Trotz Terror: "Die Menschen wollen reisen"

- Berlin - Nach zwei Jahren tiefer Krise sollte es eine Internationale Tourismus-Börse der guten Nachrichten werden. Anfang vergangener Woche gab sich Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes, ausgesprochen zuversichtlich. Endlich sei der Knoten im kriselnden deutschen Reisemarkt geplatzt, die Zeichen in der angeschlagenen Branche stünden nach zwei Minus-Jahren wieder auf Wachstum.

<P>Seit den Anschlägen in Madrid aber schwebt über der weltweit wichtigsten Branchenmesse die Sorge, die Terrorangst könnte den zarten Aufschwung lähmen. Zwar sind Verbände und Veranstalter auf der ITB in Berlin noch immer optimistisch, dass es auch nach dem mutmaßlichen Bekenner-Video der El Kaida weiter aufwärts geht, aber eine unkalkulierbare Unsicherheit hat die Branche erneut erfasst.</P><P>Laepple lässt sich auch durch das El-Kaida-Video seinen Optimismus nicht nehmen. Die Anschläge weckten zwar alles andere als Reiselust, doch glaube er nicht, "dass die Leute jetzt aufs Reisen verzichten wollen, weil es irgendwo möglicherweise einen Anschlag geben könnte. Die Leute sind jetzt mehrere Sommer hintereinander zu Hause geblieben. Die wollen ja reisen."</P><P>Ähnlich sieht es auch der weltweite Branchenführer Tui, für den gerade Spanien das wichtigste Ziel ist - nicht nur, weil jedes Jahr Millionen Urlauber bei Tui und ihren Töchtern Spanien-Urlaub buchen, sondern auch, weil ein großer Teil der Tui-Hotels auf den Balearen oder den Kanaren steht. An der Wachstumsprognose müsse auch nach dem mutmaßlichen Eingeständnis des Terrornetzwerkes El Kaida nichts geändert werden, sagte ein Tui-Sprecher.</P><P>Tui-Chef Michael Frenzel hatte betont, das Unternehmen sehe keinen Grund, die Prognose von mehr als 5 Prozent Umsatzplus für 2004 zu korrigieren. Die Anschläge hätten aktuell in den wichtigen Märkten Großbritannien und Deutschland keine negativen Kundenreaktionen hervorgerufen. "Wir glauben nicht, dass die Anschläge wesentliche Auswirkungen auf unser Spanien-Geschäft haben werden." Die Bombenattentate seien nicht auf Touristen gerichtet gewesen, sondern hätten eine "andere Zielrichtung gehabt". Der Aufschwung in der Reisebranche habe begonnen. "Tatsache ist, wir wachsen wieder."</P><P>Auch dem Reiseland Spanien sagt Laepple keine düstere Sommersaison 2004 voraus. Insbesondere bei Mallorca gehe er davon aus, dass der positive Buchungstrend anhält. Die Kanaren und Balearen seien auch von früheren Terrorakten in Spanien nicht betroffen gewesen, "denn die Chance für einen Täter, von einer Insel entkommen zu können, sind natürlich deutlich geringer als auf dem Festland". Derzeit liege Mallorca bei den Buchungen um 12,5 Prozent im Plus, "und dieser Trend ist für den kommenden Sommer nicht mehr umkehrbar".</P><P>Auch Prof. Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen sieht keine neue Dimension. Die Auswirkungen auf den Tourismus werden "relativ gering" sein. "Das Risiko von Terroranschlägen verteilt sich weltweit gleich, also wird es vom Großteil nicht zur Grundlage der Reiseentscheidung gemacht." Und für die Reiseveranstalter werde es jetzt keinen zweiten Einbruch geben, den die Branche nach dem 11. September 2001 durchleiden musste.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Italien schafft 1- und 2-Cent-Münzen ab
In Zukunft werden die Preise für Waren und Dienstleistungen auf den nächsten 5-Cent-Betrag gerundet werden.
Italien schafft 1- und 2-Cent-Münzen ab
Telekom-Chef: „Kunden sollen nicht mehr ganzen Tag auf Techniker warten“
Wer hat noch nie stunden- und tagelang auf einen Telekom-Techniker gewartet? Der Konzern wird den Service jetzt deutlich verbessern - verspricht Boss Timotheus Höttges.
Telekom-Chef: „Kunden sollen nicht mehr ganzen Tag auf Techniker warten“
Neues Bezahlgefühl: Italien schafft diese Münzen ab
Im Italien-Urlaub müssen sich Deutsche künftig umstellen. Denn das Land wird sehr bald zwei Münzen aus dem Zahlungsverkehr nehmen.
Neues Bezahlgefühl: Italien schafft diese Münzen ab
Deutsche Autobauer fluten nicht amerikanischen Markt
Dem US-Präsidenten fahren in seiner Heimat zu viele deutsche Autos herum - während amerikanische Konzerne in der Bundesrepublik zu wenig vertreten seien. Eine …
Deutsche Autobauer fluten nicht amerikanischen Markt

Kommentare