Tumulte in Tunesien: Urlauber können stornieren

München - Politische Unruhen in Tunesien, Überschwemmungen in Australien - zurzeit trifft es beliebte Urlaubsziele hart. Die Reiseveranstalter reagieren - jedoch sehr unterschiedlich. Wir erklären, was Urlauber jetzt wissen müssen:

Verschärfte Situation in Tunesien

Die Situation in Tunesien spitzt sich zu, die politischen Unruhen erreichen nun auch die beliebten Touristenorte am Mittelmeer. Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte und verschärfte seinen Sicherheitshinweis für das nordafrikanische Land: „Aufgrund der unsicheren Lage wird derzeit von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Tunesien abgeraten“, hieß es am Freitag. Das ist allerdings noch keine offizielle Reisewarnung, wie sie etwa für Haiti oder Afghanistan gilt und die „eine akute Gefahr für Leib und Leben bedeutet“, wie eine Behördensprecherin erklärt. Diese höchste Warnstufe werde nur selten ausgegeben.

Deutschlands Reiseveranstalter bewerteten die Lage in Tunesien daher am Freitag unterschiedlich:

-Thomas Cook (Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Air Marin) bietet Gästen mit Abflug bis einschließlich 24. Januar 2011 die kostenlose Umbuchung ihrer Tunesien-Reise an. Zudem sind alle Abreisen nach Tunesien bis einschließlich 17. Januar abgesagt - betroffene Kunden bekommen eine Alternative angeboten, heißt es. Mit Sondermaschinen wolle man darüber hinaus die insgesamt 2000 deutschen Touristen aus Tunesien nach Hause holen. Die Sicherheit gehe vor, sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser am Freitag.

-Auch Rewe-Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg) stoppte am Freitagabend alle Flüge nach Tunesien bis einschließlich Montag, 17. Januar. Zudem bietet der Konzern allen Gästen, die bis einschließlich 24. Januar nach Tunesien reisen, die Möglichkeit zur kostenfreien Umbuchung oder kostenlosen Stornierung der Reise an. Dasselbe gilt für Urlauber, die über FTI oder Tui gebucht haben.

Diese drei Touristikkonzerne sahen bis zum späten Freitagabend noch keinen Anlass dazu, Urlauber aus Tunesien zurück zu holen. Sollte aber ein Urlauber Angst haben und frühzeitig zurück wollen, werde man diesen Wunsch kundenfreundlich erfüllen, sagte ein FTI-Sprecher.

Für Rechtsanwalt Kay Rodegra ist die Lage klar: „Die Situation in Tunesien mit einer nächtlichen Ausgangssperre, den verschärften offiziellen Hinweisen und die Berichterstattung über die Unruhen - das alles kann man einem Pauschalurlauber nicht zumuten. Das macht Angst.“ Eine erhebliche Gefährdung könne man nicht ausschließen, urteilt der Würzburger Reiserecht-Experte. Das gelte als höhere Gewalt und damit könnten Urlauber ihren Reisevertrag gebühren- und kostenfrei kündigen.

Allerdings nur, wenn sie bei der Buchung noch nichts über die Unruhen gewusst haben. Wer zum Beispiel Ende der Woche Lastminute Tunesien gebucht hat und jetzt am Wochenende beschließt, diese Reise nicht anzutreten, muss mit Stornokosten rechnen, sagt Rodegra. Schließlich waren zum Zeitpunkt der Buchung die Medien voll von Berichten.

Tunesien-Urlauber, deren Reiseveranstalter nun ein anderes Ziel vorschlagen, müssen dieses Angebot nicht annehmen, sagt der Rechtsanwalt. „Eine Umbuchung ist ein Vorschlag, den muss niemand akzeptieren“, erklärt der Anwalt. „Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden zu fordern ist allerdings nicht möglich“, betont er.

Sicherheitshinweise auch für Australien

Schwere Regenfälle und Überschwemmungen machen Australien-Urlaubern im Nordosten des Landes seit Tagen zu schaffen. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die vom Hochwasser betroffenen Gebiete dringend ab und Reiseveranstalter reagieren mit Umbuchungen. Die Gegend um Brisbane werde bei den Routen ausgespart, erklärt eine Sprecherin von Rewe-Bausteintouristik (u. a. Dertour, Meier’s Weltreisen). Reisen nach Queensland bis einschließlich Abreisetag 24. Januar können bei Rewe kostenlos storniert oder umgebucht werden. Beim Konzern FTI gilt das für ganz Australien und bis einschließlich 31. Januar.

Wer Warnungen in den Wind schlägt

Das Auswärtige Amt kann niemand davon abhalten, in ein gefährliches Land oder unsichere Landesteile zu reisen. Doch wer meint, Reisewarnungen oder Sicherheitshinweise gelten nur für die anderen, begibt sich in eine gefährliche Grauzone - auch versicherungsrechtlich gesehen. Fährt etwa ein Urlauber in Australien mit seinem Mietwagen trotz Warnhinweisen in die überschwemmten Gebiete, handelt er grob fahrlässig, sollte der Wagen im Wasser feststecken, erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Nur wenn das Wasser zum Auto kommt, gibt es versicherungstechnisch keine Probleme. Andersherum kann der Versicherer die Leistung „drastisch kürzen“ - besonders bei behördlichen Warnungen, sagt Rudnik.

Auch der Gesundheitsschutz ist in Gefahr, schließt sich beispielsweise ein deutscher Tourist den Protestlern in Tunesien an und wird während der Demonstrationen verletzt. Gerät eine Urlauber aber durch Zufall in die Tumulte, gilt der volle Versicherungsschutz, sagt Rudnik. Generell ausgenommen sind dabei allerdings immer Kriegsgebiete.

Auch das Auswärtige Amt kann niemandem die Hilfe versagen, selbst wenn derjenige sich Warnhinweisen widersetzt hat. „Wir kümmern uns um jeden deutschen Staatsbürger“, sagt eine Sprecherin. Grundsätzlich ist es so, dass sich die Behörde und der Hilfesuchende die Kosten für Hilfsmaßnahmen teilen. Die konkrete Aufteilung ist Ermessenssache des Amtes.

Stefanie Backs

Aktuelle Informationen

gibt das Auswärtige Amt unter www.auswaertiges-amt.de

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