+
Travis Kalanick.

Zu viele Skandale

Uber-Chef tritt von seinem Posten zurück

Trotz Vorwürfen einer miesen Unternehmenskultur mit Sexismus und Diskriminierung hielt Uber-Chef Travis Kalanick an seinem Job fest. Jetzt platzte Investoren wohl der Kragen.

Uber-Chef Travis Kalanick hat nach einer Serie von Skandalen die Spitzenposition bei dem Fahrdienst-Vermittler aufgegeben. Der Mitgründer werde aber weiterhin Mitglied im Verwaltungsrat bleiben, teilte das Aufsichtsgremium am Mittwoch mit. Der Rücktritt gebe Uber Freiraum, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zuvor hatte die New York Times berichtet, fünf führende Anteilseigner von Uber hätten einen sofortigen Rückzug Kalanicks gefordert.

Kalanick hatte vergangene Woche eine unbefristete Auszeit genommen, nachdem im Zuge einer Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung bei Uber massive Veränderungen beschlossen wurden, die seine Vollmachten beschneiden sollten. Er trauert derzeit um seine bei einem Bootsunfall ums Leben gekommene Mutter.

Uber und Kalanick waren in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck geraten. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von Sexismus und sexueller Belästigung berichtete, die trotz Beschwerden folgenlos geblieben seien. In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen und Dutzende weitere in Schulungen geschickt worden. Jetzt sollen neue Strukturen und Kontrollmechanismen geschaffen werden, um solche Fälle zu verhindern.

Unter anderem sollen nach Empfehlungen einer Untersuchungskommission unter Führung des ehemaligen US-Justizministers Eric Holder Beschwerden von Mitarbeitern über das Arbeitsklima besser dokumentiert und mehr Frauen in der Auswahl für Führungspositionen berücksichtigt werden. Zudem wird der Konsum von Alkohol bei Firmenpartys eingeschränkt. Die 13 Seiten langen Empfehlungen offenbarten auch das Ausmaß der Mängel in Ubers Unternehmensführung.

„Ich liebe Uber mehr als alles andere auf der Welt und in diesem schwierigen Moment in meinem persönlichen Leben habe ich die Forderung der Investoren akzeptiert, beiseite zu treten, damit Uber wieder zum Aufbauen zurückkehren kann, statt durch einen weiteren Kampf abgelenkt zu werden“, zitierte die New York Times Kalanick. Der Verwaltungsrat bezeichnete den Rückzug als Zeichen für Kalanicks Hingabe für Uber.

Die Rücktrittsforderung an Kalanick kam der New York Times zufolge von den Investmentfirmen Benchmark, First Round Capital, Lowercase Capital, Menlo Ventures und Fidelity Investments. Uber nahm Milliarden bei Investoren ein und war bei diesen Geldspritzen laut Medienberichten mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet worden - ein Rekord für ein Start-up.

Der langjährige Firmenchef, der die umstrittene Unternehmenskultur und die aggressive internationale Expansion geprägt hat, hatte bislang betont, dass er die Führungsrolle behalten und als besserer Manager und Mensch aus der Auszeit zurückkehren wolle.

Im Zuge von Holders Untersuchung kam auch heraus, dass Uber nicht nur Regeln brach, sondern sich dann auch Behörden-Kontrolleure vom Hals hielt, indem in ihre App falsche Daten eingespielt wurden. US-Staatsanwälte ermitteln deswegen. Zudem es tauchten unschöne Details auf wie ein Besuch von Top-Managern in einer südkoreanischen „Karaoke-Bar“, in der man auch Frauen mit Nummern auf dem Kleid zu sich an den Tisch einladen konnte. Der Abend kam heraus, weil Kalanicks enger Vertrauter Emil Michael dessen damals anwesende Ex-Freundin anrief und dazu ermunterte, den Teil mit den nummerierten Frauen auszulassen und zu sagen, es sei nur ein netter Karaoke-Abend gewesen.

Schon in den vergangenen Jahren gab es viele Alarmsignale, die auf einen mangelnden Respekt für Datenschutz und Moral bei Uber hindeuteten. So begrüßte der New Yorker Uber-Manager Josh Mohrer 2014 eine Journalistin, die zum Interview kam, fröhlich mit den Worten, dass er ihren Weg über das interne System verfolgt habe. Die Erkenntnis, dass Uber-Mitarbeiter ganz offensichtlich nach Belieben die Fortbewegung einzelner Nutzer beobachten konnten, sorgte kurzfristig für Aufregung. Uber verschärfte die Datenschutzregeln, gelobte Besserung, der Manager behielt seinen Job, bis er jüngst zu einer Investmentfirma weiterzog.

Wenig später verstrickte sich Emil Michael in einer vermeintlich privaten Unterhaltung in Gedankenspiele darüber, wie man heimlich das Privatleben einer kritischen Journalistin ausforschen könnte. In den Medien gab es einen Aufschrei, Kalanick ging auf Distanz, Michael entschuldigte sich. Auch er behielt seinen Job - bis er Anfang dieser Woche dem Vernehmen nach unter Druck des Verwaltungsrats ging. Der nächste Fehltritt folgte: Uber wertete seine Datenbasis aus, um die Nutzung des Fahrdienstes nach One-Night-Stands in verschiedenen US-Städten zu beziffern.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Von dem Verzehr wird dringend abgeraten“: Riesiger Rückruf bei Aldi, Penny und Kaufland
Verbraucherschützer warnen: Salmonellen-Alarm bei Aldi, Penny und Kaufland und Co.! Welche Märkte betroffen sind - und welche Produkte.
„Von dem Verzehr wird dringend abgeraten“: Riesiger Rückruf bei Aldi, Penny und Kaufland
Zölle auf US-Produkte in Kraft
US-Präsident Donald Trump ließ sich durch alle diplomatischen Bemühungen der EU nicht beirren. Jetzt kommt im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten der europäische …
Zölle auf US-Produkte in Kraft
Griechenland-Rettung vor dem Abschluss
Noch eine letzte Nachtsitzung, dann war das Paket geschnürt: Der Euro-Rettungsschirm für Griechenland wird eingeklappt - verbunden mit großen Hoffnungen für das …
Griechenland-Rettung vor dem Abschluss
Teures Deutschland? Hohe Preisunterschiede in Europa
Das Leben in Deutschland ist teurer als im EU-Schnitt. Doch bei Reisen zeigt sich rasch: In vielen anderen Ländern ist das Preisniveau noch höher.
Teures Deutschland? Hohe Preisunterschiede in Europa

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.