Übergewicht belastet Wirtschaft

München - Vor einem Kollaps der Gesundheitssysteme durch den zunehmenden Anteil Fettleibiger weltweit warnen Mediziner und Versicherungsexperten. Hans Hauner, Professor an der Uniklinik der TU München, sprach am Mittwoch von einer alarmierenden Zunahme von Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in den Gesundheitssystemen ihre Spuren hinterlasse: "Die Behandlung von Adipositas (Fettleibigkeit) findet de facto nicht statt", so der Mediziner.

Bis zu zehn Prozent der in den Industriestaaten anfallenden Krankheitskosten seien dadurch verursacht.

Alarmierend sei laut Hauner vor allem die Tatsache, dass Krankheiten aufgrund mangelnder Bewegung und Fehlernährung immer früher beginnen. Der Studie "LBS-Kinderbarometer" zufolge treibt jedes vierte Kind in Deutschland zu wenig Sport, ernährt sich schlecht und fühlt sich häufig krank, jedes sechste Kind und jede fünfte Frau sind übergewichtig. Weltweit drohe gar eine Adipositas-Epidemie, Diabetes habe bereits "Tendenzen eines Flächenbrandes" erreicht, sagte Hauner. Nicht nur die Politik, sondern auch die Krankenkassen seien aufgerufen, mehr für die Gesundheitserhaltung ihrer Kunden zu leisten. Anstatt präventiv durch Aufklärungs- und Sportkampagnen an Schulen oder Betrieben einzugreifen, greife das deutsche Gesundheitssystem erst dann ein, wenn Folgeerkrankungen medikamentös oder chirurgisch behandelt werden müssten. "Lange ist das nicht mehr bezahlbar", bestätigt Achim Regenauer, Mediziner der Münchener Rück.

Die Versicherungsgruppe will jetzt mit einem zwölfmonatigen interaktiven Abspeck-Programm, das fettleibige Patienten ansprechen soll, als gutes Beispiel vorangehen. Die Erfolgsquote stimmt bislang optimistisch: Laut Arzt Stefan Kottmair haben bereits 28 Prozent aller Teilnehmer ihr Gewicht dauerhaft reduziert. 

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