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Erstaunlich hohe Prozente auf Banksparpläne sind trotz niedriger Zinsen möglich. Die Stiftung Warentest hat 41 Angebote untersucht.

Stiftung Warentest

Über drei Prozent Zinsen für Sparer sind möglich

München  - Selbst bei den aktuellen Niedrigzinsen gibt es attraktive Sparangebote. Wer bei einem Banksparplan auf sein Kündigungsrecht verzichtet und eine feste Laufzeit vereinbart, auf den warten Renditen von über drei Prozent.

Die Stiftung Warentest hat für die Zeitschrift Finanztest 41 Angebote untersucht. Die besten Banksparpläne bringen zwischen 2,5 und mehr als drei Prozent Rendite. Herausragend sind die Angebote von Denizbank und VTB Direktbank, beide aus Österreich. Bei der Denizbank gibt es für einen Zehnjahresplan konkurrenzlos hohe 3,125 Prozent, die VTB Direktbank ist mit ihren 2,5 Prozent für fünf Jahre unerreicht.

Beide Institute sind Tochtergesellschaften russischer Banken. Die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen der Europäischen Union gegen die russischen Mutterbanken gelten jedoch nicht für ihre Töchter in der EU. Da Sparanlagen bei der Denizbank und der VTB Direktbank der vertrauenswürdigen österreichischen Einlagensicherung unterliegen, hat Finanztest keine Sicherheitsbedenken. Anleger finden im Test aber auch andere attraktive Angebote.

Feste oder variable Zinsen

Eigentlich ist ein Banksparplan ein simples Finanzprodukt. Der Sparer zahlt regelmäßig meist einen konstanten Betrag auf einem Konto ein und kassiert dafür Zinsen in einer vorher vereinbarten Höhe. Doch der Teufel steckt im Detail. Anleger sind gut beraten, sich vor Abschluss mit den Zins-, Bonus- und Ausstiegsbedingungen zu befassen, schreibt Finanztest. Anleger sollten sich vor allem fragen, wie lange der Sparplan laufen soll und ob sie ein Angebot mit festen oder mit variablen Zinsen wünschen.

Wenn die Zinshöhe für die gesamte Laufzeit feststeht, können Sparer genau berechnen, welche Summe sie am Ende haben werden. Damit ist aber auch klar, dass sie Zinserhöhungen in den kommenden Jahren nur als Zuschauer erleben würden. Davon profitieren könnten sie nicht. Gerade bei Laufzeiten von deutlich über zehn Jahren kann das heikel werden.

Commerzbank wenig dynamisch

Aber Vorsicht: Auch variabel verzinste Sparpläne lassen Sparer nicht in jedem Fall an Zinserhöhungen teilhaben. Das Paradebeispiel ist der „Dynamische Sparplan“ der Commerzbank. Er bietet einen Mindestzins von 0,5 Prozent, durch Bonuszahlungen ist in fünf Jahren eine Rendite von 1,35 Prozent pro Jahr zu erwarten, nach sechs Jahren von 1,46 Prozent.

Mehr sollten sich Sparer selbst dann nicht erhoffen, wenn die Zinsen nach oben schnellen. Der Basiszins, den die Commerzbank aktuell gewährt, ist viel höher, als er laut Vertrag sein müsste. Die Bank muss Zinssteigerungen vorerst nicht weitergeben. Im Vertrag koppelt sie ihren Zins an die Höhe des Drei-Monats-Euribor, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Von diesem Zins darf sie drei Prozentpunkte abziehen. Aktuell ergäbe das einen Minuszins von 2,7 Prozent.

Abbruch kann teuer werden

Auch mit der Frage nach einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Sparplan sollten sich Sparer vor und nicht nach Abschluss eines Vertrags befassen. Eine falsche Entscheidung kann sie teuer zu stehen kommen. Klar geht fast jeder davon aus, dass er regelmäßig einzahlt und bis zum Ende dabeibleibt. Andernfalls würde er sich ja gar nicht für diese Sparlösung entscheiden. Doch neue Lebensentwürfe, Schicksalsschläge oder plötzliche finanzielle Engpässe lassen sich nicht planen. Dann geht es womöglich nicht anders, als den Sparplan aufzulösen oder zumindest nicht weiter einzuzahlen.

Wer sich diese Freiheit erhalten will, sollte einen Sparplan mit Kündigungsrecht wählen. Bei Verträgen mit fest vereinbarter Laufzeit sind Sparer meist auf den guten Willen der Bank angewiesen, wenn sie vorzeitig kündigen wollen – und sie müssen in der Regel hohe Einbußen hinnehmen. Die Zeitschrift Finanztest empfiehlt diese Sparpläne deshalb nur denjenigen, die keine Zweifel daran haben, dass sie bis zum Ende durchhalten.

Schlussbonus als Steuerproblem

Sparer ärgern sich, wenn sie die Zinsen auch noch mit dem Finanzamt teilen müssen. Von den jährlichen Erträgen gehen 25 Prozent Abgeltungsteuer ab, außerdem Solidaritätszuschlag und – je nach Zugehörigkeit zu einer Kirche – die Kirchensteuer. Da die Zinserträge in der Regel aber überschaubar sind, hilft vielen Sparern der Freibetrag von 801 Euro pro Jahr. Ein Problem kann es geben, wenn die Zinseinnahmen zum Ende der Laufzeit stark steigen und im Extremfall ein einmaliger Schlussbonus ausgezahlt wird.

Das ist zum Beispiel bei der DKB, der Triodos Bank und der Ethikbank der Fall. Nach einer Sparzeit von zum Beispiel 18 Jahren dürfte der Schlussbonus den Freibetrag in vielen Fällen sprengen. Bei einer Monatsrate von 100 Euro würden bei der DKB zusätzlich zu den Basiszinsen knapp 3000 Euro gutgeschrieben werden, bei der Triodos Bank wären es rund 2700 Euro. Wer das vermeiden will, sollte auf ein Angebot ohne Schlussbonus ausweichen.

Renditen nach fünf und zehn Jahren Laufzeit im Vergleich

Bei Sparplänen mit Kündigungsrecht und einem fest vereinbarten Zins stehen die Erträge von Beginn an fest. Im Vergleich von überregionalen Banken und Direktbanken erzielt der „FlexSparplan“ der VTB Direktbank die höchste Rendite (2,5 Prozent sowohl nach fünf als auch nach zehn Jahren). Es folgen das „PlusSparen“ der Santander Bank (1,1 und 2,0 Prozent), der „Sparplan“ der DKB (1,03 und 1,33 Prozent) und der „Direkt-Sparplan“ der Vokswagen Bank (0,87 und 1,56 Prozent). Bei Produkten mit einer festen Laufzeit sind die Renditen höher.

Die höchsten Zinsen bietet die Denizbank mit ihrem „Sparplan fixe Verzinsung“ (2,25 Prozent nach fünf und 3,125 Prozent nach zehn Jahren). Es folgen der „Sparplan“ der Edekabank (0,9 und 2,0 Prozent), das „Zielsparen“ der Hamburger Sparkasse (0,6 und 1,75 Prozent), das „Topzinssparen“ der Deutschen Bank (0,3 und 1,2 Prozent).

Große Unterschiede gibt es auch bei Sparplänen mit variablen Zinsen und vereinbartem Kündigungsrecht: Die Rendite hängt hier von der Zinsentwicklung am Markt ab. Aktuell liegt die Renditeerwartung beim „Anlagekonzept Zukunft“ der Nassauischen Sparkasse bei 2,04 Prozent nach fünf Jahren und 2,14 Prozent nach 10 Jahren. Es folgen der „Vermögensplan Online“ der Frankfurter Sparkasse (1,74 und 2,07 Prozent), der „Sparplan“ der Triodos Bank (1,67 und 1,46 Prozent), der „Bonusplan“ der Bank für Kirche und Diakonie (1,56 und 1,81 Prozent), der „Dynamische Sparplan“der Commerzbank (jeweils 1,35 Prozent) und das „Prämiensparen“ der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg (1,18 und 1,41 Prozent).

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