Tui-Zerschlagung ist vom Tisch: Spanische Kette neuer Großaktionär

- Hannover - Tui-Chef Michael Frenzel kann sich zufrieden zurücklehnen. Die monatelange Zitterpartie, wohin das 31,1-Prozent-Aktienpaket der WestLB geht, ist vorbei. Der neue größte Einzelaktionär ist ein alter Bekannter - die spanische Hotelkette Riu.

<P>Die Lösung hat viele Vorteile für den Reiseriesen, der nach Jahren der Krise wieder Fahrt aufgenommen hat: eine Übernahme oder gar Zerschlagung scheint vom Tisch, das Geschäftsmodell bleibt wie es ist, zudem will der Konzern das ertragsstarke Hotelgeschäft stärken.<BR><BR>Monatelang hatte es heftige Spekulationen über die Zukunft der Tui gegeben. Eine feindliche Übernahme stand im Raum, Spekulanten wetteten auf sinkende Kurse, der Rausschmiss aus der Börsen-Bundesliga Dax drohte. In der Tui-Zentrale herrschte trotziger Kampfesmut: Er werde nicht zusehen, wie ein gesunder Konzern zerschlagen werde und die Einzelteile zu Spottpreisen verhökert werden, hatte Frenzel stets betont.<BR><BR>Entsprechend froh reagierte man in Hannover auf die Lösung. "Wir sind hochzufrieden", sagte Sprecher Uwe Kattwinkel. Tui sieht mit dem Riu-Einstieg auch seinen Kurs des integrierten Reisekonzerns ("Alles unter einem Dach") bestätigt.<BR><BR>In der Branche wurde der Einstieg der Spanier bei Tui positiv aufgenommen - neben Riu (10 Prozent) sitzen künftig auch die Hotelkette Grupo de Empresas Matutes und die Bank Caja de Ahorros del Mediteraneo (zusammen rund 7 Prozent) im Tui-Boot. Der Rest des West-LB-Pakets - 14 Prozent soll in Kürze an Investoren in Europa und den USA verkauft werden.<BR><BR>Die Riu-Gruppe, ein Familienunternehmen mit Sitz auf Mallorca und weltweit rund 110 Hotels, sei "kein ungeduldiger Finanzinvestor, sondern könnte als strategischer Partner zum operativen Konzerngeschäft beitragen", hieß es in einer Analyse der Landesbank Rheinland Pfalz. Die Aufteilung der West-LB-Anteile in zwei Tranchen bedeute zudem, dass eine feindliche Übernahme von Tui erschwert worden sei.<BR><BR>"Das ist die Lieblingslösung von Frenzel", sagte Karl Born, Tourismus-Wissenschaftler an der Hochschule Harz. "Es ändert sich im Prinzip nichts. Das ist gut gelaufen für Frenzel." Frenzel selbst sprach von einer "hervorragenden Lösung", die "Unsicherheit" aus den Märkten nehme. Der Konzern könne sich nun wieder voll auf das operative Geschäft konzentrieren. Welche Auswirkungen die Riu-Beteiligung auf das Tui-Geschäft habe, sei noch offen, hieß es. Die Spanier dürften aber künftig einen erheblichen Einfluss auf die Tui-Strategie haben. Einen grundlegenden Wandel jedoch dürfte es nicht geben. Schließlich ist Riu bereits seit Jahren der wichtigste Partner von Tui in Spanien.<BR>Zudem ist Tui zu 50 Prozent an der Riu Hotel-Holding beteiligt. Allerdings habe Riu die 10-Prozent-Beteiligung an Tui über eine Familiengesellschaft gekauft, an der Tui nicht beteiligt sei, betonte Konzernsprecher Kattwinkel - von einem "indirekten Aktienrückkauf" könne keine Rede sein.</P>

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