VW auf der Überholspur

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Wolfsburg (dpa) - Der Autobauer Volkswagen hat seinen Erfolgskurs im dritten Quartal fortgesetzt. Das flaue Geschäft in Westeuropa und auf dem US-Markt konnte der Konzern in anderen Regionen mehr als wettmachen und die Erwartungen der Analysten bei Gewinn und Rendite übertreffen.

Problematisch blieb neben dem schwachen Absatz auf dem deutschen Heimatmarkt die Situation in den USA und bei der spanischen Tochter Seat, die wieder einen Quartalsverlust verbuchte.

Für das Gesamtjahr zeigte sich der Konzern zuversichtlich. ?Wir sind auf gutem Wege, unsere Ziele zu erreichen?, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Das vierte Quartal dürfte den bisherigen Trend fortsetzen. Er sei daher zuversichtlich, im Gesamtjahr wie geplant einen Vorsteuergewinn von 5,1 Milliarden Euro zu erreichen. 4,7 Milliarden Euro wurden bereits in den ersten neun Monaten eingefahren. Der operative Gewinn soll gegenüber dem Vorjahresergebnis vor Sondereinflüssen sogar ?deutlich? zulegen, der Umsatz über dem des Vorjahres liegen und der Absatz um mindestens 5 Prozent erstmals auf mehr als 6 Millionen Fahrzeuge steigen. Das angestrebte Kostensenkungsziel von einer Milliarde Euro in diesem Jahr sei in den ersten neun Monaten bereits erreicht worden.

Die VW-Aktie reagierte zunächst nur verhalten auf die Zahlen, zog am Nachmittag dann aber kräftig an und legte bis Handelsschluss um 4,18 Prozent auf 181,80 Euro zu. Gegen Mittag hatte das Papier noch nahezu unverändert auf Vortagesniveau gelegen. Händler verwiesen dabei auch auf die wieder stark anziehenden Umsätze bei Volkswagen-Vorzügen, die 5,99 Prozent auf 117,81 Euro gewannen und für viel Gesprächsstoff und Spekulation am Markt sorgten. Die Zahlen selbst seien dagegen wenig beeindruckend ausgefallen. Die seien zwar etwas besser als erwartet, aber der große Wurf sei nicht dabei, sagte ein Händler.

Während sich das Umsatzwachstum im dritten Quartal gegenüber dem ersten Halbjahr wie erwartet verlangsamte und auch hinter dem Absatzplus zurückblieb, legte der Gewinn deutlich zu. Bei 9,1 Prozent Absatzplus stieg der Umsatz um 3,8 Prozent auf 26,106 Milliarden Euro. Der operative Quartalsgewinn sprang von 284 Millionen auf 1,459 Milliarden Euro und lag damit auch mehr als 50 Prozent über dem um Sondereffekte bereinigten Vorjahreswert von 952 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn erhöhte sich von 186 Millionen auf 1,719 Milliarden Euro und der Überschuss von 23 auf 947 Millionen Euro. Vor allem der Vorsteuergewinn lag deutlich über den Erwartungen. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten hier nur mit 1,252 Milliarden Euro gerechnet.

?Wir sind besser, leistungsfähiger und profitabler geworden?, sagte Finanzvorstand Pötsch. ?Alle Marken haben zu diesem Erfolg beigetragen.? In den ersten neun Monaten konnte die Marke VW ihren operativen Gewinn nach den im vergangenen Jahr eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen mehr als verdoppeln, die Tochter Audi legte um mehr als 50 Prozent zu. Auch Skoda, Bentley und VW Nutzfahrzeuge bauten ihre Gewinne deutlich aus.

Die spanische Tochter Seat reduzierte ihren Verlust bei annähernd unverändertem Absatz und Umsatz von 121 auf 12 Millionen Euro. Im dritten Quartal verbuchte sie aber wieder einen Verlust, nachdem im Vorquartal ein kleiner Gewinn ausgewiesen worden war. Pötsch zeigte sich zuversichtlich, dass Seat bereits in diesem Jahr nach zwei Jahren in den roten Zahlen in die Gewinnzone zurückkehren könne. Dies hatte Seat-Chef Erich Schmitt im September auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt in Aussicht gestellt. Einen Verkauf der Tochter schloss Pötsch aus.

Belastend wirkte weiter das schwache Abschneiden des Konzerns in Nordamerika. Während der Absatz der Marken VW und Audi hier in den ersten neun Monaten leicht zulegte, ging der Umsatz um gut 5 Prozent zurück. VW begründete dies mit der anhaltenden Schwäche des US-Dollar und einem gesunkenen Durchschnittserlös pro verkauftem Fahrzeug. Im Gesamtjahr sei im US-Geschäft weiter mit einem Verlust zu rechnen, sagte Pötsch. Gegenüber dem Vorjahr werde sich die Ertragslage aber verbessern. Deutlich zulegen konnte der Konzern in den ersten neuen Monaten dagegen in Südamerika und Asien.

In Deutschland rechnet VW im kommenden Jahr wieder mit einer Belebung des schwächelnden deutschen Automarktes. Im laufenden Jahr rechne man dagegen mit einem Rückgang auf 3,175 Millionen Neuzulassungen, sagte der amtierende Vertriebschef Detlef Wittig. ?Wir glauben aber nicht, dass sich dieser Trend ins neue Jahr fortsetzen wird.? Im kommenden Jahr rechne er daher mit einem Anstieg um vier Prozent auf 3,3 Millionen Neuzulassungen. Trotz rückläufiger Verkaufszahlen in Deutschland sei es VW in den ersten neuen Monaten gelungen, seinen Marktanteil auf dem Heimatmarkt auszubauen.

Für den weltweiten Automobilmarkt rechnet VW im laufenden Jahr dagegen mit einem höheren Volumen als im Vorjahr. Die Entwicklung werde im vierten Quartal aber durch die anhaltend hohen Energie- und Rohstoffpreise negativ beeinflusst. Neben Deutschland sei aber auch in Spanien und den USA mit geringeren Zulassungszahlen als im Vorjahr zu rechnen. Die Märkte in China und Südamerika dürften dagegen nach Einschätzung der Wolfsburger weiterhin hohe Wachstumsraten aufweisen.

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