Trotz Schwäche in Amerika: Audi setzt seine Rekordfahrt fort

- Ingolstadt - Rekordwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn: Während der Mutterkonzern Volkswagen schwächelt, gedeiht die Tochter Audi prächtig. Mit 871 Millionen Euro aus Ingolstadt können die Wolfsburger rechnen. So hoch fiel 2004 der Nachsteuergewinn bei Audi aus.

<P>Schon elf Jahre lang dauert nun die Erfolgsfahrt bei den Auslieferungen an: 779 441 neue Fahrzeuge wurden 2004 gekauft oder geleast, 1,2 Prozent mehr als 2003. Doch gibt es hier Licht und Schatten: In Deutschland fiel - zum Teil wegen Modellwechseln bei wichtigen Baureihen - ein Minus von 1,1 Prozent an. Doch bleibt der deutsche Markt mit 235 092 Auslieferungen mit Abstand der wichtigste.<BR><BR>Dagegen freut sich Audi über zweistellige Zuwächse in Osteuropa und Afrika. Im Nahen Osten legte die Marke mit den vier Ringen gar um 58,5 Prozent zu. Großbritannien liegt mit einem Plus von 11,1 Prozent und 77 882 ausgelieferten Audis nur noch knapp hinter den USA mit 77 917.<BR><BR>Dieser wichtigste Exportmarkt allerdings macht Audi mit einem Minus von 9,8 Prozent echte Sorgen. Vor allem der bayerische Rivale BMW legte hier nämlich 2004 deutlich zu. Dabei dürfte eine Schwäche im Audi-Programm die Hauptursache sein: Der Allrad-Pionier, der mit dem "Quattro" vor 25 Jahren den Boom vierradgetriebener Autos einleitete, hat bei den geländegängigen Varianten noch nichts zu bieten. Das soll sich noch heuer ändern.<BR><BR>Ein zweiter Schwachpunkt ist ein fehlendes Produktionsstandbein in den USA. Während BMW mit den in den USA besonders erfolgreichen Baureihen X5 und Z4 den Märkten gefolgt ist und diese in Spartanburg baut, bestätigt Audi zwar seit Jahren entsprechende Pläne, Vorstandschef Martin Winterkorn vermeidet aber konkrete Aussagen.<BR><BR>Der neue geländegängige Q7, bei dem, so Winterkorn, ein Hybridsystem (die Kombination von Verbrennungs- und Elektromotoren) zum Einsatz kommen könnte, wird jedenfalls in Bratislawa (Slowakei), gebaut. Von dort kommen auch die Plattform-Verwandten Porsche Cayenne und VW Touareg. Die Produktion in Niedriglohn-Standorten, hilft Audi, so Finanzvorstand Rupert Stadler, auch die Folgen der Dollar-Schwäche im Griff zu halten. Dabei dürfte den 44 971 deutschen Beschäftigten das Extra-Lob für die Werke in Osteuropa und China in den Ohren klingen. "Qualität zu bauen ist längst kein Privileg eines deutschen Standorts mehr", sagt der Audi-Chef. Er betont aber, dies sei "keine Kampfansage an die deutschen Standorte". Doch erwartet Audi von den Beschäftigten Tarif-Zugeständnisse.<BR><BR>Produzieren im billigen Ausland, entwickeln in Deutschland. So skizziert Winterkorn ein künftiges Szenario. Wie bei den Motoren, die im ungarischen Györ von 5000 Mitarbeitern gebaut, aber von "1300 hochqualifizierten Ingenieuren" in Deutschland entwickelt werden. Dennoch haben auch die deutschen Werke Zukunft. Produktionschef Jochem Heizmann betont deren Anlaufkompetenz. Das heißt: Neue Produktion wird auch künftig zuerst im Inland hochgefahren.<BR>Beim Ingenieurs-Knowhow will Audi Zulieferern auf die Finger schauen, und wie Winterkorn sagt, die eigene Kompetenz auf diesem Gebiet weiter ausbauen. Man fördere gezielt das "nötige Wissen durch Insourcing bei der technischen Entwicklung". Ein Seitenhieb auf die Premium-Konkurrenten BMW und Mercedes, denen ein fehlerhaftes Bauteil vom Zulieferer eines Zulieferers, die Produktion lahm legte.<BR><BR>Audis Modelloffensive geht 2005 weiter. Zunächst erfreut Audi das sportlich orientierte auf dem Genfer Auto-Salon-Publikum mit dem RS 4. Unter dem Kleid des A 4 schlägt das 425 PS starke Achtzylinderherz eines Sportwagens.<BR><BR>Sportlich ist Audi auch ins Jahr 2005 gestartet. Über rund ein Drittel mehr Aufträge in den ersten beiden Monaten freut sich Winterkorn. Gemessen daran sind die Erwartungen für 2005 sogar bescheiden. Die 1,2 Prozent Wachstum beim Absatz von 2004 sollen übertroffen werden.<BR></P>

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