiebereich waren Forderungen der EU. Der Gemeinschaft waren bisherige Vereinbarungen als Mittel zur Förderung des Wettbewerbs zu wenig. Allerdings haben die Energiekonzerne in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass es keine Preisspielräume gebe. (Gesicht des Marktes.)

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