Tummelplatz der Medizin-Tüftler

München - Je älter ein Mensch wird, desto stärker ist er auf medizinische Betreuung angewiesen. In einer alternden Gesellschaft ist die Medizintechnik ein Industriezweig mit Zukunft. Einer ihrer wichtigsten Standorte in Europa ist Bayern. Soeben hat der japanische Olympus-Konzern sein globales Forschungszentrum in München eröffnet.

Wenn die Sonne tief steht, strahlt die silbergraue Fassade des Klinikums Großhadern so hell, dass man sie von der Zugspitze aus als Leuchtpunkt am Horizont erkennen kann. 350 Mitarbeiter des Olympus-Konzerns können das gigantische Krankenhaus im Münchner Südwesten demnächst auch bei dichtestem Nebel sehen. Olympus hat für 15 Millionen Euro ein neues Zentrum für seine Forschung und Entwicklung in der Medizintechnik in Großhadern errichtet, praktisch im Vorgarten der Uniklinik.

"Ausschlaggebend für die Wahl Münchens waren die hohe Dichte hervorragend ausgebildeter Menschen sowie Kontakte zu Universitäten und Forschungseinrichtungen", lobt das Unternehmen. Und meint damit zum Beispiel das Klinikum Großhadern, mit dem Olympus zusammenarbeitet. So formulierte Konzern-Präsident Tsuyoshi Kikukawa gestern bei der Eröffnung der Einrichtung ehrgeizige Ziele. Das Geschäft mit Medizintechnik sei in den letzten Jahren stark gewachsen und von strategischer Bedeutung. "Mit unserem neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum in München schaffen wir die Voraussetzung für anhaltendes Wachstum in diesem Geschäftsfeld", sagte Kikukawa.

Die Olympus-Beschäftigten arbeiten unter anderem an Diagnostik- und Labor-Geräten sowie Lösungen für die Mikroskopie. Die Belegschaft soll von anfänglich 350 auf 450 im Jahr 2009 wachsen. Damit liegt das Unternehmen im Trend.

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) - eines der größten Unternehmen der Welt - hat im Münchner Norden mit einem Kundenzentrum eine zentrale Anlaufstelle für seine Gesundheitssparte in Deutschland geschaffen. Im nahe gelegenen GE-Forschungszentrum in Garching (Kreis München) - eine von vier derartigen Einrichtungen des Konzerns auf der Welt - liegt ein Schwerpunkt der Arbeit auf der Medizintechnik. Die Mitarbeiterzahl von derzeit rund hundert soll langfristig verdoppelt werden.

"Für München spricht unter anderem, dass wir in Bayern präsent sind, einem der innovativsten Bundesländer im Gesundheitswesen", erklärte Rudolf Beyenburg, Vorstandsmitglied der GE-Gesundheitssparte gegenüber dieser Zeitung. "Viele Unternehmen in der Biotechnologie sind hier ansässig und ein Großteil unserer Kunden." Das schätzt man auch beim Rivalen Siemens.

Dessen Medizintechnikgeschäft hat seine Wurzeln seit 130 Jahren im fränkischen Erlangen. In umliegenden Universitäten, Kliniken und Arztpraxen gebe es "enormes Know-how", lobt ein Sprecher der Siemens-Sparte. Das gelte auch für München, wo man unter anderem mit dem Klinikum Großhadern zusammenarbeite. Das Geschäftsfeld mit weltweit 40 000 Mitarbeitern - etwa ein Viertel davon in Deutschland - zählt zu den lukrativsten Sparten des Konzerns und gilt als tragende Säule für die Unternehmensentwicklung.

"Bayern ist ein führendes Medizintechnik-Zentrum in Europa", erklärt Norbert Ammann von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Bei Entwicklungen in der Branche gebe Deutschland zusammen mit den USA und Japan weltweit den Ton an. Bayern spiele dabei eine wichtige Rolle: 22 000 hochqualifizierte Arbeitskräfte sind in der Branche tätig, die jährlich etwa acht Prozent wächst. Dazu tragen neben internationalen Konzernen viele Mittelständler bei. 230 Medizintechnik-Unternehmen sind in Oberbayern tätig, etwa 180 im Raum Nürnberg/Erlangen.

"Es gibt hier eine traditionell starke wissenschaftliche Basis, wodurch viele qualifizierte Arbeitnehmer verfügbar sind", begründet Ammann die Stellung der Region. Zudem sitzen hier wichtige Kunden der Branche: 53 Heilbäder und Kurorte gibt es in Bayern. Es findet sich eine Vielzahl von Kliniken, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen. Sie wenden die Geräte an, die die Industrie entwickelt. Ihre Erfahrungen bilden Denkanstöße für die Medizintechniker.

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