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Autoindustrie

Trumps Eigentor gegen BMW

Verlieren die Deutschen Autobauer ihren zweitwichtigsten Exportmarkt USA? Vielleicht. Doch vor allem hat Donald Trump mit seinem Rundumschlag gegen die deutsche Autoindustrie ein Eigentor geschossen.

Hat BMW in den USA noch eine Zukunft? Die Frage stellten sich gestern viele unvoreingenommene Beobachter. Denn ein zweiseitiges „Bild“-Interview des künftigen US-Präsidenten Donald Trump wurde als gezielter Schlag gegen die deutsche Autoindustrie gewertet: BMW werde „für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen“. Eine spektakuläre Drohkulisse. Der Börsenkurs von BMW und VW sank zunächst deutlich.

Doch gerade damit zeigte sich der künftig mächtigste Mann der Welt komplett ahnungslos. Vielleicht hätte er vorher besser Nikki Haley aus seinem Team gefragt. Die ist zwar künftig UN-Botschafterin Trumps und nicht vom Fach. Aber ein bisschen was von Autoindustrie, speziell von BMW versteht sie schon.

Denn bisher ist sie Gouverneurin in South Carolina. Dort – genauer im Flecken Spartanburg – steht eine Fabrik, in der mehr BMWs gebaut werden als an irgendeinem anderen Ort der Welt: 411 171 Stück genau waren es 2016. Weit mehr als die rund 365 000 Autos, die BMW insgesamt in den USA verkauft hat. 287 700 der Autos aus Spartanburg wurden exportiert.

Das bedeutet: Für sieben BMW, die als Import etwa aus Deutschland in die USA kamen, wurden acht Autos aus den USA exportiert. So etwas nennt man Exportüberschuss. Und es gibt nicht viele US-Unternehmen, die dazu beitragen. „Das macht uns zu einem der führenden Exportunternehmen in den USA“, erklärte BMW gestern.

Das für die USA lohnende Geschäft wäre tot, würde Trump Ernst machen. Denn wenn BMW für jeden 3er der aus dem mexikanischen Werk in San Luis Potosi in die USA geliefert wird – 35 Prozent Steuern zahlen muss, wäre die umgehende Reaktion der Handelspartner Strafzölle in gleicher Höhe. Dann wären Exporte aus Spartanburg wirtschaftlicher Selbstmord.

Das Kuriose an Trumps Ausfall: Das Werk in Mexiko kostet in den USA keinen einzigen Job. Denn der 3er wird bisher in München und Südafrika und China gebaut, und künftig eben in München, China und Mexiko. Und über Zulieferketten profitieren auch die USA von dem Werk.

Anders sieht es bei Audi aus, weshalb man in Ingolstadt zum Thema lieber schweigt. Denn das Audi-Werk im mexikanischen San José Chiapa baut den Q5 für alle Märkte weltweit – und im Vertrauen auf die nordamerikanische Freihandelszone Nafta eben überwiegend für die USA.

Doch auch in solchen Fällen dürfte Trumps Rechnung nicht aufgehen, denn die gesamte Autoindustrie ist international vernetzt. Auch Zulieferketten würden durch Strafsteuern unterbrochen. Das könnte sogar die zahlreichen US-Werke der US-Konzerne treffen – die eben auch günstig in Mexiko einkaufen.

Warum eigentlich sind die Nachbarländer der USA für die Autoindustrie so attraktiv? Kanadas Autoprovinz Ontario liegt unmittelbar hinter der Grenze des US Rust-Belts und glänzt vor allem durch ein hohes Ausbildungsniveau von Fachschulabgängern.

Mexikos Vorteile sind nicht nur niedrige Löhne, sondern ebenfalls ein hohes Ausbildungsniveau – und vor allem der leichte Zugang zu den Märkten der Welt. Denn das Land hat bisher nicht nur einen Binnenmarkt mit den USA und Kanada, sondern durch Abkommen zu insgesamt 45 Ländern der Welt. Es verdankt seinen industriellen Aufschwung auch seiner Rolle als Drehscheibe des freien Handels nach Osten und Westen.

Trump warf Europa im Interview auch vor, dass man hier kaum oder keine Chevrolets auf der Straße sieht. Chevrolet ist eine Marke von General Motors. Die GM-Marken für Europa heißen aber Opel und Vauxhall und sind auf den Straßen durchaus sichtbar – auch wenn Trump sie offenbar nicht kennt. Wenn Trump mehr US-Autos auf deutschen Straßen fordere, höhnte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, „sollten die Amerikaner bessere Autos bauen“. Es gibt auch Autos mit dem Chevrolet-Zeichen. Doch die kommen zum Großteil aus Korea – ein Land, das bereits hat, womit der künftige Präsident die Vereinigten Staaten erst beglücken will: eine undurchlässige Grenzmauer.

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