Trotz voller Kassen kaum Rentenplus

Berlin - Von Milliarden-Überschüssen wie bei der Bundesagentur für Arbeit kann Herbert Rische nur träumen. Dennoch: Auch der Präsident der Deutschen Rentenversicherung bekommt den kräftigen Aufschwung zu spüren. Für 2007 erwartet die Rentenkasse einen Überschuss von 300 Millionen Euro. Rische bremste allerdings Erwartungen an eine kräftige Rentenerhöhung für 2008.

"Ich gehe davon aus, dass sie ähnlich ausfällt wie in diesem Jahr", sagte Rische. Genauer wollte sich der Präsident nicht festlegen. Um 0,54 Prozent war die Rente für die 20 Millionen Ruheständler zum 1. Juli gestiegen. Es ist die erste Anhebung seit drei Nullrunden. Im Zuge des Pflege-Kompromisses hatten Politiker eine Rentenerhöhung von bis zu einem Prozent im kommenden Jahr angedeutet. So trifft die Anhebung der Pflegeversicherung um 0,25 Prozentpunkte Rentner besonders hart. Im Gegensatz zu den Arbeitnehmern müssen sie den Beitrag allein bezahlen.

Eine klare Absage erteilte Finanzfachmann Ulrich Reineke auch Plänen für eine Beitragssenkung. Zwar ließ die kräftige Konjunktur die Beitragseinnahmen in den ersten sechs Monaten des Jahres um etwa 3,5 Prozent ansteigen. Für niedrigere Beiträge sehe er dennoch keinen Spielraum, betonte Reineke. Der Beitragssatz war zum 1. Januar 2007 von 19,5 auf 19,9 Prozent gestiegen. Die Anhebung bringt der Rentenkasse allein in diesem Jahr Mehreinnahmen von vier Milliarden Euro.

Rente mit 67, Nullrunden und höhere Beiträge - trotz unangenehmer Einschnitte sieht Rische noch Reformbedarf. So plädierte der Präsident der Rentenversicherung dafür, auch Selbstständige zum Einzahlen in die gesetzliche Alterssicherung zu verpflichten. "Es spricht viel für eine Erwerbstätigenversicherung, wie sie bereits in anderen europäischen Ländern existiert", so Rische.

Als Grund nannte er die drohende Altersarmut bei Selbstständigen, deren Zahl ständig wachse. Viele seien schlecht für das Alter abgesichert. "Die Rentenversicherung muss sich an die neuen Erwerbsformen anpassen", betonte Rische. Allerdings geht er nicht davon aus, dass sich derzeit für diese radikale Änderung eine politische Mehrheit findet.

Korrekturen forderte Rische auch beim Übergang in den Ruhestand. "Hier brauchen wir flexiblere Lösungen", so Rische. Gefragt sei nicht nur die Politik. "Auch die Unternehmen müssen mehr Phantasie zeigen."

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