Den Überblick im Plastik-Dschungel behalten

- Sie sind handlich, praktisch und gerade im Ausland sinnvoll. Doch wer noch keine besitzt, muss sich allein in Deutschland aus einem Wust von nahezu 5000 Angeboten entscheiden: Kreditkarte ist nicht gleich Kreditkarte, sagt Uwe Döhler von der Stiftung Warentest. Daher sollte man sich vor der Beantragung überlegen, was nützlich ist und was überflüssig.

<P>"Grundsätzlich gibt es vier Karten-Marken, die sich den deutschen Markt teilen", erklärt der Experte. "Marktführer in Deutschland ist Master Card vor Visa. Mit deutlichem Abstand folgen American Express und Diners Club."</P><P>Standardkarte wählen</P><P>Viele Kreditkarten gebe es in verschiedenen Ausführungen vom Standard- bis zum Gold- oder Premium-Modell, "das einen ganzen Strauß zusätzlicher Leistungen bietet, dafür beim Jahrespreis aber auch erheblich teurer ist". Die Zusatzleistungen reichen von Versicherungen bis hin zu den verschiedensten Rabatten. Sie unterscheiden sich von Karte zu Karte. Grund: "Die Banken erwerben nur die Lizenz für die Kartenausgabe. Die Ausstattung steht ihnen frei, sodass in Deutschland jedes Kreditinstitut seine eigenen Karten herausgibt."</P><P>Neben den Kreditkarten der Banken gibt es die so genannten Co-Branding-Karten von Unternehmen, die ebenfalls im Besitz einer Lizenz sind. "Die sind meist eine Kombination aus Kredit- und Kundenkarte." Ein weiteres Angebot im unüberschaubaren Plastik-Dschungel sind die affinity-Karten. "Da geht es weniger um das billigste Angebot, als um die Identifikation mit einem Verein oder Verband." So gebe es beispielsweise Karten der Aidshilfe, bei denen ein bestimmter Prozentsatz vom Umsatz als Spende dient.<BR>Bei dieser Flut von Angeboten sei es schwierig, das Richtige für sich zu finden, sagt Döhler. Sein Rat: Man sollte sich keine teuren Zusatzleistungen andrehen lassen. "Fürs normale Bezahlen reicht eine Standard-Karte völlig." Und hierfür sollte man mit einer Jahresgebühr von etwa 30 Euro rechnen. "Es gibt aber auch kostenlose und andere, für die man bis zu 70 Euro berappt." </P><P>Akzeptanz wichtig</P><P>"Für den Kunden zählt letztlich, dass die Karte akzeptiert wird", betont Döhler. Zwar zählen die Marktführer Mastercard und Visa jeweils über 400 000 Akzeptanzstellen in Deutschland und rund 29 Millionen weltweit: Da es aber regionale Unterschiede gebe, sei man gut beraten, sich bei Reisezielen außerhalb der EU und Nordamerikas über Banken, Internet oder beim Reiseveranstalter zu erkundigen, wie die gewünschte Karte im jeweiligen Land angenommen wird.</P><P>Teure Auslandsgebühr</P><P>Ein weiteres Kriterium, sich das passende Stück Plastik auszuwählen, ist die Auslandseinsatzgebühr, die mit jedem Kartenumsatz anfällt. "Innerhalb der Euro-Länder dürfen keine Umsatzgebühren berechnet werden", verrät der Kartenexperte. "Wer aber häufig beispielsweise nach Nord-Amerika fährt, sollte darauf achten, dass die Provision nicht mehr als ein Prozent des Umsatzes beträgt."</P><P>Barverfügung meiden</P><P>Auch bei Barverfügungen seien die Unterschiede riesig: "Üblich sind zwei bis drei Prozent, häufig mindestens fünf Euro", sagt der Experte. Im ungünstigsten Fall könnten jedoch bis zu 6 % fällig werden. "Ich würde überhaupt nur im Notfall zu einer Barverfügung raten."</P><P>Abbuchung beachten</P><P>So verschieden die Karten, so verschieden auch die Abbuchungsformen: "Der Klassiker ist eine Charge-Card, bei der man es nicht mit einem richtigen, verzinsten Kredit zu tun hat, sondern mit einer Art Zahlungsaufschub", erklärt Döhler. Dabei werden einmal im Monat alle Kartennutzungen in einer Abrechnung zusammengefasst und dann vom Konto abgebucht.</P><P>Bei der so genannten Debit-Karte hingegen wird wie bei einer gewöhnlichen EC-Karte jeder Betrag einzeln direkt übers Girokonto gebucht. "Und dann gibt es noch die richtigen Kreditkarten mit einem so genannten revolving - einem permanent wiederauflebenden - credit." Hier bekommt man eine zusätzliche Kreditlinie auf einem eigenen Kreditkarten-Konto und muss pro Monat nur einen kleinen Teil zurückzahlen. Doch Achtung: "Häufig sind die Kreditzinsen höher, als wenn man einen Raten- oder einen Dispokredit aufnimmt", warnt der Experte.</P><P>Ob Standard oder Gold, debit-, charge-card oder eine Mischung mehrerer Formen: Döhler kann künftigen Kartennutzern nur einen Rat geben: "Egal, woher man die Karte bezieht: Man sollte sich schon vorher überlegen, was man braucht, und die Zusatzklauseln bis ins Detail lesen."</P><P> </P>

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