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Twitter ist weiterhin nicht profitabel.

Wachstum eingebrochen

Twitter verdient weiterhin kein Geld

San Francisco - Vor einem halben Jahr war Twitter der Börsenstar. Doch die Aktie ist im Sinkflug. Anleger sind beunruhigt, weil der Kurznachrichtendienst weniger neue Nutzer anzieht als erhofft. Zudem verliert Twitter anhaltend Geld.

Die Twitter-Aktie ist nach einem enttäuschenden Nutzerwachstum auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang vor einem halben Jahr gefallen. Der Kurs brach am Dienstag nachbörslich um mehr als 11 Prozent ein, auf unter 38 Dollar. Twitter kam zuletzt auf 255 Millionen Nutzer im Monat. „Es gibt nur wenige Unternehmen, die diese Reichweite haben“, sagte Firmenchef Dick Costolo in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Doch verglichen mit anderen Netzwerken zieht Twitter weniger neue Nutzer an.

Das Internetunternehmen war im November erfolgreich an die Börse gegangen. Der damalige Ausgabekurs lag bei 26 Dollar und kletterte sofort nach dem Handelsstart. Die Aktie hatte am zweiten Weihnachtstag mit gut 73 Dollar ihren Höchststand erreicht. Seitdem ging es wieder abwärts wegen Sorgen um die Nutzerentwicklung.

Twitter konnte von Januar bis März 14 Millionen Nutzer hinzugewinnen. Das war zwar mehr als von Oktober bis Dezember, als 9 Millionen Menschen neu zu dem Dienst stießen. Doch verglichen mit Rivalen wie Facebook ist es wenig. Facebook hatte in den vergangenen drei Monaten rund 50 Millionen Leute neu angelockt und kam zuletzt auf 1,28 Milliarden Nutzer im Monat. Die Nachrichten-App WhatsApp übersprang jüngst die Schwelle von einer halben Milliarde Nutzer. Facebook ist gerade dabei, WhatsApp zu kaufen.

Bei Twitter kann man bis zu 140 Zeichen lange Nachrichten absetzen, die auch Links zu Websites, Bildern oder Videos enthalten können. Das Unternehmen positioniert sich damit als Medium für Nachrichten. Um attraktiver für Neulinge zu werden, führt Twitter derzeit nach und nach ein neues Design für seine Website ein.

Twitter-Chef Costolo versicherte, dass die frisch hinzugekommenen Nutzer genauso aktiv seien wie diejenigen, die schon länger dabei sind. Die Zahl der Nutzer und die Häufigkeit der Nutzung sind wichtig für Twitter. Von der Reichweite hängt es ab, wie attraktiv der Dienst für Werbekunden ist. Und Anzeigen sind die größte Einnahmequelle. 80 Prozent der Werbeeinnahmen stammen von Anzeigen auf Smartphones.

Zuletzt hatte Twitter seine Anstrengungen im Werbegeschäft erhöht. Der Quartalsumsatz lag bei 250 Millionen Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet das Management nun mit bis zu 1,25 Milliarden Dollar. Die bisherige Prognose lag bei maximal 1,2 Milliarden Dollar.

Trotz dieser Verbesserung scheinen die Börsianer etwas den Glauben an Twitter verloren zu haben - zumal der Kurznachrichtendienst weiterhin keinen Gewinn macht. Im Gegenteil: Der Quartalsverlust lag bei unterm Strich 132 Millionen Dollar nach 27 Millionen Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die Verschlechterung ist eine Folge des Börsengangs. Einige Twitter-Mitarbeiter bekommen Aktien als Teil ihrer Vergütung. Dafür muss das Unternehmen hohe Kosten verbuchen. Das hatte Twitter bereits das Ergebnis des Jahres 2013 verhagelt. Ohne Sondereffekte wäre jetzt ein kleiner Gewinn herausgekommen, rechnete Twitter vor.

dpa

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