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Beflügelt von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat der Dax erstmals in seiner fast 26-jährigen Geschichte die Marke von 10 000 Punkten geknackt.

Börse

Dax über 10.000: Und es ist Luft nach oben

München - Beflügelt von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat der Dax erstmals in seiner fast 26-jährigen Geschichte die Marke von 10 000 Punkten geknackt.

Rekorde hat es in den letzten Tagen und Wochen immer wieder gegeben. Schritt für Schritt hat sich der Deutsche Aktienindex Dax nach oben geschraubt. 9600, 9700, 9800, 9900. Fast täglich schauen die Händler in diesen Tagen im Frankfurter Börsensaal gebannt auf die Anzeigetafel, deutlich mehr Fernsehteams als auf dem sonst leeren Parkett – schließlich läuft der allergrößte Teil des Börsenhandels über Computer in den Büros von Banken und Brokern – haben die Kameras auf die große Dax-Tafel gerichtet. Am Donnerstag kurz nach der von der Europäischen Zentralbank (EZB) verkündeten neuerlichen Lockerung der Geldpolitik war es endlich so weit: Der Dax springt über die Marke von 10 000 auf 10 013 Punkte. Erstmals in seiner knapp 26-jährigen Geschichte hat der wichtigste und meistbeobachtete Indikator für die Entwicklung auf dem deutschen Aktienmarkt einen fünfstelligen Wert erreicht. Grund genug für die Händler, mit einem Glas Schampus anzustoßen – bevor es wieder zum Alltags-Geschäft übergeht. Zum Alltags-Geschäft gehörte, dass der Dax zum Handelsschluss wieder auf 9947,83 Punkte absackte.

Tatsächlich ist die Entwicklung der Aktienkurse seit dem Tief nach der Lehman-Pleite und dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im September 2008 mehr als bemerkenswert. Bis auf 3589 Zähler sackte der Dax am 9. März 2009 ab. Seitdem geht es fast nur noch nach oben, unterbrochen allerdings von einem deutlichen Rückschlag von rund 7200 Zählern Mitte 2011 auf rund 5500 im September 2011 wegen der Krise in Euroland. Unter dem Strich aber hat der Index seit März 2009 um rund 6500 Punkte zugelegt, ein erstaunliches Plus von fast 180 Prozent. Ähnlich steil nach oben gegangen war es zwischen 1997 und März 2000 im Zuge des Internet-Hypes, bevor der Dax innerhalb von nur drei Jahren auch wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 bis März 2003 von mehr als 8100 auf nur noch knapp 2200 Zähler abstürzte.

Droht diesmal ein ähnlicher Absturz? Börsianer, Volkswirte und Analysten winken ab. Im Jahr 2000 gab es einen regelrechten Börsen-Hype vor allem um das Internet und um Technologie-Firmen. Sinnbild war der Neue Markt, das Börsensegment für Technologie-Unternehmen. Tatsächlich hatten viele Firmen kein funktionierendes Geschäftsmodell, oft war der Verlust größer als der Umsatz. Es waren Luftschlösser, die schnell in sich zusammenbrachen. Vor allem Kleinanleger, die zu Massen, gedrängt auch von Banken auf den Börsenzug und aufgesprungen waren ohne zu verstehen, in welche Firmen sie ihr Geld steckten, verloren zum Teil ihren gesamten Einsatz. Außerdem sorgten die Terroranschläge in New York und Washington für eine Zäsur und eine massive Verunsicherung.

Heute ist das anders: Vor allem die Konjunktur in Deutschland läuft, im Gegensatz zu vielen anderen Euroländern. Deutsche Firmen, vor allem auch die im Dax gelisteten 30 Konzerne, gelten als solide aufgestellt, sind gut finanziert, fahren auch wegen ihrer starken Stellung auf dem Weltmarkt ordentliche Gewinne ein. Zudem sind Alternativen zu soliden Aktien angesichts der historisch niedrigen Zinsen rar.

Freilich: Privatanleger haben von der Rekordfahrt des Dax nur zum Teil profitiert. Nach der fast schon traumatischen Erfahrung Anfang des Jahrtausends haben sie der Börse, die viele nur als kaum zu durchschauende Spielwiese für Zocker und Spekulanten wahrgenommen hatten, den Rücken gekehrt. Deutschland ist im Vergleich zu anderen Industriestaaten in Sachen Aktien ein Entwicklungsland: Ende 2013 besaßen nur 8,9 Millionen Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds und damit nur 13,8 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre. Vor allem jüngere Leute unter 40 Jahre investieren immer weniger in solide Aktien. 2001 waren es noch fast 30 Prozent, im vergangenen Jahr weniger als 15 Prozent. „Diese Entwicklung ist dramatisch“, warnt Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts. „Sie bedeutet, dass die junge Generation möglicherweise in großem Stil falsch spart und damit auf eine Sicherung des Lebensstandards im Alter verzichtet. Das können und dürften wir als Gesellschaft nicht hinnehmen“.

Die Chancen an der Börse gelten trotz der jetzt seit fünf Jahren anhaltenden Bergfahrt und der jetzt erreichten, vermeintlich magischen Schwelle von 10 000 Punkten weiter durchaus gut. Experten halten selbst auf kürzere Sicht 10 500 oder 11 000 Punkte für möglich, zumal die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben werden. Vor Ende 2015 rechnet kaum ein Volkswirt mit wieder steigenden Zinsen.

Dazu kommt: Der immer wieder zitierte Dax läuft der Entwicklung voraus, er überzeichnet das Börsenbild. Grund: Es ist – im Gegensatz zu anderen wichtigen Indizes wie dem Dow Jones, dem Eurostoxx, dem französischen CAC oder britischen FTSE - ein sogenannter Performance-Index. Damit fließen in die Berechnung auch die jeweiligen Dividenden der 30 Konzerne ein. Und die waren in den letzten Jahren üppig. Das sorgt für einen Zinses-Zins-Effekt, so dass der Dax theoretisch sogar steigen kann wenn die Kurse fallen. Die Rede ist denn auch mitunter vom „Botox-“ oder vom „getunten“ Dax. Aussagekräftiger ist der Dax als reiner Kursindex, der die Dividenden ausklammert. Und der ist mit aktuell rund 5130 Zählern noch mehr als 20 Prozent von seinem Rekord-Hoch entfernt. Das datiert mit 6266 Zählern vom 7. März 2000. Genau betrachtet bietet die Börse also noch Potenzial.

von Rolf obertreis

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