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Rotorprüfung mit Propellern: Der TÜV Süd will bei der Untersuchung von Windrädern Drohnen einsetzen.

Neue Technologie

TÜV prüft Windräder mit Drohnen

München - Der TÜV Süd will zukünftig Drohnen um Windräder schwirren lassen. Sie sollen etwa Risse in den Rotorblättern  erkennen - und den Job von Industriekletterern übernehmen.

Der Apparat passt locker in den Kofferraum eines Autos, ist aber groß genug, um die Augen der TÜV-Vorstände zum Leuchten zu bringen. Mit einem Lächeln im Gesicht mustert Axel Stepken eine Flugdrohne. Der Chef des TÜV Süd freut sich über seinen neusten Plan: Künftig will er Drohnen um Windräder schwirren lassen.

Sie sollen den Job von Industriekletterern übernehmen. Bislang mussten sich sich Spezialisten waghalsig von Windkraftanlagen abseilen, um Risse in den Rotorblättern zu erkennen. Ein Pilotprojekt läuft.

Die Auswertung der Drohnenaufnahmen am Rechner ist deutlich bequemer – und vor allem billiger: Der Zeitaufwand bei einer Prüfung mit Drohnen werde auf ein Viertel reduziert, schwärmt Stepken. Außerdem wittert der TÜV ein lukratives Geschäft: Die 25 000 Windanlagen in Deutschland müssten alle zwei Jahre untersucht werden, so der Chef-Prüfer.

Die Drohne zeigt aber noch etwas ganz anderes: Sie zeigt, wie das Münchner Unternehmen wahrgenommen werden möchte. Der TÜV Süd will ein Unternehmen sein, das technische Anlagen effizient untersucht – und dabei besser und sorgfältiger prüft als die Konkurrenz.

Das Ausland wird für den TÜV Süd immer wichtiger

Natürlich passt es zum Zeitgeist und zum Selbstverständnis großer Unternehmen, die Mitarbeit an Öko-Projekten publikumswirksam zu präsentieren. Eine Prüfung von Rolltreppen, Aufzügen oder Reaktordruckbehältern in Atomkraftwerken wirkt inzwischen nicht mehr ganz so hipp. Ganz zu schweigen von der Haupt- und Abgasuntersuchung in den Kfz-Prüfstellen.

Aber unabhängig davon, ob die Technologie alt oder neu ist, das Versprechen ist immer dasselbe: Mehr Sicherheit und damit mehr Wert für den Kunden: Dem TÜV garantiert dieses Versprechen geschäftlichen Erfolg.

Vergangenes Jahr hat die Aktiengesellschaft sechs Prozent mehr Umsatz gemacht. Der Ertrag lag bei rund 2,1 Milliarden Euro. Unterm Strich blieben 104 Millionen Euro Gewinn, etwas mehr als im Vorjahr.

Am meisten Geld spülten Geschäfte mit der Industrie in die Kasse – 880 Millionen Euro Umsatz. Das ist deutlich mehr, als im Segment Mobilität, wozu auch die Haupt- und Abgasuntersuchungen zählen. Wobei der umkämpfte deutsche Markt eine immer geringere Rolle beim Geschäft mit den TÜV-Plaketten spielt. Der große Wachstumsmarkt lag zuletzt in der Türkei.

Das Ausland wird für den TÜV Süd ohnehin immer wichtiger. Seit dem Frühjahr arbeiten mehr Beschäftigte im Ausland als hierzulande. Jenseits der Grenze sieht Stepken auch weitere Zukunftsmärkte der Prüfgesellschaft: Man spüre schon jetzt, dass in Schwellenländern wie China eine neue Mittelschicht mehr und mehr TÜV-zertifizierte Produkte nachfrage, sagte er. Gut möglich, dass der TÜV auch Drohnen bald im Ausland starten lässt.  

S. Hölzle

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