Turbulente Märkte, starke Konjunktur

Frankfurt - Die schlechten Nachrichten wegen der weltweiten Finanzkrise reißen nicht ab, Euro und Ölpreis haben neue Rekordwerte erreicht. Doch die deutsche Konjunktur zeigt sich robust.

Die seit acht Monaten andauernde Finanzmarktkrise ist nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch lange nicht ausgestanden. "Die Finanzmarktturbulenzen könnten länger andauern als erwartet", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gestern. Die Zentralbanken seien bereit, den Banken mit weiteren Finanzspritzen unter die Arme zu greifen. Die EZB und andere Notenbanken hatten den Banken in den vergangenen Monaten wiederholt Milliardenbeträge bereitgestellt, um ein Austrocknen des Geldmarktes zu verhindern. "Indem wir Preisstabilität wahren, liefern wir einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren der Finanzmärkte", sagte Trichet.

Die US-Investmentbank Lehman Brothers hat wegen der Krise an den Finanzmärkten drei Investmentfonds geschlossen. Wegen der Marktverwerfungen sei es zu derart starken Wertverlusten in den Fonds gekommen, dass sie schließlich liquidiert worden seien, begründete die Bank diesen Schritt in ihrem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC. Die Meldung drückte an den Börsen auf die Stimmung und ließ den Dollar kräftig fallen. Der Euro erreichte ein neues Rekordhoch von 1,5912 Dollar. "Das verstärkt wieder mal die Sorgen um die Belastungen durch die Finanzkrise und löst Verkäufe aus", sagte ein Händler zu den Fondsschließungen.

Die internationale Finanzkrise ist nach Ansicht des amerikanischen Börsengurus George Soros noch längst nicht ausgestanden. "Ich denke, die Situation ist ernster, als die Behörden zugeben oder erkennen", sagte er. Die Situation werde sich weiter verschlimmern, bevor es zu einer Besserung komme.

Trotz der anhaltenden Krise und des Euro-Höhenflugs ist in der europäischen Währungsunion keine Zinssenkung in Sicht. Wegen der historisch hohen Inflation hält die EZB niedrigere Zinsen noch nicht für vertretbar und stemmt sich gegen entsprechende Forderungen von Gewerkschaften und Politikern. Die EZB ließ den Leitzins bei 4,0 Prozent. Seit Juni 2007 verharrt der Zins auf diesem Niveau. "Es gab im Rat keine Diskussion über Zinssenkungen", betonte Trichet.

Der Präsident machte klar, dass die EZB für die Euro-Zone im Gegensatz zu den USA noch keine wirtschaftliche Abkühlung sieht. "Die Wirtschaft im Euro-Raum wächst moderat, aber sie wächst weiter", sagte Trichet. Es gebe keine Hinweise auf eine Kreditklemme bei Verbrauchern und Unternehmen. Die deutsche Volkswirtschaft zeigt sich nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in robuster Verfassung. Das Konjunkturbarometer signalisiert für das laufende Quartal ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von gut 0,4 Prozent, teilte das Institut mit.

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