Trübe Stimmung in der Wirtschaft

Kiel - Für Deutschland ist nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) eine leichte Rezession absehbar. Die deutsche Wirtschaft bekomme die Auswirkungen der krisenhaften Entwicklungen im Rest der Welt zu spüren, teilten die Konjunkturexperten am Donnerstag mit.

Das Institut revidierte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr leicht und für 2009 deutlich nach unten. Für 2008 erwarten die Forscher einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,9 Prozent (Juni: 2,1 Prozent). Für 2009 rechnen die Forscher nur noch mit einem Wachstum von 0,2 Prozent (Juni: 1,0 Prozent). Zugleich hat die Preissteigerung laut IfW ihren Höhepunkt überschritten und wird sich von 2,9 Prozent im laufenden Jahr auf 2,4 Prozent 2009 abschwächen.

Der Wirtschaftsabschwung in Deutschland dürfte nach Einschätzung des IfW weniger stark ausfallen als in manchen anderen großen Ländern, wo die wirtschaftlichen "Übersteigerungen" größer gewesen seien. Ein leichter Rückgang der Produktion sei in Deutschland trotzdem wahrscheinlich. Wichtige Indikatoren wie die Geschäftserwartungen der Unternehmen, die Nachfrage nach Industriegütern und das Konsumentenvertrauen wiesen deutlich nach unten, schrieb das IfW. Im Winterhalbjahr dürfte daher laut IfW das Bruttoinlandsprodukt sinken, damit wäre das formale Kriterium einer Rezession von zwei Quartalen mit schrumpfender Wirtschaft erfüllt. 2007 hatte das Wachstum noch bei 2,5 Prozent gelegen.

Für den Arbeitsmarkt erwarten die Kieler Forscher nur noch eine sehr geringe Verbesserung, da die Kapazitätsauslastung in den Betrieben abnehme. Zudem liefen wegen des höheren Lohnanstiegs die Impulse für Beschäftigung aus. Im Durchschnitt dieses Jahres erwarten die Experten aber, dass die Zahl der Arbeitslosen um rund 500 000 auf 3,14 Millionen sinkt.

Noch düsterer als in Deutschland sieht es nach Einschätzung des IfW für die gesamte Eurozone aus. "Der Konjunkturaufschwung im Euroraum ist beendet", heißt es im Herbstbericht des Instituts. Der Euroraum werde voraussichtlich eine Rezession erleben. Belastend wirkten sich die Situation an den Immobilien- und Finanzmärkten sowie die Wechselkurse und Rohstoffpreise aus. Das IfW reduzierte seine Prognose für die Eurozone für das Wirtschaftswachstum 2008 auf 1,4 Prozent (zuvor 1,8). Für 2009 erwarten die Forscher eine Stagnation, nachdem sie im Juni noch ein Wachstum von 1,4 Prozent prognostiziert hatten. Im Jahr 2007 war die Wirtschaft der Eurozone um 2,9 Prozent gewachsen. Die Inflation im Euroraum soll sich von 3,5 Prozent im laufenden auf 2,6 Prozent im kommenden Jahr abschwächen.

Auch die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich laut IfW deutlich verschlechtert: "Weltweit sind die Frühindikatoren auf Talfahrt." Diese Korrektur vollziehe sich nicht nur in den USA, sondern zunehmend auch in Europa. Für 2008 erwartet das IfW weltweit ein Wachstum von nur noch 3,7 Prozent (zuvor 3,9) und für 2009 von 3,3 (zuvor 3,7) Prozent. In den USA dürfte sich das Wachstum von 2,0 Prozent im vergangenen Jahr auf 1,9 Prozent im laufenden Jahr abschwächen. 2009 werde die US-Wirtschaft dann nur noch um 1,2 Prozent wachsen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Euro-Staaten vertagen Entscheidung über Griechenland-Kredite
Wer lässt wen zappeln? Das ist die Frage nach den jüngsten Verhandlungen über einen neuen Milliardenkredit für Griechenland. Eine Einigung steht weiter aus - und die Uhr …
Euro-Staaten vertagen Entscheidung über Griechenland-Kredite
Deutscher Wirtschaftsaufschwung gewinnt weiter an Tempo
Wiesbaden (dpa) - Angetrieben vom boomenden Export, Unternehmensinvestitionen und der Konsumfreude der Verbraucher hat die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn ihr …
Deutscher Wirtschaftsaufschwung gewinnt weiter an Tempo
Deutschland ist Topadresse für ausländische Investoren
Frankfurt/Main (dpa) - Deutschland zählt einer Studie zufolge zu den Top-Adressen für ausländische Investoren in Europa. Im vergangenen Jahr investierten Unternehmen aus …
Deutschland ist Topadresse für ausländische Investoren
Euro-Finanzminister ringen um Griechenland-Hilfen
Wichtige Hürden vor der Auszahlung frischer Kredite an Griechenland sind bereits genommen. Aber ein alter Streit holt die Unterhändler immer wieder ein.
Euro-Finanzminister ringen um Griechenland-Hilfen

Kommentare