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Ein schlauer Vogel mit zweifelhaften Ruf: Die Elster. Was die Finanzbehörden dazu bewogen hat, zunächst die Abkürzung für die „Elektronische Steuererklärung“ und dann das Internetportal für Steuerzahler nach dem Rabenvogel, der bekanntlich als diebisch gilt, zu benennen, ist nicht bekannt.

Software ist schlau, aber nicht fehlerfrei

Was Sie über die Steuererklärung mit Elster wissen sollten

München - Auf elektronischem Wege soll es dank der „vorausgefüllten Steuererklärung" schneller und einfacher gehen - Dank Elster, dem Internet-Portal der Finanzbehörden.

Die Zeitschrift „Finanztest“ hat die schnelle Steuererklärung unter die Lupe genommen Wichtigster Tipp der Stiftung Warentest: Angaben zu Fahrt- oder Weiterbildungskosten sollte jeder Nutzer zusätzlich eintragen. Wer die vorausgefüllte Erklärung einfach so abschickt, verschenkt Geld!

Zeit für Registrierung einplanen

Zunächst muss sich ein Steuerzahler auf der Internetseite Elsteronline.de registrieren. Bis er freigeschaltet ist und seine Daten für die „vorausgefüllte Steuererklärung“ abrufen kann, vergehen mehrere Tage oder sogar Wochen. Denn die Finanzbehörde verschickt die benötigten Sicherheitscodes per Post. Wer bereits das Programm Elster nutzt, braucht nur noch einen zusätzlichen Abrufcode für seine Steuerbelege.

Wenn Sie nie Ihre Steuer erklärt haben, haben Sie oft keine Steuernummer. Für Elsteronline brauchen Sie diese. Sie erhalten sie vom Finanzamt. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Identifikationsnummer (Steuer-ID), die jeder automatisch erhält und die ein Leben lang gilt. Die Registrierung muss jeder nur einmal machen.

Richtigen Browser wählen

Zwar muss bei Elsteronline im Unterschied zu Elsterformular der Nutzer keine Software mehr auf den Rechner herunterladen, dennoch macht es einen Unterschied, ob er seine Steuern am Mac oder PC erklärt. Entscheidend ist der eingesetzte Internetbrowser. Mit dem in Deutschland sehr beliebten Firefox funktioniert Elsteronline nur unter Windows. Mac-Nutzer müssen laut Finanzbehörde den Google-Browser Chrome installieren. Nur dieser funktioniert ohne Zusatzprogramme wie Java mit Elster reibungslos.

Mit Elster Basis Steuern erklären

Für einen Elster-Unerfahrenen ist es mühsam, sich auf Elsteronline.de zurechtzufinden. Klickt er auf „Zur Registrierung“, hat er die Wahl unter drei möglichen Anmeldungsvarianten: Elster Basis, Elster Spezial und Elster Plus. Finanztest empfiehlt die kostenlose Variante Elster Basis. Das Prinzip: Der Nutzer lädt sich ein Sicherheitszertifikat als Datei auf den Computer, mit dem er sich künftig anmelden kann. Für die meisten Nutzer ist diese Variante völlig ausreichend.

Die Alternativen mit USB-Stick oder mit Sicherheitskarte plus Kartenlesegerät versprechen mehr Sicherheit, schlagen aber mit 45 bis 150 Euro zu Buche. Wer sein Sicherheitszertifikat an einem nur ihm zugänglichen Ort auf dem eigenen Computer oder einer externen Festplatte speichert, hat vorgesorgt.

Wenn Sie sich erfolgreich registriert haben, sind Sie nicht auf Elsteronline beschränkt: Sie können das Sicherheitszertifikat und den Abrufcode für Steuerbelege auch mit den meisten Steuerprogrammen verwenden, um damit Ihre Steuer online zu erklären.

Das Finanzamt weiß nicht alles

Nutzer, die auf die vorausgefüllte Steuererklärung setzen und hoffen, gar keine Arbeit mehr zu haben, werden enttäuscht: Das Finanzamt kennt zunächst nur einige Basisdaten jedes Steuerzahlers. Also: Name, Adresse, Religion und die Bankverbindung – zumindest für diejenigen, die schon einmal ihre Steuer erklärt und dabei ihre Kontodaten angegeben haben. Daneben übermitteln der Arbeitgeber die gezahlte Lohnsteuer und die Krankenkasse die geleisteten Beiträge ans Finanzamt. Auch die Vorsorgeaufwendungen für Riester- oder Rürup-Verträge sollte das Finanzamt kennen.

Bis die Informationen zu Lohnsteuer und Krankenversicherungsbeiträgen bereitstehen, dauert es laut Elsteronline bis ungefähr Mitte März. Denn bis Ende Februar haben Krankenkasse und Arbeitgeber Zeit, diese Zahlen weiterzuleiten.

Was fehlt, sind viele Angaben, mit denen jeder zusätzlich Steuern sparen kann. Dazu gehören etwa Fahrt- und Reisekosten, Ausgaben für Kinderbetreuung oder Handwerkerkosten. Niemand sollte die vorausgefüllte Steuererklärung also einfach so abgeben.

Übertragene Daten immer prüfen

Auch die Finanzbehörde macht Fehler. Die Betroffenen müssen sich selbst darum kümmern, den Fehler zu korrigieren – für falsche Angaben ist das Finanzamt nicht verantwortlich. Ein Grund mehr, eine Steuererklärung zu machen und vorausgefüllte Daten unbedingt zu prüfen.

Kein Risiko bei freiwilliger Abgabe

Manche sind zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet: Wenn sie sich etwa einen Freibetrag eintragen lassen oder wenn beide Ehepartner arbeiten und einer die Steuerklasse V oder VI hat. Viele können die Steuererklärung aber auch freiwillig machen. Es lohnt sich vor allem für diejenigen, die im Jahr hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen hatten.

Wenn ein Steuerzahler seine Erklärung freiwillig abgegeben hat, hat er in der Regel nichts zu verlieren. Denn kommt heraus, dass er eigentlich Steuern nachzahlen müsste, kann er innerhalb eines Monats Einspruch gegen den Bescheid einlegen und seine Steuererklärung zurückziehen. Erklärt er zusätzlich die „Aussetzung der Vollziehung“, darf das Finanzamt ihm nichts abziehen.

Das gilt nicht, wenn Ihnen oder Ihrem Arbeitgeber Fehler unterlaufen sind und Sie entweder zu hohe Kinderfreibeträge beantragt haben oder der Arbeitgeber zu wenig Lohnsteuer wegen einer falschen Steuerklasse abgezogen hat.

Abgabefrist beachten

Für alle, die verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben, ist der letzte Abgabetermin der 31. Mai. Mit guten Gründen lässt sich die Frist in der Regel bis Ende Juli verlängern, zum Beispiel wegen längerer Krankheit. Wer freiwillig eine Steuererklärung abgibt, muss die Abgabefrist aber unbedingt einhalten. Kommt die Erklärung nur einen Tag zu spät, wars das. Dafür sind die Fristen hier bedeutend länger: Insgesamt vier Jahre haben Freiwillige Zeit. Noch bis zum 31. Dezember 2016 können sie ihre Erklärung für 2012 abgeben.

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