Trotz Turbulenzen: 30 Prozent mehr Geld für die Siemens-Chefs

- München - Siemens stehen turbulente Tage bevor. Wenn der Konzern am Donnerstag nächster Woche seine Geschäftszahlen bekannt gibt, läuft ein Ultimatum ab, das sich Vorstandschef Klaus Kleinfeld vor zwei Jahren selbst gesetzt hat. Alle Bereiche müssen jetzt gute Ergebnisse zeigen - und werden es wohl auch.

Schon am Tag zuvor soll der Aufsichtsrat die Verlängerung von Kleinfelds Vertrag absegnen. Und die Sitzung des Kontrollgremiums strotzt vor brisanten Themen: Neben einem möglichen Verkauf des Automobilzulieferers VDO sollen Details zu den Bestechungsaffären und der Rolle von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer zur Sprache kommen. Außerdem steht eine Entscheidung darüber aus, ob der freigestellte Zentralvorstand Johannes Feldmayer, der zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saß, weiterhin sein Vorstandsgehalt beziehen soll. Bislang laufen die Zahlungen weiter. Seit 1. April genießen die Siemens-Vorstände sogar 30 Prozent höhere Bezüge.

Ende März war Feldmayer von der Staatsanwaltschaft Nürnberg für gut eine Woche in Untersuchungshaft genommen worden. Gegen ihn bestehe dringender Tatverdacht der Untreue, erklärten die Ermittler. Sie spüren Zahlungen von angeblich 34 Millionen Euro an den ehemaligen Chef der Betriebsräteorganisation AUB nach, denen möglicherweise keine entsprechende Gegenleistung gegenüberstand. Einen fragwürdigen Vertrag mit dem AUB-Chef aus dem Jahr 2001 soll Siemens-Vorstand Feldmayer unterschrieben haben.

Seit 28. März ist Feldmayer auf eigenen Wunsch wegen seiner "persönlichen Umstände", wie es hieß, freigestellt. Doch seine Managerbezüge - im vergangenen Jahr gut 2,6 Millionen Euro - wurden bislang nicht gestoppt. "In dieser Frage gibt es noch keine Entscheidung", erklärte ein Siemens-Sprecher auf Anfrage. Die Organe des Unternehmens würden sich zeitnah damit befassen. Grundsätzlich gelte die Unschuldsvermutung, solange die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft liefen, heißt es im Umfeld des Unternehmens.

Pikant: Genau in die Woche, in der Feldmayer in Untersuchungshaft saß, fällt die Erhöhung der Vorstandsgehälter bei Siemens um 30 Prozent. Diese war für das vergangene Jahr vorgesehen, wurde aber wegen der BenQ-Pleite auf den 1. April verschoben. Erneut ein unpassender Zeitpunkt, kritisieren Arbeitnehmervertreter. Inzwischen ist das Thema BenQ in den Hintergrund gerückt, doch Mitarbeiter in mehreren Konzernbereichen müssen Lohneinbußen oder Mehrarbeit hinnehmen und die diversen Bestechungsskandale belasten Siemens - insbesondere Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer.

Sowohl der Skandal um schwarze Kassen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro als auch die AUB-Affäre stammen aus seiner Amtszeit als Vorstandschef des Konzerns. Deshalb wollen einige Aufsichtsräte Pierer überreden, sein Amt zur Verfügung zu stellen, um ein Zeichen für einen Neuanfang zu setzen. Im Gegensatz zur Personalie Kleinfeld scheint der Fall von Pierer nicht so sicher. Bei der Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche sollen weitere Details über die AUB-Affäre dargelegt werden. Ebenso wie zu Angeboten für den Automobilzulieferer VDO.

Den will Siemens an die Börse bringen und so zwischen 25 und 49 Prozent der Anteile verkaufen, heißt es offiziell. Doch auch ein kompletter Verkauf ist denkbar. Siemens soll von Interessenten schon Angebote angefordert haben, berichtete die "Financial Times Deutschland". Weiterer Stoff für turbulente Tage bei Siemens.

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