Über 5000 Lehrstellen zu besetzen

München - Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt in Bayern hat sich deutlich entspannt. Die Agentur für Arbeit verzeichnete im September 2007 fast doppelt so viele unbesetzte Ausbildungsplätze wie Stellensuchende. Für die Zukunft erwarten Wirtschaftsvertreter einen Lehrlingsmangel.

Vor einem Jahr sah die Lage für Bayerns Schulabgänger noch trostlos aus. Im September 2006 waren bei der Arbeitsagentur 5259 Ausbildungswillige gemeldet. Es gab aber nur 3496 offene Lehrstellen. Dieses Bild hat sich grundlegend gewandelt. Heuer kamen im September 3005 Bewerber auf 5712 freie Ausbildungsplätze. "Das ist ein außerordentlich gutes Ergebnis", sagte Rainer Bomba, Chef der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, am Donnerstag in München. Die gute Konjunktur und die Bemühungen von Arbeitsagentur, Freistaat und Wirtschaft haben aus der Sicht Bombas für das "Jobwunder" gesorgt.

In Oberbayern ist die Lage für Lehrstellensuchende besonders günstig. Hier konnte im September ein Bewerber unter drei freien Ausbildungsplätzen auswählen. Bundesweit ist die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle nach einer Bilanz von Bundesregierung und Wirtschaftsverbänden um 20 385 auf 29 102 Stellensuchende gesunken.

Dass trotz der besseren Lage bis zuletzt nicht alle Bewerber vermittelt werden konnten, liegt für den bayerischen Staatssekretär Jürgen Heike auch daran, dass sich Jugendliche zu sehr auf die klassischen Berufsbilder konzentrierten. Um eine Lehre in den zehn beliebtesten Berufen bemühten sich ihm zufolge gut die Hälfte aller Bewerber. Diese Orientierung müsse man aufbrechen. "Wir haben 350 Ausbildungsberufe", betonte er. Christof Prechtl vom Verband der bayerischen Wirtschaft (VBW) appellierte an die Jugendlichen, sich nicht nur auf den Wunschberuf zu konzentrieren. Heike empfahl, sich umfassend über die bestehenden Berufsbilder zu informieren.

Die Lücke zwischen Lehrstellen- und Bewerberzahl ist kleiner geworden. Von Oktober 2006 bis September 2007 wurden mit 80 937 Ausbildungsplätzen fast elf Prozent mehr gemeldet als in den zwölf Monaten davor. Man habe die Vorgaben des Ausbildungspakts übererfüllt, sagte Gerhard Ketzler, Geschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Auf die Lehrstellen bewarben sich mit 108 129 junge Leute fast genauso viele wie im Jahr zuvor.

Die Lehrstellen-Lücke dürfte sich in den kommenden Jahren schließen. Die Zahl der Schulabgänger ist leicht rückläufig. Zugleich steigt der Bedarf an Fachkräften. Christof Prechtl schätzt, dass in wenigen Jahren Jugendliche den Ausbildungsmarkt bestimmen könnten. Schon heute gebe es Betriebe, die massive Schwierigkeiten hätten, Lehrlinge zu finden, sagte Josef Amann, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für München. "Die Firmen müssen in Zukunft stärker aktiv werden, um ihre Lehrstellen besetzen zu können", warnte VBW-Vertreter Prechtl. Zugleich übte er Kritik an den Hauptschulen. "Wir müssen mehr Qualität aus den Schülern herausholen." Ein Weg in diese Richtung ist für ihn die ganztägige Hauptschule, bei der im Lehrplan Betriebspraktika vorgesehen sind. Der VBW setzt außerdem auf neue Berufsbilder, die auch für weniger Qualifizierte geeignet sind.

Auch für diese Gruppe könnten die Chancen steigen - und sie stehen schon heute nicht so schlecht. Darauf wies Josef Amann hin. "70 Prozent aller Teilnehmer eines von der Arbeitsagentur geförderten Betriebspraktikums bekommen eine Lehrstelle angeboten."

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