Trotz Spitzenzahlen dicke Luft: EADS-Führung im Stimmungstief

- Paris - Das beste Geschäftsjahr aller Zeiten, Spitzenwerte bei den Eckdaten und dazu eine Dividende, die zum vierten Mal in Folge steigt: Nicht nur die Aktionäre des Luft- und Raumfahrtgiganten EADS hätten allen Grund zur Freude. Doch fanden die Chefs bei der Bilanzpressekonferenz einmal Anlass zu einer scherzhaften Bemerkung, erstarb ihr Lachen gleich wieder. Trotz bester Zahlen knirscht es gewaltig im deutsch-französischen Gebälk.

"Ich bin heute Chef B", sagte Tom Enders mit säuerlich lächelnder Miene, nachdem der eigentlich gleichberechtigte Noë¨l Forgeard das Kommando an sich gerissen hatte. "Wir werfen da immer eine Münze." Bereits vorher musste Kommunikationschef Christian Poppe seinen Platz auf dem Podium räumen und stehend moderieren, damit neben Forgeard, Enders und Finanzchef Hans Peter Ring mit dem fürs operative Geschäft zuständigen Jean Paul Gut ein zweiter Franzose auf dem Podium Platz nehmen konnte. So war optisch ein Gleichgewicht hergestellt.

Die Harmonie, die einst Philippe Camus und Rainer Hertrich zelebrierten, bevor Forgeard sie von der Spitze drängte, ist offenbar geschwunden. Immer wieder ging es um einen möglichen Zusammenschluss mit Thales, mit dem Forgeard vor wenigen Wochen erneut öffentlich geliebäugelt hatte, der das Gewicht des deutschen Großaktionärs Daimler-Chrysler schmälern und ein französisches Übergewicht schaffen würde. "Ich denke, dass eine Verbindung Sinn macht", wiederholte der französische Co-Chef. Dagegen setzt Enders, der aus dem Daimler-Management stammt, auf organisches Wachstum. "Wir haben ein sehr gut wachsendes Verteidigungsgeschäft." Doch auch er setzte Stiche: "Staatsanteile wären aus Sicherheitsgründen nicht mehr nötig", sagte er. Nun bringt aber der französische Staat neben dem privaten Konzern Lagardè`re genau so viel Gewicht in die Aktien-Waagschale wie Daimler-Chrysler auf der deutschen Seite. Diesmal grummelte Forgeard, der als Schützling des französischen Präsidenten Jacques Chirac gilt.

Die strategische Lage, die die beiden Chefs präsentierten, könnte kaum besser sein. In allen Punkten lagen die Daten sowohl über den eigenen Vorhersagen als auch über denen der Analysten. Und beide ließen keinen Zweifel zu, dass die Rekordjagd weitergehen sollte. Der Umsatz soll von 34 auf über 37 Milliarden Euro wachsen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 2,85 auf 3,2 bis 3,4 Milliarden, und der Gewinn pro Aktie von 2,11 auf 2,35 bis 2,55 Euro. "Dass wir Versprechen immer einhalten, ist kennzeichnend für die Leistungen von EADS", sagte Forgeard.

Selbst das langjährige Sorgenkind Raumfahrt ist wohl über den Berg: Nachdem im Vorjahr knapp die Verlustzone verlassen wurde, stieg das Spartenergebnis nun von 9 auf 58 Millionen Euro. Schönheitsfehler in der Bilanz ist, dass nun der Luftfahrt-Dienstleister Sogerma ein 198-Millionen-Euro-Loch in die Kassen riss. Bis 2007, verspricht Forgeard, sei auch dieses neue Sorgenkind über den Berg.

Der Stellenaufbau ging weiter. Doch dürfte dieser künftig kaum noch in den Kernländern stattfinden. "Wir müssen industrielle Fußabdrücke schaffen", sagt Enders. Das heißt: Wo man neue Märkte erschließen will, wird auch Produktion aufgebaut. So hat EADS in den vergangenen Jahren in den USA nennenswerte Markterfolge erzielt. Auch ein Airbus-Werk in China steht weiter auf der Tagesordnung.

Für die Schlagzeilen der vergangenen Wochen über den Riss in einer Tragfläche des Airbus-Flaggschiffes A380 hat Forgeard nur Verachtung übrig. "Dumme Kommentare waren das", schimpft er. Solche Dinge seien völlig normal.

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