TV-Riesen lauern auf ProSieben

- München - Die weltweiten Mediengiganten bekommen eine zweite Chance zum groß angelegten Einstieg in den deutschen Fernsehmarkt. Mit dem Spielfilm-Sender ProSieben steht einer der größten und profitabelsten Fernsehkanäle zum Verkauf. "Das anzuschauen ist jetzt für alle Pflicht", sagt Stefan Weiss, Medien-Experte der WestLB in London. Offenbar haben sich auch schon eine Reihe von ausländischen Investoren bei den Banken gemeldet, seit der Springer-Verlag verkündet hat, sich im Rahmen der ProSiebenSat.1-Übernahme von ProSieben zu trennen. Sollte die Springer-Übernahme trotzdem scheitern, ist sogar der gesamte ProSiebenSat.1-Konzern zu haben.

ProSieben kam 2005 in der Werbezielgruppe der 14- bis 49-Jährigen mit Spielfilmen wie "Spiderman", Serien wie "Desperate Housewives" und "TV Total" mit Stefan Raab auf einen Marktanteil von knapp zwölf Prozent. Der Sender machte einen Vorsteuergewinn in dreistelliger Millionenhöhe. "Solche Kauf-Gelegenheiten gibt es nur noch selten in Europa", sagt ein Branchenexperte. Als potenzielle Interessenten werden die üblichen Verdächtigen genannt, allen voran der US-Konzern General Electric (NBC), der Disney-Konzern, Viacom und der französische Sender TF1. "Vorstellbar ist auch ein Verkauf an Finanzinvestoren wie zum Beispiel Permira", heißt es. Permira ist bereits am Bezahlsender Premiere und am TV-Konzern SBS beteiligt.

In Deutschland gibt es - anders als in anderen Ländern - für das Engagement ausländischer Investoren keine Einschränkungen. Daher schielen die großen Spieler schon länger auf den deutschen Fernsehmarkt. Als ProSiebenSat.1 vor drei Jahren schon einmal zu haben war, wagte in einem schwierigen Medienumfeld aber nur US-Milliardär Haim Saban die Übernahme. Für ihn wird sich der Mut trotz der Probleme im Geschäft mit Springer auszahlen. "Starke Abstriche am Kaufpreis wird Saban nicht akzeptieren", sagt ein Branchenkenner.

Bisher sind viele ausländische Medienkonzerne eher halbherzig auf dem deutschen Markt engagiert. General Electric betreibt in Deutschland über die Tochter NBC Universal schon seit längerem die Pay-TV-Kanäle 13th Street und Sci Fi. Im vergangenen Jahr ging der nach Börsenwert größte Konzern der Welt in die Offensive und startete den frei empfangbaren Sender Das Vierte. Ziel der Amerikaner ist kurzfristig ein Prozent Marktanteil. Durch eine ProSieben-Übernahme könnten sich Interessenten wie General Electric mit einem Schlag in eine ganz andere Dimension katapultieren. Ein heißer Kandidat ist laut Branchenkreisen der französische Sender TF1. Die Franzosen wollten im Sommer 2003 schon einmal zehn Prozent an ProSiebenSat.1 übernehmen. Saban sitzt im Aufsichtsrat von TF1, was die Verhandlungen erleichtern dürfte.

Die Finanzierung dürfte für strategische Investoren wie für Finanzinvestoren kein Thema sein. Allerdings gehen die Schätzungen für den Preis weit auseinander. Analysten schätzten den ProSieben-Wert zunächst auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro. Springer geht laut Brancheneinschätzung von bis zu 2,4 Milliarden Euro aus. "Der faire Preis liegt wohl dazwischen", sagt WestLB-Experte Weiss.

Eine Übernahme von ProSieben oder der gesamten Gruppe durch ausländische Investoren würde bei den Beschäftigten Verunsicherung auslösen. "Die hätten sicher härtere Renditeanforderungen als ein Springer-Verlag", hieß es in Arbeitnehmerkreisen.

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